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. Er blieb; aber beide hatten keine Worte mehr, nur die Augen; die festgehaltenen Adler, die vorhin den himmlischen Venuswagen durch den Himmel gerissen, flatterten daran wild auf. Der Abendstern ging unter; der halbe Mond in der Himmelsmitte legte Strahlen als Zauberstäbe an die Erde an und verwandelte sie in eine heilige blasse Welt des Herzens. "Nur noch den grossen Stern lass hinab" – sagte sie und sah ihn sehnsüchtig an. Er tats. Die Nachtigallen hüpften tönend zwischen den Silberzweigen; nur die Menschen hatten Himmel und Liebe ohne stimme.

"Nur noch ein Sternchen!" bat sie; er gehorchte, schon vom Worte gerührt; aber sie entschied sich selber und sagte: "Nein, geh!" – "Wir wollen, Dian!" sagt' er. Dieser ging Liebe-schonend die Terrassen voraus hinab. Heftig und lange lagen die beiden Geschwister einander am Herzen und wünschten sich ein heiteres unbestürmtes Wiederfinden. Linda gab ihm nur die Hand und sagte kein Wort; wie der stille Himmel der Nacht seine heisse Sonne bedeckt, so war ihr flammendes Herz verborgen; und da er ging, schloss sie, ohne nachzublicken, seine Schwester an die wallende Brust.

Glanz und Nacht und Duft bestreueten die Himmelsleiter der Terrassen, die er herunterging. Leise flog sein Schiff durch den Sternen- und BlütenSchnee, der auf den Wellen wehtedie Nachtigallen der beiden Inseln klangen zusammendie Schiffer sangen ihnen frohe Lieder zurückdie Orangendüfte führte der günstige Wind dem Schiffchen nach; – aber Albano hatte Herz und Angesicht weinend nach der versinkenden Pyramide gewandt. Die Schwester hatte allein auf der Höhe nachgesehen, dann war auch diese verschwundendie Nachtigallen riefen noch leise nachendlich war alles verhüllt. – Er kehrte sich um nach den blass-schimmernden Eisgebürgen, wie nach den Leuchttürmen seiner Fahrt, und vom Himmel dieses tages war ihm nun nichts geblieben als die leitende Liebe, wie der Schiffer dem Magnete folgt, wenn die heiligen Sterne sich verborgen haben und ihn nicht mehr führen.

119. Zykel

Albano und Dian flogen über die deutschen Gefilde freudig so manchem teuern Herzen entgegen, und nichts wurde getäuscht als ihreFurcht vor dem Abstande ihrer Reise-Länder. Statt des schwarzen Lavasandes und des verbrannten Bodens hinter ihnen deckte jetzt das helle frische Grün die Ebenen und kühlte das geblendete Auge. Die Wellen grüner Ähren-Fluren schlugen sich so lustig als die Wellen des blaugrünen Meers. In dichtern, längern, höhern Wäldern wehten neue Schatten, gleichsam schöne kleine Abende, die sich vor dem Tag verkrochen. Nach dem schwarzen Grün der welschen Bäume kehrte das helle lachende der deutschen Gärten zurück; und neue Vögel-Chöre wiegten sich in Wolken und in Wäldern und grüssten das Menschen-Herz und schickten ihm ihre leichte schuldlose Freude herab.

Von Frühling zu Frühling zog der glückliche Albano mit seinen Liebesträumen; wie hinter ihm eine südliche Blüte fiel, so tat sich vor ihm eine nördliche auf; und sein Reisewagen blieb auf dem bunten Wege und unter den Blüten-Schatten eines langen Gartens.

Endlich stand er vor dem haus, wozu ihn der Garten führte, vor der Lindenstadt; so stand er auch im vorigen Jahre auf der Höhe vor ihr, zum Wolkenzuge der Zukunft aufsehend, ohne zu erraten, wozu das Gewölk sich bilde, ob zur Aurora, oder zum Abendgewitter. Wie viele alte Schmerzen streiften jetzt gleich Schatten von Wolken über die alte Gegend, über die Blumenbühler Höhen und über die Häuser hinüber, als er die bekannten, zuweilen mit Tränen bezeichneten Wege der Vergangenheit überschauete! Er ging jetzt, das bedacht' er, seinem Vater mit der Nachricht seines neuen Glücks entgegenseinem abtrünnigen Freunde mit der geraubten Geliebtenmit alter und neuer Liebe seinem wiederkehrenden Schoppe, dessen Herz und Schicksal ihm jetzt zugleich so dunkel und so wichtig warenund der sonderbaren Zeit und Stunde, wo die unterirdischen wasser, deren Treiben und Rauschen er bisher so oftmals erfahren, auf einmal aufgedeckt und mit allen Krümmungen und Quellen entblösse vor dem Tagslicht liegen solltenund der heiligen Stelle, wo er die Geliebte, die ihm jetzt auf dem deutschen Wege und in der Nähe der vorigen Schwierigkeiten noch grösser und unerreichbarer erschien als auf dem Epomeo in der Nachbarschaft alles Erhabnen am Himmel und auf der Erde, kühn ans Herz nehmen und schliessen durfte auf ewig, ohne wieder zu fragen: wirst du mich lieben? – Da dachte' er an ein Bild zurück, das er auf dem Vesuv198 gefunden, und sagte zu Dian: "Hinter dem Menschen arbeitet und geht ein langsamer Strom, der glühend ihn verzehrt und zermalmt, wenn er ihn ergreift; aber der Mensch schreite nur tapfer vorwärts und schaue oft rückwärts, so entkommt er unbeschädigt. Mein geliebter Lehrer, so will ichs jetzt in meinen neuen bedenklichen Verhältnissen machen; wende du mich aber nach der Lava um, wenn ichs in schönen Gegenden zuweilen vergessen sollte!" –

"Sprecht bessere, günstigere Worte!" (sagte Dian) "Heil uns, die Götter sind schon gewogen! – Dort kommt Euer Vater den Schlossberg herauf und sieht so lustig und glücklich aus, wie ich ihn nie getroffen!"

Einunddreissigste Jobelperiode

PestitzSchoppeEhescheuArkadienIdoine

Verwicklung

120. Zykel

Gaspard hatte gegen seinen Sohn die gewöhnliche vornehme Kälte der ersten Stunde, wie Briefe kälter anfangen als endigen. Erst als dieser Morgen-Reif geschmolzen und es wärmer um ihn geworden