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der sel. Hauptmann R. v. Froulay Ihre Rolle bei der Gräfin Romeiro durch alle Akte durch im Flötental gespielt. Sie müssen sich der Nebenbuhler wegen eine andere stimme und der Gräfin nachts Augen schaffen, wiewohl es dieser nicht so ganz unangenehm sein mag, sich auf diese Weise öfters in Ihnen zu täuschen. Leben Sie wohl und künftig ein wenig bescheidener!" Bleich starrte er das Totengerippe an, das zwei Riesenhände gewaltsam aus blühenden jugendlichen Gliedern auf einmal herausgezogen emporhielten. Aber das Feuer der Pein schoss schnell wieder auf und erleuchtete den Jammer rings umher. Mit schmerzlicher Gewalt, mit blutigen Armen musste sein Geist den felsenschweren Gedanken, den Leichenstein seines Lebens hin- und herwerfen, um zu prüfen, ob er sich einfüge in die Totengruft; – in Roquairols ganzes Spiel und Ende und Leben griff der Jammergedanke so fassend einaber wieder nicht in Lindas Charakter und in den göttlichen Augenblick, den er mit ihr in Lianens letztem Garten zugebrachtund doch wieder sehr in ihre schnelle Versöhnung und in einzelne Worteund gleich wohl war vielleicht dieses vergiftete Blatt nur eine Frucht der rachsüchtigen Fürstin, von deren Zorn über Roquairols eignen und AffenMord ihm Dian erzählet hatte.

So schmerzlich bewegte er sich auf seinen Wunden hin und her und entschloss sich, noch diesen Abend Linda aufzusuchen, wo sie auch sei: als er von ihr dieses Briefchen bekam: "Komme doch diesen Abend zu mir ins Elysium; er wird gewiss heiter sein. Jetzt lad' ich ein wie du neulich. Du sollst mich auf die schönen Berge führen, und es soll mir genug sein, wenn du nur sehen und geniessen kannst. Julienne brauchen wir immer weniger. Dein Vater dringt auf unsere Verbindung durch Vorschläge, die du heute hören und wägen sollst. – Komme unausbleiblich! – In meinem Herzen stehen noch so viele scharfe Tränen über das böse Trauerspiel. Du musst sie verwandeln in andere, du Geliebter!

Die Blinde."

Er lachte über das Verwandeln; "in gefrorne eher", sagt' er. Die heisse Liebe war ihm ein heftiger Kuss in die Wunde. Er ging nach Lilar, dumpf, hastig, tief in einen roten Mantel gewickelt wie gegen böses Wetterblind und taub gegen sich und die Welt und wie ein Mensch, der stirbt, den Augenblick erwartend, wo er entweder vernichtet hinabraucht oder neu belebt in göttliche Welten hineinfliegt.

Als er Lilar betrat, verzerrte sich der Garten nicht wie neulich, sondern er verschwand ihm bloss. Er ging nahe an einigen vermummten Leuten vorüber, die ein Grab zu machen schienen. "Unrecht ist es doch," (sagte einer davon) "er gehört auf den Anger wie jedes Vieh." Albano blickte hin, sah eine bedeckte Leiche, glaubte schaudernd, es sei der Selbstmörder, bis er den zweiten Gräber sagen hörte: "Ein Affe, Peter, wenn er vornehm gehalten wird, in Kleidern, sieht reputierlicher aus als mancher Mensch, und ich glaube, er stände auch wieder von Toten auf, wenn man ihn nur ordentlich taufte." –

Eben da ihm der Gibbon der Fürstin, der hier begraben wurde, wieder jenen gewittervollen Freitag vor die Seele zog: erblickte er Linda unweit des Traumtempels am arme einer sehenden Kammerfrau. Sie grüsste ihn, nach ihrer Weise vor andern, nur leicht, sagte zur Frau: "Justa, bleib nur hier im Traumtempel, ich gehe hier auf und ab."

Durch diese Einschränkung auf die Perspektive des Traumtempels schloss sie jedes schöne sichtbare Zeichen der Liebe aus, und Albano kannte an ihr schon jene stille Zufriedenheit mit der blossen Gegenwart des Geliebten so wie zuweilen die Wildheit ihres süssen Mundes. Als er sie zitternd berührte und nahe neben sich wiedersah: so überfiel ihn dieses Wesen voll Macht mit der ganzen göttlichen Vergangenheit. Aber er verzögerte nicht die Frage der Hölle: "Linda, wer war Freitag abends bei dir?" – "Niemand, Guter; wenn?" versetzte sie. – "Im Flötental" – stammelte er. – "Mein blindes Mädchen", antwortete sie ruhig. – "Wer noch?" fragte er. – "Gott! dein Ton ängstigt mich" (sagte sie "Roquairol brachte in jener Nacht den Affen um. Ist er dir begegnet?" –

"O schrecklicher Mörder! – Mir?" (rief er) "Ich war verreiset die ganze Nacht, ich war mit dir in keinem Flötental" – – "Sprich aus, Mensch," (rief Linda, ihn an beiden Händen mit Heftigkeit ergreifend) "schriebst du mir nicht die rückgängige Reise und kamst?" "Nichts, nichts," (sagt' er) "lauter Höllenlüge. Das tote Ungeheuer Roquairol brauchte meine stimmedeine Augen und so ist essage das übrige." – "Jesus Maria!" schrie sie, von der Schlagflut getroffen, worein die schwarze Wolke zerrissund griff mit beiden Armen durch die Laubzweige des Laubengangs und presste sie an sich und sagte bittend: "Ach Albano, du bist gewiss bei mir gewesen."

"Nein, bei dem Allmächtigen nicht! – Sage das übrige", sagt' er. "Weiche auf ewig von mir, ich bin seine Witwe!" sagte sie feierlich. "Das bleibst du", sagt' er hart und rief Justa aus dem Traumtempel.

"So lebt er fort, dein Schmerz, mein Schmerz