wie er es gerade wollte! Warum war ich nicht seine erste Liebe und seine Liane und wäre auch gestorben? – Gute Julienne, warum sprichst du nicht?" "Lasse mich nur sprechen", sagte diese, wiewohl nicht ganz wahr. Sie war ergriffen und gestraft von Lindas treffender Wahrheit und vom eignen Bewusstsein, dass sie einen Plan, Lindas Vorurteile gegen die Ehe aufzulösen, angelegt, dessen Hülfsmittel ihr von Linda gerade als Rechtfertigungen der Eifersucht vorgezählt worden; und dass sie einen Felsen auf der Spitze eines Felsen in Bewegung und in den Fall gebracht, den sie nun nicht mehr regieren konnte. Auch war sie betäubt, ja erzürnt von einem ihr fremden Ungestüm der Liebe, vor welchem sie den verhassten Trost gar nicht aussprechen durfte, dass Albano stets nach der Pflicht der Treue handeln würde. – Schön war sie überrascht von der geglückten Bekehrung zum Trauungs-Ja. Mit einiger Ungewissheit des Erfolgs bei Linda, die durch das Mondlicht und die ferne milde Bergmusik nur stürmischer geworden, fuhr sie fort: "Ich wollte dich nicht gern unterbrechen mit dem Lobe deines Entschlusses zur Ehe – Unrecht hast du sonst in allen Stücken. Freilich ist Sie jetzt ernster; aber sie stand am Sterbebette ihres Ebenbildes und sah sich in Lianen erbleichen – das mässigt sehr. Ihn anlangend: so, hätt' Er dich früher gesehen...."
"Sah er nicht früh das Bild auf dem Lago maggiore, aber unähnlich, wie er sagt?"
"So will ich dirs denn gestehen, Wilde," (versetzte Julienne) "weil man dich nicht überraschen soll, dass ich ihn gestern gebeten, mit zur Prinzessin zu reisen, und dass er eben aus Rücksicht und Kälte gegen alle Ähnlichkeiten mir es derb abgeschlagen; aber morgen erwartet er uns im Prinzengarten."
Verändert – weich – mit verklärten Augen sagte Linda mit gesunkner stimme: "Mein Freund liebt mich so sehr? – Ich lieb' ihn aber auch sehr, den Reinen. Morgen will ich zu ihm sagen: nimm meine Freiheit und bleibe ewig bei mir. Vom Altare ziehen wir davon, meine Julienne, du und er und ich, nach Valencia, nach Isola bella, oder wohin er will, und bleiben beisammen. Du guter Mond und Musik! Wie die Töne und die Strahlen so kindlich miteinander spielen! – Umarme mich, meine Geliebte, vergib, dass Linda unartig gewesen!" – Hier war der Sturm des Herzens in süsses Weinen zergangen. So wird in den Ländern unter der scheitel-rechten Sonne täglich der blaue Himmel Donner, Sturm und schwarzer Regen, und täglich geht die Sonne wieder blau und golden unter.
Julienne versetzte bloss: "Schön! nun wollen wir hinauf!", weniger als sie zu schnellen Übergängen fähig. Als sie oben die stille, helle, nichts begehrende Idoine wiedersah – die fest und heiter Handelnde – klagenlos und hoffnungslos – nur den Ährenkranz der Taten, nie den blumigen Brautkranz tragend – so viele weisse Blüten zu ihren Füssen, die zu keinem Kranz und Gewinde zusammengehen – ihre helle reine Seele einem hellen reinen Tone gleich, der seinen Reiz durch nasse wolkige Luft ungetrübt und ungebrochen trägt: so fühlte sie, Idoine sei ihr schwesterlicher verwandt als Linda, jene sei ihr ein Ideal und Sternbild in ihrem Himmel über ihr, diese ein fremdes, das fern und unsichtbar in einer zweiten Halbkugel des himmels glänzt; aber in ihr wirkte die weibliche Kraft, fortzulieben fast bis in den Hass hinein, stärker als in irgendeiner Frau, und sie blieb der alten Freundin getreu. Idoine gehörte unter die weiblichen Seelen, die dem mond ähnlich sind: blass und matt muss er am prächtigen Abendhimmel, den Glanz und brennende Wolken schmücken, stehen und kann auf der Erde keinen einzigen Schatten verdrängen und steigt mit unsichtbaren Strahlen, aber das fremde Licht verbleicht, und seines wächset aus dem Schatten auf, bis zuletzt sein überirdischer Glanz die ErdenNacht umzieht und in eine zweite Welt umkleidet, und alle Herzen lieben ihn weinend, und die Nachtigallen singen in seinen Strahlen.
Alles war nun bestimmt und geendigt. Linda hielt sich in ihrer Ferne und bloss aus Gesetz der geselligen Artigkeit, das sie niemals übertrat. Idoine zog sich, eine Veränderung erratend, aus der vorigen Nähe sanft zurück. Früh am dunkeln Morgen schieden sie, aber Julienne sagte es ihrer Freundin nicht, dass sie Idoinen, als sie voneinander gingen, sich mit nassen Augen hatte wenden sehen.
126. Zykel
Albano hatte während Lindas Abwesenheit von Roquairol die Bitte bekommen, nur jetzt nicht lange zu verreisen, damit er in einigen Tagen sein Trauerspiel "den Trauerspieler", noch sehen könne. Gaspard, den er unwillig über Lindas Ehescheu antraf, gab ihm ein sonderbares Kartenblatt für Linda mit, worauf von ihrem unsichtbaren Vater nichts stand als dies: "Ich genehmige deine Liebe. Ich erwarte, dass du sie besiegelst, damit ich meine Tochter endlich umarme.
Der Zukünftige."
So viele fremde wichtige Wünsche, die mit dem seinigen zusammenflossen, hielten nun von seinem zarten Ehrgefühl den Verdacht der Selbstsucht und Zudringlichkeit ab, wenn er sie um das schönste fest seines Lebens bat. Er machte seinen Vater sehr zufrieden durch diesen Entschluss, zu bitten. Gaspard teilt' ihm geheime Kriegsnachrichten mit und sagte ihm scherzend, nun sei es bald Zeit, dass er für seine Freunde, die Neufranken, fechten helfe. Albano sagte, es sei sogar sein Ernst. Das hör'