, welche mit einer wilden dicken Vermischung von Blumen, Gebüschen und hohen Bäumen zugedeckt war. Ihre Morgenseite zeigte einen offnen freien Vorgrund, auf welchem gespielt werden sollte, mit einer weissen Sphinx auf einem leeren Grabmal tiefer im Grün. Die Kulissen waren die dunkeln Laubpartien; Parterre und Logen das jenseitige Ufer, das von der Insel sich durch einen See abtrennte, der so breit war als ein mässiges Schiff. An zwei Bäume der beiden Ufer gebunden, hing in die Mitte des Sees wie eine Laterne der Käfig der Dohle oder des Chors herab, um ihre dumpfe stimme den Zuschauern zu nähern. "Ich bin in der Tat neugierig," (sagte der Ritter zu seinem Sohne) "woher er das Tragische nehmen wird." – "Doch!" (sagte Roquairol, der bisher schweigend und unruhig und auf den Boden schauend auf- und abgegangen war) "Nur muss ich allgemein um Vergebung des Aufschubs ersuchen. Da ich im fünften Akte den Mond anrede, so kann ich den wahren sehr gut brauchen, wenn ich nur gerade so anfange, dass sein Aufgang mit der letzten Szene zusammentrifft."
Endlich stieg er blass werdend in den Charons-Nachen, wie er sagte, und fuhr allein hinüber. Dann schifften die übrigen Spieler nacheinander fort. Alle verloren sich hinter die Bäume. Nun hob sich hinten in den zugelaubten Abend-Ländern der Insel die ewige Ouvertüre aus Mozarts Don Juan wie ein unsichtbares Geisterreich langsam und gross in die Lüfte.
"Diablesse!" rief darauf der Bruder des Ritters zur Dohle und klatschte dabei zum Zeichen in die hände.
"Macht auf den Sarg" (begann dumpf das Tier, begleitet von einzelnen lugubern Tönen des Orchesters) "auf dem Gottesacker und zeigt zum letzten Male die Leichenbrust und Sein trocknes Augenlid, und dann drückt ihn zu auf immer."
Jetzt traten Lilia (Chariton) und Carlos (Dian) heraus, zwei Liebende noch in der ersten Zeit der ersten Liebe – noch kein trüber Tränenregen verschwemmte den goldnen Morgentau – sie sind sich so treu. Lilia freuet sich mit ihm, dass jetzt ihr Bruder Hiort von seinen Reisen kommt und seinen Jugendfreund Car los als ihren ewigen findet. "Vielleicht ist er auch recht glücklich", sagte Lilia. "O so gewiss," (sagte Carlos) "er ist ja sonst alles." Zuweilen schwiegen beide im frohen Anblicken, dann gingen Töne aus dem verhüllten Abend der Insel und trugen die stumme Wonne in den Äter und zeigten sie ihnen schwebend und verklärt. Unter den Zuschauern breitete sich eine süsse Teilnahme an Dians und Charitons zartem, aber mit südlicher Glut verwebtem Nachspielen ihrer schönen Wirklichkeit aus; man hörte und sah die Griechen. – Auf einmal entfloh Lilia hinter die Blumen-Gebüsche; denn ihr Feind Salera, Carlos' Vater, kam, von Bouverot gespielt.
Salera verkündigte dem Sohne zürnend die Ankunft seiner Braut Atenais. Carlos offenbarte ihm jetzt das Geheimnis seiner frühern Liebe und zeigte sich gewaffnet gegen eine ganze Zukunft. Salera rief erbittert: "Wäre Sie doch nicht schön, damit ich dich zwänge und strafte! Aber du wirst Sie sehen und mir gehorchen, und ich werde dich doch hassen." Carlos versetzte: "Vater, ich habe schon Lilia gesehen." – Salera ging mit zornigen Wiederholungen ab, und Carlos wünschte jetzt noch heftiger Hiorts Wiederkehr, um mit ihm die Schwester leichter zu entführen durch dessen Bereden und Begleiten zugleich. Hier schloss sich der erste Akt.
Der Bruder des Ritters rief zur Dohle: "Diablesse!" und scharrte zum Zeichen mit dem fuss.
"Erscheine, blasser Mann," (sprach das Tier) "die Uhr wiegt die Zeit, Mensch des Jammers, land auf der stillen Insel an!"
Hiort trat blass beschminkt hervor mit offner Brust, blickte das Grabmal an und sagte aus innerster Seele: "Endlich!" Die Musik spielte einen Tanz. "Jawohl Schlummerinsel – unser Tag endigt mit Schlaf", setzt' er dazu. Jetzt kam sein Carlos: "Hiort, bist du tot?" rief er im Schrecken über die Leiche. "Ich bin nur bleich", sagt' er. "O wie kommst du so aus der schönen bunten Erde zurück?" sagte Carlos. "Ausgeschöpft, Karl – mit totgebornen Hoffnungen – meine Gegenwart ist von der Vergangenheit enterbt das Sinnenlaub ist gefallen – nicht einmal die schöne natur mag ich mehr, und Wolken wie Gebürge sind mir lieber als wahre Gebürge – ich habe das bittere Unkraut auf dem Leben recht abgeerntet – und doch muss ich in dieser leeren Brust einen Würgengel herumtragen, der ewig gräbt und schreibt, und jeder Buchstabe ist eine Wunde – Rate nicht! Sie nennens das Gewissen. Aber ein wenig Schlaftrunk her auf der Schlafinsel, Karl!"
Man brachte Wein. Er erzählte nun dem Freunde sein Leben seine Fehler, worunter er auch den aufführte, den er eben fortsetzte, das Trinken – seine sich wiedergebärende Eitelkeit sogar mit ihrem Selbst-Geständnis – seine Weiber-Siege, die ihn zu einem Magnet-Berge voll angeflogner Nägel zerfallner Schiffe machten – seinen Hang, wie Kardan Freunde zu beleidigen, ein eigenes oder fremdes Glück zu unterbrechen, wie schon als Kind den Prediger, oder im schönsten Spiel das Klavier zu zerschlagen und in einem Entusiasmus das Frechste zu denken –
"Sonst hatte' ich doch noch zwei Ichs, eines, das versprach und log, eines, das