zugleich durch Kürze und Stärke erquickte –, macht' er sich bei so vielen, als ihn liebten. Von Rabette schied er so stürmisch-weich, dass sie erschrocken zu ihm sagte: "Karl, das bedeutet doch nichts Böses?"
– "Jetzt ist alles böse an mir", sagt' er.
Durch Verwendung der Fürstin waren für sein Trauerspiel auf den nächsten Tag die bedeutendsten Zuschauer geworben, auch Gaspard und Julienne samt dem Hof. Das Geheimnis zog an; auch der Fürstin war seine Rolle verdeckt. Nur seinen Vater, der dem Hof gern folgen wollte, strich er aus der Zahl durch einen grossen Zorn, worein er ihn setzte, weil er ihn mit keiner andern als dieser Dornhecke abzuhalten wusste. Seine Mutter und Rabette hatte' er beschworen bei ihrem Glück, bei seinem Glück, keine Zuschauerinnen seines Spiels zu werden.
Ein neuer Wind des Zufalls war ihm zum Heben seiner Flugmaschine durch den seltsamen Bruder des Ritters gekommen, der mit solcher Freude von der eisernen Maske seiner tragischen Maske hörte, dass er mit dem Antrag zu ihm kam, er wolle ihm einen neuen wunderbaren Spieler zuführen. "Alles ist besetzt", sagte der Dichter. "Man mache ein Chor zwischen den Akten und geb' es einem", sagte der Spanier. Roquairol fragte nach dem Namen des Spielers. Der Spanier führt' ihn in seinen Gastof; innen im Zimmer rief schon eine tierisch-dumpfe stimme: "Kommst du denn schon wieder, mein Herr?" Sie fanden darin nur eine schwarze Dohle. "Man stelle den Vogel auf das Teater, er sei das Chor, er sage in halbem Gesang mezza voce bloss zwei, drei Zeilen her, die wirkung wird kommen", sagte der Spanier. Roquairol staunte über die langen Sprüche der Dohle. Der Spanier erbat sich einen längern von ihm, um ihn ihr vor seinen Ohren einzulernen. Roquairol gab ihm den: "Im Leben wohnt Täuschung, nicht auf der Bühne." Der Spanier sagte anfangs bloss in Wort zum Nachsprechen vor, dann wieder eins, wiederholte es dreimal, sagte dann, mit den Fingern den Vogel ermunternd:
"Allons, diablesse!" und das Tier stotterte dumpf die ganze Zeile her. Roquairol fand in dieser komischen Tier-Larve etwas Fürchterliches und nahm den Vorschlag, einige Chorzeilen zu dichten und dem Vogel anzuvertrauen, unter einer eignen Bedingung an, – dass nämlich der Spanier seinen Neffen Albano den Abend vor her von Pestitz entferne unter irgendeinem Vorwand und dann mit ihm im Prinzengarten erscheine. Der Spanier sagte: "Herr Hauptmann, ich brauche keinen Vorwand, ich habe Wahrheit! Ich werde mit ihm seinem Freund Schoppe entgegenreisen, er will morgen abends kommen; auch dieser wird mit zusehen." –
Albano konnte in seiner verworrenen Stimmung gegen Linda und in der erwartungsvollen gegen Schoppe nichts so leicht annehmen als einen kleinen Reiseplan, um diesen geliebten Schoppe früher an der Brust zu haben. Julienne wurde in Gegenwart des kranken Fürsten von der Fürstin gebeten, sie zu Idoine zu begleiten, die ihrer auf halbem Wege in einem Grenzschloss wartete, und den andern Tag in den Prinzengarten zurückzugehen. Sie weigerte sich. Der kranke angestiftete Bruder tat die von ihm erbetenen Bitten dazu. Die Schwester erfüllte sie.
Nun war alles für den Abend, woran Roquairol Linda sehen wollte, berichtigt – So glimmen nachts in den Scheuern eines schuldlosen Dörfchens die eingelegten Brände – der Sturmwind brauset um die müden schlafenden Einwohner – die Räuber stehen auf den Bergen im Abendnebel und schauen wartend herab, wenn die Feuerschwerter der Flammen auf allen Seiten durch die Nebel glänzen und mit ihnen rauben und morden werden, um zu ihnen herabzukommen.
128. Zykel
Linda las das Blatt unzähligemal, weinte vor süsser Liebe und dachte nicht daran, zu – vergeben. Dieses Wehen der Liebe, das alle Blumen beugt und keine pflückt, hatte sie schon so lange gewünscht: und jetzt auf einmal nach der nebligen Windstille des Herzens ging es lebendig und frisch durch den Garten ihres Lebens. Sie konnte schwer acht Uhr erwarten. Sie half sich über die Zeit hinweg durch Wählen des Putzes, der zuletzt ganz in dem Schleier, hut, Kleide und allem bestand, was sie getragen, als sie ihren Geliebten zum erstenmal auf Ischia gefunden.
Sie steckte die Paradieses- oder Orangenblüten, die Zeiger jener Zeit und Welt, an ihr klopfendes Herz und ging zur bestimmten Stunde, mit dem blinden Mädchen am arme, in den Garten hinunter. Sowohl aus Hass gegen den Tartarus als aus Willigkeit gegen den Brief nahm sie den Weg ins Flötental. Die Nacht war finster für ihr Auge, und das blinde Mädchen wurde ihre Führerin.
Oben auf dem Lilarsberg mit dem Altare stand, wie der böse Geist auf der Zinne des Paradieses, Roquairol und blickte scharf in den Garten herab, um Linda und ihren Weg zu finden. Sein Freudenpferd war unten im tiefen Gebüsch an ausländische Gewächse angebunden. Voll Ergrimmung sah er noch Dian und Chariton mit den Kindern in dem Garten gehen; und oben im Donnerhäuschen ein kleines Licht. Er verfluchte jede störende Seele, weil er entschlossen war, heute im Notfall jeden Stürmer seines himmels zu ermorden. Endlich sah er Lindas lange rote Gestalt gegen das Flötental zugehen und das Schwellen-Gebüsch aufziehen und darhinter verschwinden.
Er eilte den langen Schneckenberg herab, warm wie eine vergiftete Leiche. Hinter sich hörte er im langen Busch-Gewinde jemand nacheilen – er entbrannte und zog seinen