ichs) und ein Humorist auch; ist nun aber eines von beiden schon schwer von Verrückung zu trennen, wie viel mehr ihre Einigung! Mit welcher Freude über das Zusammentreffen unserer Beobachtungen ich Ihnen hier den Schlüssel zu seiner stube gebe, das denken Sie sich selber!" – "Wenn er kein Narr ist," (sagte seine Frau) "warum zerschlägt er denn alle Spiegel?" – "Eben darum," (versetzte der Inspektor) "ist er aber einer, so ist dein Mann ein noch grösserer."
Keine Tür öffnete Albano je beklommener als die zu Schoppens kleinem Zimmerchen. "Ich hole dich ab, mein Bruder", rief er sogleich, um sich und ihm Schamröte zu ersparen; aber als er den alten Löwen näher sah, fand er ihn in dieser Fanggrube ganz verwandelt, nicht zahm, kriechend, wedelnd, aber entzweigeschlagen und mit zerbrochnen Tatzen auf die Erde gedrückt; – die Anklage des Mords, die er rechtschaffen eingeräumt, verbunden mit Gaspards unbarmherziger Verurteilung, hatten seine stolze freie Brust mit giftiger Scham gefüllt und zerfressen. "Es geht mir hier wohl, nur verspür' ich mich unpass", sagte Schoppe mit glanzlosem Auge und tonloser stimme. Albano konnte die Tränen nicht verbergen, er schlang sich um den Kranken und sagte: "Grossmütiger Mensch, du gabst mir einst in meiner Krankheit Genesung und Heil zurück, und ich wusste es nicht und dankte dir nicht; gehe mit mir, ich muss dich in der deinigen pflegen, dich heilen und trösten, wie ich kann, dann reisen wir."
"Glaubst du, mein Kriton," (versetzte er, durch den Balsam seines wunden Stolzes gestärkt) "dass ich etwa kein Sokrates bin, sondern wirklich herausgehe aus meinem torre del filosofo? Ein Ehrenwort ist eine dicke Kette." – "Erzähle mir alles, verschone niemand; aber ich sage dir darauf eine Neuigkeit, an der sogleich deine Kette schmilzt", sagte Albano.
"Ei! – Indessen ist der Ort hier seines Orts gut genug, wie gesagt ein torre del filosofo, quai de Voltaire und Shakespeares-Street, und wie man sonst sagen mag und soll – Auch hör' ich immer nachts einen oder den andern Mann neben mir an sprechen; und so fürcht' ich gar nicht, dass der Ich kommt. Ich werfe täglich fünf Brotkügelchen; bilden sie ein Kreuz, so bedeutet es – denke, was du willst –, dass ich mir noch nicht erscheine – Sie machen aber immer eines. Ich bin hier in diesem Anticyra über so manches Wahnbild so beruhigt worden – auch durch jene Bücher – sieh sie an, lauter Traktate über den Wahnsinn –, dass ich, wenn es auch meinen Mordian211 ebensowenig ansteckt wie mich, gern hier gewesen sein will. Mein Umgang ist freilich nicht ohne Gefahr, es ist das Inspektorats-Ehepaar (ein Reim), die beide das hiesige Kerkerfieber tüchtig weghaben. Der Mann hat sich – und dadurch der Frau – die fixe idee in den Kopf gesetzt, er sei unser zeitiger Inspektor und habe aufzuhelfen, aufzusehen und treffliche Bücher zu lesen, die in sein Amt einschlagen – jene Traktate sind vom Narren – Vermutlich hat er draussen in der Stadt seine Inspektorats-idee zu breit vorgucken lassen, und das medizinische Kollegium steckte ihn mit seiner brauchbaren idee herein, weil sie am Ende doch jeder Inspektor zum Amtieren haben muss, er sei toll oder nicht. Unter allen hier im haus gefallen wir uns beide am meisten. Er sondierte mich zu meinem Vorteil; und ich kann ihn sehr brauchen zur Freiheit, nur greif' ich seinen faulen fixen Fleck nicht an. Bloss einen Abendsegen – weil sie kein Gebetbuch haben – improvisier' ich oft beiden vor und flechte in den Segen Winke, die kurmässig für das Paar sein könnten, wenn es wollte. So wandeln wir beide in den Irrgängen dieses Irrgartens vor den Patienten vorbei – hinter ihm, dem unheilbaren Hub von allen, geh' ich ganz tolerant – im Kränzchen herrscht allgemeine Polemik und Skepsis wie in keinem andern Universitätsgebäude – – Es ist zum Tollwerden, sagt er leise zu mir, es ist zum Tollsein, sagt man in diesem Palais d'Égalité, versetz' ich – Ich schneide ihm die Patienten in Schatten aus für sein Manuskript – Wie die Kinder noch etwas haben, das ihnen selber kindisch vorkommt, so haben die Tollen etwas, das ihnen selber toll erscheint – Deutlicher aber werde' ich ihm nie und halte schärfern Spass an mich. Ach was ist der Mensch, zumal ein gescheuter, und wie dünn sind seine Stecken und Stäbe! – – Rührt dich etwas an mir, Albano? etwa mein dummes blasses Gesicht?"
Aber Albano konnte' es ihm unmöglich gestehen, dass dieser umgebrochene edle Mensch mit seinen Täuschungen und sogar mit seinem Stile, dessen Flügel auch gerädert waren, ihm die Tränen in die Augen treibe, sondern er sagte bloss: "Ach ich denke' an vieles; aber erzähle doch endlich, Lieber!" – Schoppe hatte' es aber schon wieder vergessen, was er erzählen sollte; Albano nannte den Ablauf der Porträt-geschichte bei der Gräfin, und jener fing an:
"Die Prinzessin Julienne sprang eben in ihren Wagen, als ich das blinde Mädchen die Treppen hinaufführte, um sagen zu lassen, Bibliotekar Schoppe sei aus Spanien da. Ich wurde in ein verfinstertes Gemach gelassen, worin ich ruhig