, unsterblich wie ein böser Geist und unter dem kalten reinen Himmel sich selber zwölf Donnermonate gebärend. Dunkelröter steigt auf einmal der breite Dampf, wilder gehen die Donner ineinander, heisser raucht die schwere Höllen-Wolke – plötzlich fährt Morgenluft herein und schleppt den flammenden Vorhang den Berg hinab – – Da stand die helle gütige Sonne auf dem Apennin, und der Somma und Ottayano und Vesuv blühten im Friedens-Glanz, und die Welt ging langsam nach der Sonne auf mit Gebürgen, Inseln und Küsten. Der Ring der Schöpfung lag auf dem Meere vergoldet vor mir, und wie die Zauberstäbe der Strahlen die Länder berührten, so fuhren sie lebendig empor.
– Und der alte Königs-Bruder des Vesuvs, der Ätna, sass auf seinem goldnen Tron und schaute über sein Land und Meer. Und wie Schnee rollte von den Gebürgen der lichte Tag in das Meer herunter, in Glanz zerrinnend, und floss über das weite glückliche Kampanien und in dunkle Kastanien-Täler. – Und die Erde wurde unabsehlich, und die Sonne zog im weiten Strahlen-Netz die süss-gefangne Welt im schönsten Äter weiter.
O Linda, da prangte deine Insel ausgebreitet, stolz gelagert im Meer mit herunterfliessendem Morgenrote, ein hochmastiges Kriegsschiff – und ein Adler, der Vogel des Donnergottes, flog in die selige Weite, als trag' er mein Herz in seiner Brust zu deinem Epomeo hin. – O ich möchte ihm nach, sagte mein Geist. Der heisse Boden tat Donnerschläge, und der Rauch umhüllte mich. – Ich möchte sterben, damit ich dem Adler nachflöge und jetzt in Ischia wäre..."
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Hier hielt die heftig erregte Seele sich innen. Er ging oder glitt den Abhang nach Portici herab. In einem gegenseitig vorher festgesetzten haus glaubt' er seinen Freund wiederzufinden. Aber er fand weder Dian noch den erwarteten Brief von Linda. Entkräftet von Gehen, Wachen und Glühen, fiel er im kühlen, stillen Zimmer in einen Traumschlaf. Da er erwachte, stand die Mitternacht des italienischen tages um ihn, die Siesta – alles ruhte unter dem heissen stillen Lichte – im Himmel war keine Lerche – die grünen Sonnenschirme neben seinem Fenster, die Fichten, standen ungeregt in der Erde, und nur die Pappeln wiegten leise die neugeborne Blüte des Weins, die in ihren Armen lag – und der Efeu, der von Gipfeln hing, schwankte ein wenig. – Solche Schattenzweige spielten einst in Lilar in Charitons Zimmer, als er Lianen erwartete und damals an Italien dachte. – Der grosse ebene einfache Garten von Portici nach Neapel, ein von Wellen umspültes Garten-Gewebe von Dörfern, Baumwäldchen und Landhäusern, führte sein Auge über Blüten nach seinem Paradies im Meer. – Diese einsame stille Zeit voll sehnsucht erweichte unendlich sein schönes Herz. Er endigte so den abgebrochnen Brief:
In Portici
"O meine Linda! Ich bin dir wieder näher, aber die Ferne zwischen uns wird mir hier in der Stille so weit! O Linda, ich liebe dich mit Schmerzen, in der Nähe, in der Ferne – o mit welchen verlör' ich dich erst? – Warum bin ich denn deiner Liebe so gewiss? Oder so ungewiss? Leise spricht dein Herz zu mir. Leise Musik und Liebe ist einer entfernten gleich, – und die ferne auch wieder der leisen. Hat mich der erhabne Säulenstuhl des Donnergottes neben mir so sehr erschüttert, oder denke' ich zu lebhaft an das hohle tote Herkulanum unter mir, wo eine Stadt ein Sarg ist: weinend und beklommen sehe' ich über das Meer an die stille Insel, worauf du wohnst. – O dass es so lange wird, bis wir uns sehen, dass du nicht gleich jeden Gedanken aus meinem Herzen schöpfst und ich aus deinem! Warum stellt mir das Ausbleiben deines briefes auf einmal grössere Schmerzen, ach die grössten vor die Seele? Warum denke' ich: die tiefsten Schmerzensstriche auf unserer Stirn, die Runzeln des Lebens sind nur kleine Linien aus dem ungeheuern Bauriss, den der Weltgeist zieht, unbekümmert, welche Stirnen und Freuden seine Glückslinie schmerzhaft durchschneide? – Wenn diese Linie einmal durch unsere Liebe ginge vergib den voreilenden Schmerz; in diesem Leben, dem Wechsel zwischen Strichgewittern und Sonnenblicken, ist er wohl erlaubt..."
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Hier unterbrach ihn die Freude und Dian in Begleitung eines Ischianers, der einen Brief von Linda brachte, um seinen mitzunehmen. Er las ihn heftig und gab seinem noch die Worte wie eine Freudenträne mit: "Übermorgen komm' ich auf die Insel. Was ist die Erde gegen ein Herz! Du bist mächtig, du hältst mein ganzes blühendes Dasein empor in den Himmel, und es stürzt auf dich, wenn es stürzt. Lebe wohl! Ich fürchte wahrlich weder das heisse Öl noch die Flamme der Psyche." – Hier ist Lindas Brief: "Wir beide leben sehr still, seit der artige Flüchtling auf Bergen und in Palästen umherschwärmt. Wir sprachen fast zu viel von ihm und liessen uns noch dazu die schwatzende Agata holen, um gar von seiner Reise zu erfahren. Ihre Julie ist voll Segen und hülfe für Linda. Noch nie sah' ich eine so klare, bestimmte, scharf durchblickende und doch kalte natur, die nur gebend liebt, mehr als liebend gibt. Sie wird zwar nie die Schmerzen fühlen, die Venus Urania ihren Erwählten schenkt; aber sie ist eine geborne Mutter und eine geborne Schwester; und ich frage sie zuweilen: warum hast