Aber der ruhigere Alte fuhr fort und sagte, dieser neue Irrtum veranlasse ihn, jetzt ernstlich bei Linda auf ein Ja zur schnellen Verbindung zu dringen, weil der Vater derselben, vielleicht der geheime bisherige Wundertäter, seine Erscheinung durchaus an einen Hochzeittag gebunden. Noch einmal liess er den Sohn seinen Wunsch nach dem Wege merken, auf welchem er zu jener Hypotese gekommen; aber umsonst, die heilige Freundschaft konnte nicht enteiligt oder verlassen werden, und seine Brust schloss, wie der dunkle Fels um den hellen Kristall, sich mächtig um sein offnes Herz.
So schied er warm und glücklich vom schweigenden Vater. In der harten Stunde des briefes hatte' er nur eine künstliche Felsenpartie des Lebens überstiegen, und die bunten Gärten lagen wieder da bis an den Horizont; – doch der vergebliche mühvolle Irrtum seines Schoppe und dessen von Hassen und Lieben verheerter Geist, der sich sogar im Ton des Briefes niederzubeugen schien, und die Zukunft eines Wahnsinns gingen wie ein fernes Leichengeläute in seiner schönen Gegend klagend, und das glückliche Herz wurde voll und still.
124. Zykel
Bald darauf liess die gütige Schwester Albanos an der Spieluhr seines Glücks, deren Wächterin sie war, wieder eine hesperische Stunde schlagen und spielen, wo das ganze Leben hinauf und hinab mittönte und sich aushellte und wo nun wie in der Schweiz, wenn eine Wolke sich öffnet, auf einmal Höhen, Eisberge, Berghörner aus dem Himmel blicken. Er sah seine Linda wieder, aber in neuem Licht, glühend, aber wie eine Rose vor dem glühenden Abendrot; ihr Lieben war ein weiches stilles Flammen, nicht ein Hüpfen irrer stechender Funken. Er schloss, dass sein wortfester Vater die Bitte um eine priesterliche Verbindung ihr schon getan und sogar ihre Bejahung bekommen. Julienne sagt' ihm, sie woll' ihn den nächsten Abend um 6 Uhr auf dem väterlichen Zimmer sprechen; das macht' ihn noch gewisser und froher. Mit neuen, noch zärter anbetenden Gefühlen schied er von Linda; die Göttin war eine Heilige geworden.
Als er den andern Tag ins väterliche Zimmer kam: fand er niemand darin als Julienne. Sie küsste ihn kurz und kaum, um schnell mit ihren Nachrichten fertig zu werden, da ihre Abwesenheit auf so viele Minuten eingeschlossen war, als die Fürstin brauchte, um vom Krankenbette des Mannes in das Zimmer der Prinzessin zu kommen. "Sie heiratet dich nicht," (fing sie leise an) "so sehr und so fein auch dein Vater ihr bei dem ersten Empfang nach der Reise die Freude über das neue Glück seines Sohnes ausdrückte, für das er nun bloss nichts mehr zu wünschen brauchte, sagt' er, als das Siegel der Fortdauer – Es war noch feiner versilbert und vergoldet, ich weiss es nicht mehr. – Darauf erwiderte sie in ihrer Sprache, die ich nie behalte, ihr und dein Wille wären das rechte Siegel, jedes andere politische drücke Ketten und Sklaven auf dem schönsten Leben aus."
Hart wurde' Albano von einer offnen Weigerung verletzt, die ihn bisher als eine stille und als Philosophie auftretende nur wie wesenloser Schatte unberührt umflossen hatte. "Das war nicht recht; spät konnte sie sagen, aber nicht nie", sagt' er empfindlich. – "Gemässigt, Freund," (sagte Julienne) "darauf erinnerte sie dein Vater freundlich an die bedingte Erscheinung des ihrigen, indem er sagte, dass er sehr wünschen müsse, ihr Glück aus seinen Händen in nähere zu übergeben. Keine künstliche Bedingung darf einen Willen zwingen oder vernichten, sagte sie. Dein Vater fuhr ruhig fort und setzte dazu, er habe den schönsten Lebensplan für euch beide in diesem Falle entworfen; im andern aber stehe seine Einwilligung in die Liebe nur so lange offen als sein Hiersein, das mit dem tod seines Freundes endige. Dann ging er gelassen fort, wie die Männer pflegen, wenn sie uns recht entrüstet haben."
"Hesperien, Hesperien!" (rief Albano zornig) "Linda verdoppelte doch ihr Nein?" – "O leider! Aber Bruder?" fragte staunend Julienne. "Lasse mich," (versetzt' er) "ist es denn nicht ungerecht dieses elterliche Antasten der schönsten zartesten saiten, deren Klang und Schwung sie auf einmal töten, um einen neuen aus ihnen zu rupfen? ist es denn nicht sündlich, Göttergeschenke zu staates-Zöllen und Partie-Geldern, jawohl Partie-Geldern herabzuziehen? – Gute Linda, nun stehen wir wieder auf dem Boden, wo man die Blumen der Liebe zu Heu anschlägt – und wo es im Paradies keine andere Bäume gibt als Grenzbäume. – Nein, freies Wesen, durch mich sollst du nie aufhören, es zu sein!"
Julienne trat einige Schritte zurück, sagte: "Ich will dich nur auslachen", tat es und setzte ernst dazu: "Sie also, willst du, soll dir den Tag anberaumen, wo der alte Vater sichtbar werden soll?" – "Das folge gar nicht", sagte' er. Sie bemerkte ruhig, dass immer ein hitziger Mann über die Hitze des andern klage und dass Albano schon in der Ruhe zu strenge auf fremdes und eigenes Recht dringe; dass solche Leute dann in der leidenschaft etwas über das Recht hinaus verlangten, wie ein Stift, der in der Uhr zu genau passet, erwärmt sie durch seine Grösse anhält. Jetzt bat sie ihn liebreich, das Auseinanderzupfen des "ganzen Wirrwarrs" bloss ihren Fingern zu überlassen und sanft