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Wunders mag sie ziehen und schmelzen und binden.' Ich weiss ihre eignen Worte. Ein sonderbarer Zauberplan wurde dann entworfen, dessen Grenzen der Graf durch die Abhängigkeit, worin sein tausendkünstlerischer Bruder sich zu allem dingen liess, noch mehr erweiterte, so wie er den Plan dadurch annehmlicher machte. – Linda wird lange vorher, eh' du dies gelesen, dir erschienen, ihr Name genannt, deine Geburt geheimnisvoll verkündigt sein – – Möge, möge dein Geist sich in alles wohl finden, und möge das schwere Spiel dir Gewinn auf seinen aufgeschlagnen Blättern reichen! – Ich bin bange, wie soll ich es nicht sein? – O welche Nachrichten hab' ich nicht eben aus Italien durch den Grafen empfangen, vor denen nun alle meine Hoffnungen auf meinen Ludwig (Luigi) auf einmal erlöschen! Gesiegt hätte nun Hh. (Haarhaar) durch den bösen B. (Bouverot), wenn du nicht lebtest. Und ich muss so froh sein, dass du diesen giftigen Einflüssen entzogen lebstJa es scheint, als habe der Graf die Zernichtung deines Bruders absichtlich gern geschehen lassen, um desto stärker mit deiner Auferstehung zu schrecken. Doch will ich ihm nicht unrecht tun. Aber wem soll eine Mutter am hof vertrauen und misstrauen? Und welche Gefahr ist grösser?

drei Jahre lang musstest du des Scheines wegen auf Isola bella mit deiner scheinbaren Zwillingsschwester Severina, obwohl unter den Augen des Fürsten, bleiben, indes ich mit Juliennen nach Deutschland zurückging. Länger aber durft' es nicht dauern, so gern es deine Pflegemutter gesehen hätte; du wurdest deinem Vater zu ähnlich. Diese Ähnlichkeit kostete mich manche Tränedenn darum durftest du nie aus B. nach P. (Pestitz), solange der Fürst noch Jugendzüge trugsogar die Porträts seiner Jugendgestalt musst' ich darum allmählich wegstehlen und sie dem treuen Spener zu bewahren gebenja dieser gelehrte Mann sagte mir, dass ein erhobner Spiegel, der junge Gesichter zu alten formte, beiseite zu bringen sei, weil du sogleich als der alte Fürst daständest, wenn du hineinsähest – O, da mein guter, frommer Fürst in seinen matten Tagen allerlei unbewusst ausplauderte und mich über das sichere Schicksal des wichtigen Geheimnisses immer sorglicher machte: wie erschrak ich, als er einst am Morgen (zum Glück war nur Spener und eine gewisse Tochter des Ministers v. Fr. dabei, eine sanfte, fromme Seele) geradezu und freudig sagte: 'Unser lieber Sohn, Eleonore, war gestern nachts oben am Altar, er wird gewiss ein frommer Mensch, er kniete und betete schön, und ich sagt' ihm nur, denn ich wollte mich nicht decouvrieren: nach Haus, nach Haus, mein Freund, es donnert schon nahe.'216 Ich weiss, dass verschiedene über einen natürlichen Sohn des Fürsten schon Winke fallen liessen.

Die Gräfin C. (Cesara) ging nun mit S. (Severina) nach V. (Valencia) ab; gab sich aber vorher den Namen R. (Romeiro) und der Tochter den Namen L. (Linda). Der Prinz di Lauria musste der Erbschaft wegen mit seiner Einwilligung in dieses Spiel gezogen werden. Durch diesen Namen-Wechsel konnte alles so dicht zugehüllet werden, als es jetzt noch steht. Neun Jahre darauf starb die edle R. (Romeiro), und der Graf hatte unter dem Vorrecht eines Vormunds die Tochter allein in seinem Schutze und in seiner Vorsorge.

Ich sah sie kurz nach dem tod der Mutter hier217; entfaltet sich die Blume ganz aus dieser vollen Knospe, so gehört sie als die vollste Rose an dein Herz. Möge nur das Geisterspiel, das ich der Gräfin zu leichtsinnig zugeschworen, ohne Unglück vorüber ziehen! – Sollt' ich vor dem Fürsten auf das Sterbebette kommen, so muss ich noch deine Schwester und deinen Bruder in das Geheimnis ziehen, um ganz gesichert meine Augen zu schliessen. Ach ich werde' es nicht erleben, dass ich dich öffentlich als meinen Sohn in meine arme schliessen darf! Die Ahnungen meiner Hinfälligkeit kommen immer häufiger. Es gehe dir wohl, teueres Kind! Werde fromm und redlich wie dein Vater! Gott lenke alle unsere schwachen Hülfsmittel zum besten!

Deine

treue Mutter

Eleonore.

N. S. Noch sehr wichtige Geheimnisse kann ich nicht dem Papier vertrauen, sondern sterbend wird sie mein Mund in das Herz deiner Schwester niederlegen. lebe wohl! lebe wohl!"

143. Zykel

Albano stand lange sprachlos, schaute gegen Himmel, liess das Blatt fallen und faltete die hände und sagte: "Du schickst den Friedenich soll nicht in den Kriegwohlan, ich habe mein Los!" Lebenslust, neue Kräfte und Plane, Freude am Trone, wo nur die geistige Anstrengung gilt, wie auf dem Schlachtfelde mehr die körperliche, die Bilder neuer Eltern und Verhältnisse und Unwille gegen die Vergangenheit stürmten durcheinander in seinem Geist. Er riss sich von seinem ganzen vorigen Leben los, die Seile des bisherigen Totengeläutes waren entzwei, er musste, um die Eurydice aus dem Orkus zu gewinnen, wie Orpheus das Zurückschauen auf den vergangnen Weg vermeiden. Er entüllte dem neuen Freunde alles, denn er kämpfe, sagt' er, nunmehr öffentlich auf freier offner Bahn um sein bisher verstecktes Recht und reise sogleich in die Stadt. Unter dem Er zählen erzürnte ihn das lange gewagte Spiel mit seinen heiligsten Verhältnissen und Rechten noch mehr und das Misstrauen in seine Kräfte und Waffen gegen die Feinde, denen Luigi