", sagt' er. "So ist sie bald erfüllt, denn Atenais erwartet mich eben in der Nachtlaube – komme mir nur nach sieben Minuten nach." Sie ging; er sah ihr nach und sprach mit sich: "Eile, bestelle den Himmel! Schöne Schlummerinsel, zugleich die Schlafstätte für das Brautgemach und für den ewigen Schlaf- O wie wenige Minuten stehen zwischen mir und ihrem Herzen!" – –
"Du bist doch da?" sagt' er und sah nach seiner Pistole. – "Jetzt" (rief er feierlich im Abgehen) "ist es Zeit zur helldunkeln Tat, dann wird das Leichentuch darübergeworfen" und ging schnell ins Laub hinein.
Der Spanier warf einen Zweig ins wasser, und die schwarze Dohle sprach leise: "Still ist das Glück, still ist der Tod."
"Der Mensch" (sagte Gaspard) "hat etwas im ganzen Spiele wie wahren Ernst, ich stehe nicht dafür, dass er sich nicht wirklich vor uns allen totschiesset." – "Unmöglich," (sagte Albano erschreckend) "zu einer solchen Wirklichkeit hat er keine Kraft"; indes vermocht' er doch sich selber nicht recht von dieser bangen Möglichkeit loszubringen.
Verstört, ungestüm, mit losem Haar kam Hiort zurück und sagte leise: "Es ist geschehen. – Ich war selig – niemand wirds nach mir." – "Bei der Gelben und jetzt in der Nacht steh' ich für nichts", sagte Gaspard. Albano errötete, über die freche Vermutung verschämt und noch mehr über Roquairols Frevel erzürnt, im Spiele die geheiligte Geliebte zu entehren und zu entführen.
"Töne her, aber weiche, gute!" rief er und liess sich vom Zephyr der Harmonie umwehen und trank unaufhörlich "Leichentrunk" oder Wein; beides zum Verdrusse des Ritters, der das Trinken verabscheuete und die Musik vermied, weil diese oder beide weich machten.
Er legte sich auf den Rasen und die Pistole neben sich und sagte stammelnd: "So lieg' ich denn in der warmen Asche meines aufgebrannten Lebens – und meine kalte kommt dazu" – (Er legte seine Doppellorgnette an die Augen fest und blickte funkelnd hinüber zu Linda) "Ich habe sie am Herzen gehabt, die göttliche Schönheit, meine ewige Liebe; meine Tulpe, die sich nun am Abend über der Biene schliesset, damit sie im Blumenkelche sterbe auf den Rosen meines Abends ruh' ich und sterb' ich – Ich schaue die Holde noch selig an – Ich kann nicht bereuen – Vergib nur, armer Carlos, ich streiche die Schuld mit Blut durch, aber mit Buss-Tränen kann ich nicht – Sollte sich am Ufer der Ewigkeit das, was die Zeit an diesem Ufer abspült, wieder anlegen: so hab' ichs dort schlimm, ich kann mich dort so wenig ändern als hier."
Jetzt geschah in der Stadt ein Kanonenschuss, um einen Deserteur anzukündigen. Er nahm seine Pistole in die Hand: "Ja, ja, ein Schuss bedeutet einen Flüchtling – auch aus der Welt – O wenn hebt sich die scharfe Sichel207 am Morgen und zerschneidet das Leben! Ich bin so müde." Er sah nach dem Morgenhimmel, aber ein Gewitter, das schon leise donnerte, überzog die Pforte des Monds. Er lächelte bitter:
"Auch diese kleine letzte Freude missgönnt mir das Geschick!
Ich soll den Mond nicht mehr sehen – Nun, ich werde wohl höher kommen als er und sein Gewitter – Nur werden mir meine lieben Zuschauer und Zuhörer des Todes durch den Regen vertrieben Ja! bist du aus, so bin ich aus!" Er zeigte auf die Flasche.
"Wilde, grässliche Töne aus der Tiefe herauf! – Mein blutiges Brautkleid her! Es ist Zeit, die abgehende Freude wirft einen langen, wachsenden Schatten hinter sich." Albano und Julienne erkannten erstarrend im kleinen Rocke, den man ihm brachte, den mit Blut bespritzten, den er auf der Redoute getragen, wo er als Knabe sich vor Linda ermorden wollen. "Sie sollen es auf meine kalte Brust legen", sagt' er, da er es von Falterle empfing. Der Donner zog näher, die Blitze wurden glühender, und ans Gewitter wuchs eine Wolke nach der andern. Er trank die Gläser schnell.
"Schaden kanns mir jetzt nichts," (sagte er) "auch der Blitz nicht sonderlich, ob ich gleich unter Bäumen liege – in dieser Röhre steckt ein Blitz gegen alle Blitze, ein rechter Gewitterableiter." –
Das eilende Wetter drängte ihn der Zuschauer wegen zum Ziel, und er wurde zornig empört vom Spotte des Zufalls über seine teatralischen Zurüstungen.
"Nichts ist lustiger und passender als dies Gewitter," (sagte Gaspard) "indes scheint ihn das Reden und Warten ziemlich zu ergötzen." Die andern Zuschauer wurden von der Szene gepeinigt, und doch riss sich keiner los. Den Mitspielern war befohlen, den Schuss als das Merkwort zu nehmen und nicht früher zu kommen.
Er sagte: "Die Todesschlange klappert in der Nähe – dort auf der Zukunft schwimmt die Leiche heran" – Man hörte, dass er durch einander sprach und aus dem Stegreif, vom Gewitter gequält. Er sah die Pistole an: "Dein Aufblick! so ist der blick des Lebens getan und wieder unter dem Augenlid – Ein Funke, ein einziger Funke, so ist der Teatervorhang hinaufgelodert, und ich sehe die Zuschauer stehen, die Geister –