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O wie war meines so froh und so sehnend, zugleich ein Wunsch und ein Feuer, und in meinem Innersten sprach ein Dankgebet fort, dafür, dass ich war und bin auf dieser Erde.
Nie vergess' ich das! Wenn wir das Leben wegwerfen als zu klein gegen unsere Wünsche: gehören nicht diese zu jenem und kamen von ihm? Wenn die bekränzte Erde solche Blüten-Ufer, solche Sonnen-Gebürge um uns zieht, will sie damit Unglückliche einschliessen? Warum ist unser Herz enger als unser Auge, warum erdrückt uns eine kaum meilenlange Wolke, die doch selber unter unermesslichen Sternen steht? Ist nicht jeder Morgen ein Frühlingsanfang und jede Hoffnung? Was sind die dichtesten Lebensschranken anders als ein Rebengeländer, zum Reifen der Weinglut aufgebauet? – Und da das Leben sich immer in Viertel zerhackt, warum sollen es lauter letzte sein, nicht ebensoofterste, auf welche ein vollstrahlender Mond nachfolgt? – O Gott, sagt' ich, als ich durch die grünende Welt zurückging, die am nächsten Morgen eine glühende wird, nie lasse mich deine Ewigkeit irgendeiner Zeit leihen, ausgenommen der seligsten; die Freude ist ewig, aber nicht der Schmerz, denn du hast ihn nicht geschaffen.
'Freund', sagte Dian unterwegs zu mir, da ich ihm meine innigste Bewegung nicht recht verhüllen konnte, 'wie kann Euch erst sein, wenn Ihr nach Neapel zurückschauet etwa auf der Überfahrt nach Ischia! – denn man merkts sehr, dass Ihr in Nordland geboren seid.' – 'Lieber', sagt' ich, 'jeder wird mit seinem Norden oder Süden gleich geboren, ob in einem äussern dazu das macht wenig.'"
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So weit sein Blatt über Mola. Aber eine wunderbare Begebenheit schien ihn über die letzte Versicherung desselben noch diese Nacht beim Worte zu nehmen. Im hof des Gastauses sammelten sich viele Schiffer und andere, alle stritten heftig über eine Meinung, und die meisten sagten immer: "Es ist doch heute Himmelfahrt, und Wunder hat er auch getan." – "Himmelfahrt?" dachte Albano und erinnerte sich seines Geburtstages, der an diesem Feste oft fiel. Dian kam herauf und erzählte lachend, das Volk drunten erwarte die Himmelfahrt eines Mönchs, der sie in dieser Nacht versprochen, und viele glaubten ihm darum, weil er schon ein Wunderwerk getan, nämlich einem Toten auf zwei Stunden die Sprache gegeben vor ganz Mola. Beide wurden eins, das Werk mit anzusehen. Die Menge schwoll an – der versprochene Mensch kam nicht, der sie zu dem Orte der Auffahrt leiten sollte – alles wurde zornig mehr als ungläubig – endlich spät in der Nacht erschien eine Maske und gab mit einem Wink der Hand das Zeichen, ihr zu folgen. Alles strömte nach, auch Albano und sein Freund. Der reine Mond schien frisch aus blauen Lüften, der weite Garten der Gegend schlief in seinen Blüten, aber alles duftete, die schlummernden und die wachen Blumen.
Die Maske führte die Menge an die Ruinen von Ciceros Haus oder Turm und zeigte aufwärts. Oben auf der Mauer stand ein zitternder Mensch. Albano fand sein Gesicht immer bekannter. Endlich sprach der Mensch: "Ich bin ein Vater des Todes – der Vater des Lebens sei mir gnädig. – Wie es mit mir geht, weiss ich nicht – Unter euch" (setzt' er auf einmal in fremder, nämlich in spanischer Sprache dazu) "steht einer, dem ich auf Isola bella am Karfreitage erschien und den Tod einer Schwester kundtat; er reise fort nach Ischia, dort trifft er seine Schwester an."
Ergriffen und ergrimmend musste Albano diese Worte hören, die Gestalt des Vaters des Todes auf jener Insel sah er jetzt recht klar auf der Ruine; und dessen Versprechen, ihm an einem Karfreitage zu erscheinen, fiel ihm wieder ein. Er suchte sich jetzt an der Ruine hinaufzuarbeiten, um den Mönch zu pakken. Ein Molaner rief, da er die fremde Sprache hörte: "Der Mönch spricht mit dem Teufel."- Der Himmelfahrer sagte nichts darwider – er zitterte heftiger – aber das Volk suchte den, der es gesagt, und schrie: der mit der Maske sei es, denn der sei nicht mehr zu finden. Endlich bat der Mönch bebend, sie möchten still sein, wenn er verschwinde, und für ihn beten und nie seinen Körper suchen. Albano war ihm jetzt, von Dian ungesehen, nahe hinter dem rücken. Da kam hoch im dunkeln Blau ein Zug Wachteln langsam geflogen. Der Mönch hob sich schnell und wankend auf zerstreuete die Vögel – rief in dunkler Ferne: "Betet" – und schwand in die weiten Lüfte dahin.
Das Volk rief und jauchzete und betete zum teil, viele glaubten jetzt, der Teufel sei im Spiel. Unter den Zuschauern lag ein Mensch mit dem Gesicht auf der Erde und rief immer: "Gott sei mir gnädig!" Aber niemand brachte ihn zu einer Erklärung. Dian, heimlich ein wenig übergläubig, sagte: hier steh' ihm der Verstand still. Aber Albano erklärte, schon lange zucke und ziehe ein Geister-Komplott an seinem Lebensvorhang, allein irgendeinmal greif' er gewiss glücklich durch den Vorhang durch, und er sei fest entschlossen, sogleich von Neapel nach Ischia überzugehen, um seine Schwester zu suchen. "Wahrlich," (setzt' er dazu) "in diesem Mutterlande der Wunderphantasie und jeder Grösse glaubt man so leicht schöne gebende Wunder des Schicksals, wie