und still zu bleiben, damit nicht noch mehr Leute, etwa gar ihre "belle-soeur", zwischen ihren Bund sich drängten. Albano nahm es freundlich an, bat sie aber ernst, nur keine Plane zu machen, weil er zu ehrlich dazu gegen Linda sein und ihr sogleich das ganze Wort der Charade sagen würde.
Sie entdeckte ihm, sie habe weiter keinen zu etwas gemacht als zu einem frohen Tag für morgen, den nämlich, mit Linda die Prinzessin Idoine in Arkadien zu besuchen, der sie ausser dem Besuch noch grössere Dinge schuldig sei, besonders ihr halbes Herz: "Du reitest uns zufällig nach und triffst uns mitten im Schäferleben an" (setzte sie dazu) "und überraschest deine Linda." – Er sagte sehr entschieden Nein; weil er vor Idoinens Ähnlichkeit mit Lianen – ob er gleich nur wusste, dass Liane jene im Traum-Tempel vorgespielt, noch nicht aber, dass Idoine diese vor seinem Krankenbette nachgebildet – und vor der Gegenwart der Ministerin die Flucht aus Scheu sowohl der bittern Erinnerungen als der süssen nahm, welchen beiden Roquairol in solchem Falle nachgezogen wäre. Julienne wandte boshaft ein: "Fürchte nur nichts für die Prinzessin; sie musste, um vom verhassten Bräutigam nur loszukommen, allen Ihrigen eidlich angeloben, nie einen unter ihrem stand zu wählen – und das hält sie, sogar bei dir." Er beantwortete den Scherz bloss mit der ernsten Wiederholung des Neins. Nun so bestehe sie darauf, versetzte sie, dass er ihnen beiden wenigstens auf halbem Weg entgegenkomme und sie im "Prinzengarten" – einem von Luigi als Erbprinz angelegten und auf dem Fürstenstuhle vergessenen Park – erwarte. Das ergriff er sehr freudig.
Sie fragte scheidend noch scherzhaft: "Wer hat dich von neuem mit einer Schwester beschenkt?" Er sagte: "Das konnte mein Vater nicht von mir erfahren." – "Bruder," (sagte sie sanft) "ein Herr war es, der Prinzessinnen leicht für Gräfinnen nimmt und der nächstens noch toller zu werden glaubt, als er schon ist – dein Schoppe" und flog davon.
125. Zykel
Am Morgen darauf fuhren beide Freundinnen nach Arkadien. Julienne – obwohl betrübter durch ihren kränkern Bruder – heiterte sich durch das Vertrauen auf einen Plan auf, den sie ungeachtet ihrer Versicherung zum Glücke des gesunden entworfen, um ihn in Arkadien auszuführen. Sie verbarg öfters, wie andere hinter den schwarzen Trauerfächern der Trauer und Empfindung, so hinter dem heitern Putzfächer des Lachens, der den Zuschauern die bemalte Seite zukehrte, ihren Kopf mit seinen Entwürfen; unter lachen und Weinen ging und dachte sie diesen nach. So hatte sie an Albano die Bitte, Idoine mit zu besuchen, nur aus Schein und in der Gewissheit getan, dass er sie abschlage, oder im Falle er komme, dass es dann Idoine tue; denn sie wusste aus Idoinens Besuchen im vorigen Winter, dass diese an den von ihr hergestellten schönen Fieberkranken häufig in Gesprächen gedacht und dass sie jetzt vor seiner Ankunft geflohen war, um nicht über seine helle liebende Gegenwart, die ihr am leichtesten durch die Fürstin bekannt geworden, als ein Gewölke aus der Vergangenheit hereinzuziehen voll trüber Ähnlichkeiten. Julienne hatte sogar erfahren, dass die Fürstin sie umsonst länger halten und aufbewahren wollen, um vielleicht den Jüngling durch sie zu erinnern, zu schrecken, zu ändern, oder zu strafen. Juliennens Liebe gegen die Prinzessin wäre durch jene zarte Flucht vor Albano vielleicht so warm geworden, als die gegen Linda war, wenn eben diese Liebe nicht dazwischen gestanden hätte; wenigstens hatte' ihr diese schöne Flucht ein ungemessenes Vertrauen – was eben das rechte und einzige ist – auf die Prinzessin gegeben.
Der Reisetag war ein schöner Ernte-Morgen voll bevölkerter Kornfluren, voll Kühle und Tau und Lust. Linda freuete sich kindlich auf Idoine und sagte die Gründe in frohem Tone: "Zuerst weil sie deinem Bruder das Leben gerettet – und weil sie doch wusste, was sie wollte, und darauf mutig beharrte und sich nicht wie andere Prinzessinnen zum Opfer des Trones verhandelte – und weil sie die deutscheste Französin ist, die ich kenne, ausser der Madame Necker – Ja mir gehört sie ordentlich mit aller schönen Jugend unter die alten Frauen, und diese sucht' ich von jeher vor, denn es ist doch etwas von ihnen zu lernen. Dich liebt sie sehr, mich, glaube' ich, weniger, einem so reizenden Mittelding von Nonne und Ehefrau schein' ich zu weltlich, ob es gleich nicht ist."
Beide kamen im schönen Zauberdorfe – als schon die netten Kinder sich zur Ährenlese verbündeten und die Wagen schon den Sammlern der Garben entgegenfuhren – nachmittags vor dem Mittagsessen an. Idoinens Bruder, der künftige Erbfürst von Hohenfliess – der Zwerg in Tivoli –, sah aus dem Fenster, und Julienne bedauerte fast die Reise. Idoine flog ihr entgegen und drückte sie herzlich an die Brust. Als Julienne dieses grosse blaue Auge und jeden verklärten Zug der Gestalt, die einst ihr Bruder so selig und schmerzlich geliebt, vor und auf ihrem Angesicht hatte: so glaubte sie jetzt, da sie seine Schwester geworden, gleichsam als seine Stellvertreterin die Liebe der Stellvertreterin Lianens zu empfangen; und sie musste, wie allzeit seit diesem tod bei dem ersten Empfange, innig weinen.
Linda wurde von der Prinzessin mit einer so tiefen Zärtlichkeit empfangen, dass sich Julienne wunderte, da sonst beide in einem Wechsel von Kälte und Liebe lebten. Die Ministerin Froulay stand da