fort) 'kann aber das sehr zum satirischen Handwerke rufen und prägen? – O nein!
Echte Laune ist bei mir da, vielleicht fremde Tollheit gleichfalls, vielleicht – aber ach wird nicht der seltsame Scherzmacher, sogar in ihrer ungemeinen Bibliotek, dem Stachelschweinmanne in London (dem Sohne) gleichen, der bei dem Tierhändler Brook den Dienst hatte, den Fremden im wilden Viehstand und ausländischen Tiergarten herumzuführen, und der auf der Schwelle dabei anfing, dass er sich selber zeigte als Mensch betrachtet? Bedenken Sie es kalt und vorher! Noch schwing' ich meinen Satyr-Schweif ungebunden und lustig und etwa gegen eine gelegentliche Bremse; wird mir aber ein Buch darangebunden, wie in Polen an den Kuh-Schwanz eine Wiege, so rüttelt das Tier die Wiege der Leser und gibt Lust, der Schwanz aber wird ein Knecht.'
'Zu solchen Bildern' (sagte der Bibliotekar) 'wäre allerdings die gebildete Welt durch keinen Rabener oder Voltaire gewöhnt, und ich erkenne nun selber die Satire nicht für Ihr Fach.' – 'O so wahr!' versetzt' ich, und wir schieden gütlich.
– Aber ernstaft genommen, Bruder, was hat nun ein Mensch übrig (sowohl an Aussichten als an Wünschen), dem das Säkulum so versalzen ist wie mir und das Leben durch die Lebendigen den die allgemeine matte Heuchelei und die glänzende Politur des giftigsten Holzes verdriesset – und die entsetzliche Gemeinheit des deutschen Lebensteaters – und die noch grössere des deutschen Teater-Lebens – und die pontinischen Sümpfe Kotzebuischer ehr- und zuchtloser Weichlichkeit, die kein heiliger Vater austrocknen und festmachen kann – und der ermordete Stolz neben der lebendigen Eitelkeit umher, so dass ich mich, um nur Luft zu schöpfen, stundenlang zu den Spielen der Kinder und des Viehs hinstellen kann, weil ich doch dabei versichert bin, dass beide nicht mit mir kokettieren, sondern nichts im Sinne und liebhaben als ihr Werk – was hat, fragt' ich auf der letzten Zeile des vorigen Blattes, einer nun übrig, den, wie gesagt, so vielerlei anstinkt und vorzüglich noch der Punkt, dass Besserung schwer ist, aber Verschlimmerung ganz und gar nicht, weil sogar die Besten den Schlimmsten etwas weismachen und dadurch sich auch und weil sie bei ihrer verborgnen Verwünschung und Sänften- und Achselträgerei der Gegenwart wenigstens um Geld und Ehre tanzen und sich dafür gern vom festern Pöbel brauchen lassen, als Weinfässer zu Fleischfässern – was hat ein Mann, sag' ich, Freund, in zeiten, wo man, wie jetzt im Druck, aus Schwarz zwar nicht Weiss macht, aber doch Grau und wo man, wie Katecheten sollen, gerade die fragen auf Nein und Ja vermeidet, noch übrig ausser seinem Hasse der Tyrannen und Sklaven zugleich und ausser dem Zorne über die Misshandlung sowohl als über die Gemisshandelten? Und wozu soll sich ein Mann, dem der Panzer des Lebens an solchen Stellen dünn gearbeitet oder dünn gerieben ist, ernstaft entschliessen?
Ich meines Orts, falls von mir die Rede ist, entschloss mich im halben Scherze zu einer dünnen hellen Anfrage für den Reichsanzeiger, die du vielleicht schon in Rom gelesen, ohne mich eben zu erraten:
Allerhand.
Wohl zuverlässig steht gesunder Verstand und Vernunft (mens sana in c.s.) unter den zu würdigenden Gütern des Lebens zunächst nach einem reinen Gewissen obenan. Ein Satz, den ich bei den Lesern dieses Blattes vorauszusetzen wage. Was sonst hierüber noch gesagt werden kann (sowohl von als gegen Kantner [so schreibt Campe statt Kantianer viel richtiger]), gehört gewiss nicht hieher in ein ganz populäres Volksblatt. Unterzeichneter dieses ist nun in dem betrübten Falle, dass er hier genötigt die Ärzte Ausund Deutschlands befragt – Mitleiden mit Leiden gebe, schicke die Antworten ein –, wenn er (gerade heraus vor Deutschland!!) ganz toll werden werde, indem der Anfang davon schon einen genommen.
Das Wenn, aber nicht das Ob liegt edlen Menschenfreunden zu beantworten ob. Hier meine Gründe, Deutsche! Abgesehen, dass mancher schon aus der Anfrage folgern könnte – was doch wenig entscheidet –, so sind folgende Stücke bedenklich und gewiss: 1) des Verfassers bunter Stil selber, der weniger aus diesem Inserat (in den überlegtesten Intervallen gemacht) als aus der ähnlichen Schreibart eines sehr beliebten und geschmacklosen Schriftstellers zu erkennen ist, wie denn ein buntes Übermass ganz wildfremder Bilder so gut am kopf wie buntes Farbenspiel am Glase nahe Auflösung bedeuten – 2) die Weissagung eines Spitzbuben200, an die er immerfort denkt, was schlimme Folgen haben muss – 3) seine Liebe und sein Treiben Swifts, dessen Tollheit Gelehrten nicht fremd ist – 4) seine gänzliche Vergesslichkeit – 5) seine häufige schlimme Verwirrung geträumter Sachen mit erlebten und vice versa – 6) sein Unglück, dass er nicht weiss, was er schreibt, bis er es nachgelesen, weil er gegen seinen Zweck bald etwas auslässet oder bald etwas hinsetzt, wie das durchstrichne Manuskript leider am besten bezeugt – 7) sein ganzes bisheriges Leben, Denken und Spassen, was hier zu weitläuftig wäre, und 8) seine so unvernünftigen Träume. Nun ist die Frage, wenn in solchen Verhältnissen (schlagen nämlich keine Fieber, keine Liebschaften dazu) vollständige Verrückung (Idea fixa, mania, raptus) eintritt. Bei Swift fiels sehr spät, im Alter, wo er ohnehin schon an und für sich halb närrisch sein mochte und nachher alles nur mehr zeigte. Wenn man betrachtet, dass einmal der Professor Büsch ausrechnete