und mit unbefangener Freude mit ihrer feingeformten Hand zu des Jünglings seiner zurückkehrte, dem ihr Händedruck nichts Kleineres war als eine zärtere Umarmung.
Sie nahmen den nähern Rückweg gegen Albanos wohnung herab, die immer in ihrem Reben-Geniste zu ihnen heraufsah. Man war noch so kurz beieinander – am Morgen reisete Albano. Er sollte von Portici aus schreiben, ein Bote den Brief holen "und er bringt mir auch einen", sagt' er; – "gewiss nicht!" sagte Linda. Albano bat. "Sie wird sich schon ändern und schreiben", sagte Julienne. Sie verneinte. allmählich liefen Schattenfurchen neben den schwarzen Lavaströmen den Berg hinab, und in den Pappeln fingen Nachtigallen schon ihre melodische Dämmerung an. Sie kamen Albanos haus nahe; Dian lief entzückt der Prinzessin entgegen. Albano bat ihn, ohne beide gefragt zu haben, eine Barke zu schaffen, damit man den Abend geniesse. Gerade zu gewaltsamen Anträgen der Freude sagen die Mädchen am liebsten das Ja. Dian war sogleich mit einer zur Hand; mit seiner Freude hing er schnell an jeder fremden.
Sie stiegen alle ein und fuhren unter die Sonnenblumen, die jeder Sonnenstrahl auf die Wellen-Beete immer dichter pflanzte. Albano vergass – im jetzigen Feuer, gewohnt an die Sitten des warmen Landes, wo der Liebende vor der Mutter spricht und sie von ihm mit der Tochter, wo die Liebe keinen Schleier trägt, nur der Hass und das Gesicht, und wo die Myrte in jedem Sinne die Einfassung der Felder ist – sich einen Augenblick vor Dian und nahm Lindas Hand; schnell entriss sie ihm sie, der Mädchen-Sitte treu, die den Arm verschenkt und den Finger und Fingerhut verweigert. Aber sie sah ihn sanft an, wenn sie abgeschlagen.
Sie kamen auf ihrer Fahrt von Osten nach Norden wieder vor dem Felsen mit den Häusern und vor den Gassen der Ufer-Vorstadt vorüber. Alles war froh und freundlich – alles sang, was nicht schwatzte – die Dächer waren mit Webstühlen seidner Bänder besetzt, und die Weberinnen sprachen und sangen zusammen von Dach zu Dach. Julienne konnte kaum das Auge von diesem südlichen Vereine ablassen. Sie zogen weiter ins Meer, und die Sonne ging ihm näher zu. Die Wellen und die Lüfte spielten miteinander, jene wehend, diese wogend – Himmel und Meer wurden zu einem Blau gewölbt, und in ihrer Mitte schwebte, frei wie ein Geist im All, das leichte Schiff der Liebe. – Der Umkreis der Welt wurde ein goldner geschwollner Ährenkranz voll glühender Küsten und Inseln – Gondeln flogen singend ins Weite und hatten schon fackeln für die Nacht bereit – zuweilen zog hinter ihnen ein fliegender fisch seinen Bogen in der Luft, und Dian sang ihnen ihre bekannten vorübergleitenden Lieder nach. – Dort segelten stolz und langsam grosse Schiffe her, mit rotem und blauem Helmbusch gleich dem Himmel flatternd, und als Sieger dem Hafen zu. – Überall war Lebens-Most ausgegossen und arbeitete brausend – So spielte eine göttliche Welt um den Menschen! "O hier an dieser grossen Stelle," (sagte Albano) "wo alles Platz hat, die Paradiese und die schwarzen Orkus-Ufer aus Lava – und das weiche Meer – und Vesuvs graues Gorgonenhaupt – und die spielenden Menschen – und die Blüten und alles – hier, wo man glühen muss wie eine Lava – dürfte man da nicht sich gleich der heissen Lava umher in die Wellen begraben in seiner Glut, wenn man wüsste, es könne etwas vergehen von dieser Stunde, nur etwas vom Andenken davon, oder ein Pulsschlag für ein Herz? – Wäre das nicht besser?" – "Vielleicht", sagte Linda. – Julienne wurde durch die weiche Freude vor das ferne Krankenbette ihres Bruders gezogen und sagte lächelnd: "Kann man es nicht wie die schöne Sonne drüben machen und unter die Wellen gehen und doch wiederkommen? – Schauet doch ihrem Untergange recht zu, nirgends ist er auf der Erde so."
Die Sonne stand schon, zu einem grossen Goldschild gewachsen, vom Himmel gehalten, über den Ponzischen Inseln und vergoldete das Blau derselben – die weisse Krone aus Felsen-Stacheln, Kapri, lag in Glut, und von Sorrentos bis Gaetas Küsten war den Welt-Mauern dämmerndes Gold angeflogen – die Erde rollte mit ihrer Achse wie mit einer Spielwelle nahe an der Sonne und schlug aus ihr Strahlen und Töne – seitwärts lagerte sich versteckt der RiesenBote der Nacht auf das Meer, der unendliche Schatte des Epomeo.
Jetzt berührte die Sonne ihr Meer, und ein goldner Blitz zitterte durch den nassen Äter umher – und sie wiegte sich auf tausend feurigen Wellen-Flügeln – und sie zuckte und hing liebesbrünstig, liebeglühend an dem Meere, und das Meer sog brennend alle ihre Glut – Da warf es, als sie vergehen wollte, die Decke eines unendlichen Glanzes über die erblassende Göttin – – Dann wurde' es still auf der Welt – eine bewegliche Abendröte überfloss mit Rosen-Öl alle Wogen – die heiligen Untergangs-Inseln standen verklärt – die fernsten Küsten traten heran und zeigten ihr Rot der Entzückung – auf allen Höhen hingen Rosenkränze – der Epomeo glühte bis zum Äter hinauf, und auf dem ewigen Wolkenbaum, der aus dem hohlen Vesuv aufwächset, verglomm im Gipfel der letzte dünne Glanz.
Sprachlos wandten sich die Menschen von dem Westen nach dem Ufer um. Die Schiffer fingen wieder an zu sprechen. "Mache," (bat Linda ihre Freundin leise) "dass dein Bruder sich