– die Himmelfahrt eines
Mönchs – Neapel – Ischia – die neue Göttergabe
108. Zykel
Ein kleines Licht in unserm Zimmer kann uns gegen das Blenden des ganzen himmelbreiten Blitzes schirmen; so braucht es in uns eine einzige fortleuchtende idee und Tendenz, damit uns der schnelle Flammenund Licht-Wechsel von aussen nicht betäube. Hätte Albano nicht ein weit zu sehendes Ziel, einen Obeliskus in seiner Lebensbahn vor seinem Auge behalten: wie lange würde ihn die letzte Szene mit ihren durcheinandergreifenden Schmerzen verwirret haben! – Jetzt glich er den angezündeten Öl- und Lorbeerblättern um ihn, deren Flammen so gut grünen wie sie selber.
Dian, der fremde Schmerzen wegtrieb, weil er leicht beweglich bald aus einem Zuschauer derselben ein Mitspieler wurde, machte Albano und sich durch seine feurige Teilnahme an jeder schönen Gestalt, an jeder Ruine, an jeder kleinen Freude heiter. Er hatte die schöne seltene Gabe, auf Reisen froh zu sein, jede Blume zu brechen, aber keine Distel; indes der grössere teil mit der Schlafmütze unter dem hut, von Station zu Station unter dem Fahren gähnend und im murrenden Kriege mit jedem gesicht, ganze Paradiese wie Vorhöllen durchziehet.
In den leeren pontinischen Sümpfen, worin nur Büffel gedeihen und die Menschen erbleichen, suchte Dian alles und auch seine Brieftasche hervor, um über das letzte Fischwasser des Kirchenstaats aus PetrusNachfischern zu kommen, ohne tödlich einzuschlafen. Da stiess er mit einem neu-griechischen Fluch auf einen Brief an Albano, der in einen von Chariton eingeschlossen gewesen und den er in Rom in der Eile der Abreise zu geben vergessen; aber er lachte bald darüber und fand es gut, dass man in diesem "Teufelstal" etwas gegen den Schlaf zu lesen habe.
Es war folgender von Rabette:
"Herzlieber Bruder, man möchte wohl wissen, ob du noch ein bisschen an deine Blumenbühler denkst, da du in dem prächtigen Italien gewiss ganz in deinem Essee bist, dass du in unser aller Herzen lebst, das weisst du längst, und du solltest nur wissen, wie lange wir alle bei deinem Abschied um dich geweinet haben, sowohl die Mutter als ich, und ein Gewisser183 denkt jetzunder ganz anders von dir als vordem. In diesem Winter fiel viel vor. Die Ministerin hat sich von ihrem Gemahl geschieden und lebt auf ihrem Gute, zuweilen in Arkadien bei der Prinzesse Idoine, unser Fürst ist an der Wassersucht gefährlich krank, und kann der Vater ein Stück Arbeit von der Landschaft dabei kriegen, wie er sagt. Dein Schoppe ist auf ein paar Monate verreiset mit Zurücklassung eines briefes an dich, den er dem Vater anvertrauet. Er hielt sich letztlich bei uns auf in deiner stube und besuchte fleissig die Gräfin Romeiro. Es ist schade für ihn, denn er meints gut, aber der Magister Wehmeier und wir alle im Orte sind überzeugt, dass er in kurzen toll wird, und er glaubts auch und sagt, er bestelle deshalb schon sein Haus. Was die Gräfin Romeiro anlangt, so ist sie mit der Prinzess184 abgereiset, kein Mensch weiss aber wohin, man sagt, der Fürst hab' ihr zu deutliche attentions bewiesen und sie sei lieber fort nach Spanien. Andere reden von Griechenland, aber mich versichert der Gewisse, sie sei nach Rom zu ihrem Vormund, das wirst du nun besser wissen als ich. Der Gewisse unternahm alles Menschmögliche, sie zu gewinnen, teils durch Briefe, teils selber, umsonst, keinen guten blick konnte' er erlangen, sooft er sie auch bei cour anredete. Das alles hab' ich (wirst du es glauben?) aus seinem mund, denn er ist wieder oft bei mir und vertraut mir sein ganzes Herz. Meines aber halt' ich fest zusammen, dass nur kein Blutströpfchen daraus quillt, und Gott allein sieht, wie es darin hergeht und weint. Ach Albano, ein armes Mädchen, das gesund ist, muss viel ausstehen, eh' es sterben kann. Oft kann mein Auge nicht länger trocken bleiben, und ich sage dann, sein Reden tu' es, was doch teils auch wahr ist, dir aber zeig' ich das dessous des cartes. – Nie, nimmer kann ich mehr die Seinige werden, denn er hat nicht redlich an mir gehandelt, sondern ganz ruchlos, und er weiss es auch. Es wird ihm auch kein Kuss gestattet, und ich sag' ihm, er möge das nur nicht um Gottes Willen für eine kokette Manier halten, ihn an mich zu ziehen. Die guten Eltern wissen nicht recht, was sie aus unserem Umgang machen sollen, und ich fürchte, der Vater bricht los, dann hab' ich sehr bittere Tage. Aber soll ich das arme kranke blasse Gemüt auch von mir verstossen, soll die glühende Seele wie Rauch verduftend gegen Himmel steigen und sich konsumieren? Wem will nicht das Herz zerspringen, wenn er bei einem Festin ist und sie seinetwegen sogleich beleidigt nach haus zurückfährt, wie neulich geschah und er mir im vollen Toben sagte: 'Gut, gut, Linda, einmal wird dir doch um mich dein Auge nass.' Da weiss ich ja, dass er nichts Gutes meint, und ich schone ihn aus Angst davor; sollen denn die zwei Geschwister in ihrer Blüte untergehen? Er wäre ihr längst nachgereiset, wenn er nicht täglich hoffte, sie komme wieder. Ach könnt' ich mein liebendes Herz aus meiner Brust ausreissen und in ihre einsetzen statt des andern, damit sie ihn recht liebte mit meiner ganzen