1800_Jean_Paul_052_277.txt

Stockdegen, den er nebst einem Taschenpistol bei sich hatteendlich sah er eine hässliche Gestalt, einem bösen geist ähnlich, die ihm nachranntesie packte ihnes war der Fürstin langarmiger AffeEr durchstach ihn auf der Stelle, um nicht von ihm verfolgt zu werden.

Unten im freien Garten ging er langsam, um keinen Verdacht zu wecken. Er schlich leise wie der Tod, der auf dem Donnerwagen einer Wolke ungehört durch Lüfte über den Blütenbaum zieht, worunter eine Jungfrau lehnt, und versteckte den mörderischen Wetterstrahl in seine Brust. Er öffnete das hohe Pforten-Gesträuch des Flötentals; alles war darin still und dunkel; nur hoch im Himmel ging ein seltsamer brausender Sturm und jagte die Wolken-Herde, aber auf der Erde war es leise, und kein Blatt bewegte sich. "Ist jemand da?" fragte die blinde Türhüterin. "Guten Abend, Mädchen!" sagte Roquairol, um durch seinen Sprachton für Albano zu gelten.

Tief im engern laubigen Tale sang Linda leise ein altes spanisches Lied aus ihrer Kinderzeit. Endlich wurde sie erblicktdie Riesenschlange tat den giftigen Sprung nach der süssen Gestalt, und sie wurde tausendfach umwunden.

Er hing an ihr sprachlosatemlosdie Wolke seines Lebens brachTränen der Glut und Pein und Wonne rannen brennend fortalle arme, worein der Strom seiner Liebe bisher seicht umhergelaufen war, schossen brausend zusammen und fassten und trugen eine Gestalt – – "Weine nicht, mein guter Mensch, wir lieben uns ja immer wieder", sagte Linda, und die zarte schöne Lippe gab ihm den ersten innigen Kuss. Da kreisete das Feuerrad der Entzückung mit ihm reissend um, und um den darauf geflochtenen Kopf wehten die Flammen-Kreise hoch auf. Aus Furcht, erblickt zu werden, wenn er erblicke, und aus Lust hatte' er die Augen geschlossen; jetzt tat er sie auf- so nahe an sich und in seinen Armen sah er nun die hohe Gestalt, das stolze blühende Antlitz und die feuchten warmen liebes-Augen. "Du Himmlische," (sagt' er) "töte mich in dieser Stunde, damit ich sterbe im Himmel. Wie will ich nachher noch leben? – Könnt' ich meine Seele in meine Tränen giessen und mein Leben in deines und wäre dann nicht mehr!"

"Albano," (sagte sie) "warum bist du heute so anders, so traurig und weich?" –

"Nenne mich" (sagt' er) "lieber bei deinem Namen, wie die Liebenden auf Otaheiti die Namen tauschen. – Vielleicht hab' ich auch etwas getrunkenaber ich bereue ja das Gesternich liebe dich ja neu. Ach, du, liebst du denn auch mein Innres, Linda?"

"Süsser Jüngling, kann ich es denn jetzt nicht ewig lieben? – Ich bleibe ja bei dir und du bei mir."

"Ach du kennst mich nicht. Wenn weiss es denn der Mensch, dass gerade er, gerade dieses Ich gemeinet und geliebet werde? Nur Gestalten werden umfasset, nur Hüllen umarmt, wer drückt denn ein Ich ans Ich? – Gott etwa." –

"Und ich dich" – sagte Linda.

"O Linda, liebst du mich fort in meinem grab, wenn die Spreu des Lebens verflogen istliebst du mich fort in meiner Hölle, wenn ich dich aus Liebe gegen dich belogen habe? – Ist denn Liebe die Entschuldigung der Liebe?"

"Ich liebe dich fort, wenn du mich liebst. Bist du die Giftblume, so bin ich die Biene und sterbe in dem süssen Kelch."

Die Braut sank an seinen Hals. Er umklammerte sie heftig und wurde immer ähnlicher dem Gletscher, der durch Wärme weiterrückt und schmelzend verheert. Um ihn zogen die Freuden mit glänzenden, mit himmlischen Gesichtern, zeigten ihm aber in den Händen Furienmasken.

"Du willst sterben aus Liebe; ich bin schon gestorben aus Liebe – O du weiss nicht, wie lange ich dich schon liebte!" antwortete er.

"Glühender," (sagte sie) "denke an diese Nacht, wenn du einst Idoinen siehst!" – "So sehe' ich nur meine aufgestandne Schwester", sagt' er, aber sogleich über die entfahrne Wahrheit erschreckend. "Man sieht" (setzt' er eilig dazu) "das auferstandne Herkulanum, aber man wohnt im blühenden Portici darüber; ich und du sahen im Baja-Golf unter dem Meer die versunknen Bogen und Tore, und wir schifften nach lebendigen Städten weiter. – Ist mir doch auch Roquairol in so manchem so ähnlich und liebt dich so sehr und so lange und starb auch einmal wie Liane!" –

"Aber diesen hatte' ich nie geliebt, und nun bin ich deine ewige Braut."

"Der arme Mensch! Aber ich tat, glaube ich, doch nicht recht, da ich einst in der Tartarushöhle dir Ungesehenen im voraus entsagte aus Liebe gegen den Freund."

"Gewiss nicht; aber wie kommen wir beide auf dieses unheimliche Wesen?" sagte sie küssend.

"Heimlich möchte' ichs eher nennen", versetzt' er, entbrennend in hassender Liebe, im Zwiespalt der Rache und Lust und entschlossen, nun den Leichenschleier über ihre ganze Zukunft zu weben. Er schlug die schwarzen Adlerschwingen um das Opfer und erstickte und erweckte Küsse, er riss die Orangenblüten von ihrer Brust und warf