wenn er nicht schrieb, und lächelte dabei, aber mit so vielen Linien, dass er Albano ganz fremd erschien. Albano presste ihn heftig ans Herz und verwandelte die heissen Worte, die jener nicht liebte, in heisse Tränen. Es war ein alter Stern aus dem Frühlingsmorgen, wo seine Liane noch lebte und liebte; er ging ihm unter an einem grab in jener Reise-Nacht; jetzt ging er auf, und Albano war wieder unglücklich.
Schoppe besah mit sichtbarem Wohlbehagen Albanos gereifte Gestalt und zog gleichsam dessen schimmernde Flügel auseinander: "Du hast dich" (sagt' er) "recht gut gestreckt und angefärbt – hast Mai und August auf einem Ast, wie ein Pomeranzenbaum." Albano hatte keine Freude darüber: "Erzähle mir nur dein Leben, mein Bruder", sagte er. – "Ich dächte, du erst deines, ich bin müde bis zur Dummheit", sagte Schoppe, indem er sich setzte und seine Jagdtasche aufschnallte. "Künftig!" (versetzte Albano) – "Was du brauchst, will ich dir sagen – ich bekam deine Briefe – ich liebte wirklich die Bewusste – ein Unglück trennte uns – ich bin unschuldig, und sie ist gross – o Gott, sei heute damit zufrieden!"
Nie konnte' er seinen Freunden Schmerzen klagen; noch weniger jetzt das Unglück einer Geliebten entblössen. "Noch länger," (versetzte Schoppe) "nur sage, setzt es neues Elend, wenn ich die Beweise für eure Schwester- und Bruderschaft aus Spanien mitbringe und auspacke?" – "Nein," (sagte Albano) "ich brauche über keine Vergangenheit zu erschrecken." – "Du gehst noch nach Frankreich?" fragte Schoppe. "Morgen, wenn du mitgehst", versetzte Albano.
"Allerdings als deine Feldpredigerei – Nicht aus Mangel an Kunstgeist, wie du aus Rom schreibst, sondern aus Überfluss daran gehst du unter die Soldaten. Ich säh' es gern, wenn du bedächtest, dass auch Dante, Cäsar, Cervantes, Horaz vorher dienten, eh sie kostbar schrieben – nur Studenten kehrens um und dichten etwas Kurzes und Gutes und nehmen später Dienste. – Auf meine Reise zu kommen, so kostets mich schon viel, nämlich Zeit, wenn ich dir erzähle, dass ich deinen närrischen Oheim mit einem Wagen Gepäck im Neste Ondres andertalb Posten von Bayonne ertappte. Ich gestand ihm, ich ginge nach Valencia, um die dasigen Seidenstrumpfwürkerstühle zu zergliedern, meinen Tropfen Eis und eine Westentasche voll Valenz-Mandeln da bei zu geniessen und die wenigen Professoren zu besuchen, die bessere Kompendien für 3000 Realen geliefert209. Er komme vor mir gewiss an, sagt' er. Wir bestellten uns in einen Gastof in Valencia. Mir war an ihm gelegen, da er mich am leichtesten einführen konnte in Romeiros Haus. Aber ich passte da 14 Tage um sonst auf ihn. – Bei dem Haushofmeister fand ich kein Gehör, ob ich ihm gleich seinen dummen Schatten fünfmal mit der Bitte ausschnitt, einem reisenden Maler das Bilderkabinett aufzusperren, wo ich das mütterliche Bild der Gräfin suchte.
Jetzt war ich halb und halb entschlossen, schwanger zu werden und in diesem Habit alles für meine sehnsucht zu fordern, was selber der spanische König keiner Schwangern abschlägt210. In Italien hat man das Kind auf dem Arm, um zu erbitten; in Spanien brauchts diese Sichtbarkeit nicht einmal. Aber zum Glück kam der Oheim. Die Bilderkabinettstür wurde aufgetan. Ich machte mich ans Kopieren – eines dummen Küchenstücks – und schaute überall nach meinem Insel-Porträt. Aber nichts war zu sehen" – (Hier zog er ein hölzernes Futteral aus der Jagdtasche und legt' es vor sich und fuhr fort:) "bis ichs sah zuletzt – ein Bild lehnte auf der Diele an der Wand, mir die Winter- und Hinterseite zuweisend – – es war mein Pinsel-Kind, und seine Zurücksetzung ging mich an – verdrüsslich und ruhig steckt' ichs bei und schnappte im Küchenstück mitten in einem halben Iltis ab – – Sieh das Bildnis an!"
Er zog den Futteral-Deckel davon ab – und Linda strahlte seinen Freund mit einem Strom von Geist und Reizen an, nur in ältere Tracht gehüllt. Albano konnte kaum stammeln vor Bewegung: "Das wäre meines Vaters Gemahlin und meine teuere Mutter? Und du weisst gewiss, dass dieses hier das Bild ist, das du auf Isola bella von ihr gemacht?" –
"Eben tu' ichs dar!" (sagte er und scheuerte an einer Rose des Bildes auf der Stelle des Herzens) "Mein damaliger Paphos-Name Löwenskiold steckt sub rosa und wird gleich vorkommen. Hätt' ich ihn schon unterwegs aufgekratzt, so hättet ihr geglaubt, ich hätte mich erst unterwegs hineingeschrieben." – Wie vor einer schreibenden Geisterhand schauderte Albano zurück, als wirklich ein L und ö unter der Rose vortraten: "Weiter schab' ich" (sagte Schoppe) "nicht vor, das übrige heb' ich Ihr auf." Albano goss nun vor seinem biedern Herzenfreund sein Herz aus; ihm durft' er sagen und einwenden, dass Julienne seine Schwester sei – "wogegen ich gar nichts habe", sagte Schoppe – und dass Gaspard eine künftige Heirat zwischen ihm und Linda genehmigt habe; "es ist kein Ausweg," (setzt' er dazu) "ist sie seine Tochter, so bin ich nicht sein Sohn – ich kann sein heiliges Ehrenwort unmöglich zur Lüge