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sie zurück. "Liebe ist Leben und Sterben und Himmel und Hölle," (sagt' er) "Liebe ist Mord und Glut und Tod und Schmerz und LustKaligula wollte seine Cäsonia foltern lassen, um nur von ihr zu wissen, warum er sie so liebeich wäre das auch imstand."

"Göttlicher Albano! trinke nicht mehr so! du bist zu ungestüm, deine Augenbraunen stürmen sogar mitwie bist du denn?"

"Alles auf einmal, wie ein Gewitter, voll Glutund mein Himmel ist hell durch den Blitzund ich werfe kalten Hagelund eine Zerstörung nach der andern, und es regnet warm auf die Blumenund Himmel und Erde verknüpft ein stiller Bogen des Friedens."

Jetzt sah er am Himmel die Sturmwolken wie Sturmvögel zwischen den Sternen und neben dem zornigen Blutauge des Mars schon heller fliegen; der Mond, der ihn verjagte und verriet, warf bald das Richter-Auge eines Gottes auf ihn. Im Hohne gegen das Schicksal riss er auf für seine küssende Wut den Nonnenschleier und Heiligenglanz ihrer jungfräulichen Brust. Fern stand der Leuchtturm des Gewissens, von dicken Wolken umzogen. Linda weinte zitternd und glühend an seiner Brust. "Sei mein guter Genius, Albano!" sagte sie. – "Und dein böser; aber nenne mich nur ein einzigesmal Karl", sagt' er voll Wut. "O heisse denn Karl, aber bleibe mein voriger Albano, mein heiliger Albano!" sagte sie. –

Plötzlich fingen im Tal die Flöten an, die der fromme Vater zu seinen Abendgebeten spielen liess. Wie Töne auf dem Schlachtfeld riefen sie den Mord heranda schmolz Lindas goldner Tron des Glücks und Lebens glühend nieder, und sie sank herab, und das weisse Brautkleid ihrer Unschuld wurde zerrissen und zu Asche.

"Nun die Deinige bis in meinen Tod!" sagte sie leise mit Tränenströmen. "Nur bis in meinen", sagte er und weinte jetzt weich mit den weinenden Flöten. An der goldnen Kugel auf dem Berge glomm schon der Mond, der wie ein bewaffneter Komet, wie ein einäugiger Riese heraufdrang, den Sünder aus seinem Eden zu jagen. "bleibe, bis der Mond kommt, damit ich in dein Angesicht sehe", bat sie. "Nein, du Göttliche, mein Freudenpferd wiehert schon, die Todesfakkel brennt herab in meine Hand", sagte er tragischleise. Der Sturm war vom Himmel auf die Erde gezogen; sie fragte: "Der Sturm ist so laut, was sagtest du, Schöner?" – Er küsste wild ihre Lippe und ihren Busen wieder; er konnte nicht gehen, er konnte nicht bleiben: "Gehe morgen nicht" (sagt' er) "in den Trauerspieler, ich flehe dich, das Ende, hör' ich, ist zu erschütternd."

"Ich liebe ohnehin dergleichen nie. O bleibe, bleibe länger, ich sehe' dich ja morgen wieder nicht." Er presste sie an sichdeckte ihre Augen mit seinem Angesicht zudas Gorgonenhaupt des Mondes wurde schon in den Morgen heraufgehobener liess das Leben los, wenn er sie entliessund doch zehrte jedes gestammelte Wort der Liebe an der kurzen Zeit. Der Sturm arbeitete in den gerissenen Bäumen, und die Flötentöne schlüpften wie Schmetterlinge, wie schuldlose Kinder unter dem grossen Flügel weg. Roquairol, wie betäubt von solcher Gegenwart, war nahe daran, zu sagen: sieh mich an, ich bin Roquairol; aber der Gedanke stellte sich schnell dazwischen: "Das verdient sie nicht um dich; nein, sie erfahr' es erst in der Zeit, wo man den Menschen alles vergibt." – Noch einmal heftig hielt er sie an sich gedrückt, das Mondlicht fiel schon auf beide herein, er wiederholte tausend Worte der Liebe und Scheidung, stiess sie zurück, fuhr schnell um und schritt in Albanos Kleidung durch das Tal hindurch.

"Gute Nacht, Mädchen", sagt' er vorübergehend zur Blinden. Linda sang nicht wieder wie vorhin. Die Sterne sahen ihn an, die Sturmwinde redeten ihn andie Freuden gingen neben ihm, hatten aber die Furienmasken nun auf den Gesichternaus dem Himmel griff ein Arm herab, aus der Hölle griff ein Arm herauf, und beide wollten ihn fassen, um ihn auseinanderzureissen – "Nu, nu," (sagt' er) "ich war wohl glücklich, aber ich hätt' es noch mehr sein können, wär' ich Ihr verdammter Albano gewesen" – und schwang sich auf sein Freudenpferd und jagte noch in der Nacht nach dem Prinzengarten.

129. Zykel

Albano und sein Oheim zogen dem angekündigten Schoppe von Dorf zu Dorf weiter entgegen; der Oheim schob die Hoffnung wie einen Horizont immer vor ihnen voraus; einmal abends glaubte der Graf Schoppes stimme nahe neben sich zu hören umsonst, der geliebte Mensch kam noch nicht an sein Herz, und schmachtend sah Albano die Wolken im Himmel auf dem Weg herziehen, den sein Teuerer unter ihnen auf der Erde nahm. Der Oheim erzählte ihm lange von einem geheimen Kummer, der den Bibliotekar oft niederdrücke, und von dessen Ansatz zur Tollheit, der ihn auch früher von ihm weggetrieben, weil er unter allen Menschen keine so fürchte als tolle. Von Romeiros Porträt schien er nichts zu wissen. Albano schwieg verdrüsslich, weil der Spanier unter die unleidlichen Menschen gehörte, die mit glattem festen Gesicht und mit zugeschraubter gehelmter