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Gaspard gegen Albano seit dem ersten Kriege über den Krieg noch wie sonst, ja fast besser; mit seiner alten achtung für jede starke Individualität nahm er es heiter auf, dass so merklich des Jünglings Sonne in die Zeichen des Sommers trat und über die Erde sowohl höher stieg als wärmer.

Er gab ihm den nächsten Beweis dadurch, dass er unter den allmählichen Anstalten zur Rückreise nach Pestitz ihm einen ganz unerwarteten Wunsch derTrennung bejahte. Nämlich Albano, der jetzt wie Efeu mit allen Blüten und Zweigen immer fester um und in alle Denkmäler der heroischen Vergangenheit ging, wollte nicht von Rom scheiden, ohne Neapel gesehen zu haben. Zu seiner sehnsucht kam noch Dians Begeisterung für dies Tochterland seines Vaterlandes, für dessen Glanz des himmels und der Erde, für dessen griechische Trümmer, die der Baumeister den römischen vorzog. "In Rom" (hatte Dian gesagt) "habt Ihr nur Vergangenheit, hingegen in Neapel tapfere Gegenwartich begleit' Euch hin und her, und wir gehen zusammen nach Haus. Denn eigentlich versteht Ihr Euch doch nicht recht auf das Schöne, sondern auf die natur, auf das Heroische und den Effekt. Da ist Neapel der Ort." Der Ritter willigteobgleich durch Albanos Erheiterung der ganze Zweck der Reise schon gewonnen warohne Zögern in den Zusatz einer zweiten unter der Bedingung, dass er nicht länger als einen monat nachbleibe.

Aber dieser Zeit, wo sich seine innere Welt so harmonisch stimmen durfte, kamen feindliche Misstöne immer näher, die er in der Ferne noch für Wohllaut hielt. Aus seinem unbestimmten Verhältnis mit der Fürstin entwickelte sich langsam der Misslaut; weil jedes unbestimmte mit Weibern sich endlich hart entscheidet, seltener zu Liebe als zu Hass.

Die Fürstin tat und litt bisher alles, um ihm noch früher gefährlich zu werden als verständlich. Sie spielte Lianen, so gut sie wusste, nach und nahm den Nonnenschleier einer religiösen Jungfräulichkeit aus ihrer Bühnen-Garderobe hervor, obgleich genialische Weiber meistens ungläubig sind, wie genialische Männer gläubig. Sie machte ihn zum Vertrauten ihrerVergangenheit und gab die geschichte derer, die für sie gestorben waren, oder doch verschmachtet, nach weiblicher Art mehr froh als reuig; nur das Verhältnis mit seinem Vater liess sie schonend hinter einem rührenden Leichenschleier auferstehen und ahmte überhaupt dem Sohne in der achtung für den Ritter nach, den sie innerlich bitter hasste. Wenn Albano stundenlang die Gegenwart vergass und starr ins Opferfeuer der Vergangenheit und Kunst blickte und ihr auf den Bergen seiner Welt Flammen zeigte, die nicht auf ihrem Altar brannten, so begleitete sie ihn geduldig auf diesem Kunst-Wege und hielt nur, wo sie konnte, vor Stellen an, wo man einige Aussicht in dieGegenwart hatte.

Er wurde täglich ihr wärmerer Freund, ohne sie nur zu erraten. Nur ein Mannkeine Fraukann eine fremde Liebe gänzlich übersehen; die lang übersehene wird dann selten oder nie eine erwiderte. Albano war zu zart, um in der Geliebten seines Vaters und in der Frau eines andern und in einer Freundin seiner eignen Geliebten diesen Wunsch einer Unschicklichkeit vorauszusetzen. Auch setzt' er auf seinen Wert immer ein ebenso kleines Vertrauen als auf sein Recht ein grosses.

Sie zweifelte, aber verzweifelte nicht an einer wärmern Gesinnung. Ein Weib hofft so lange, als ein zweites nicht mit hofft. Albanos nächtliche Besuche des Kapitols und Coliseos wurden von nachgeschickten Augen immer seines edlen Charakters würdig befunden. Täglich lieber wurde' ihr der feste Jüngling durch sein neues Aufblühen und durch seine männliche entwicklung. Zuweilen hoffte sie stark, von seiner freundschaftlichen Redlichkeit und von jener heroischen Schwermut bestochen, die ihr sonst aus keiner Ferne und Nähe zu erklären war. Dieses ihr ungewohnte Auf- und Niedersteigen auf ihren Wellen erschütterte ihre Gesundheit und ihren Charakter, und sie wurde wider Willen der Liane ähnlicher, mit deren Taubengefieder sie sich anfangs nur weiss schmücken wollender glänzende Sonnenregenbogen wurde ein Mondregenbogensie warf mit ihren starken Kräften die Hälfte ihres vorigen Selbstes weg, die Putz-, Kunst- und Gefallsucht und sie wurde heftig getroffen, wenn eine Römerin mit südlicher Lebhaftigkeit oft hinter dem vorbeigehenden Grafen ausrief: "Wie schön er ist!" – Schwer wurde sie für ihr früheres mutwilliges Lustspiel mit fremden Herzen und Leiden gezüchtigt durch das eigne; aber in solchen dunkeln Tagen wurzelt eben die Liebe mehr, wie man Bäume am besten an wolkigen impft.

Albano merkte ihre Veränderung; die reizende Schwermut ihres sonst kräftigen Gesichts, dieser Widerschein ihres stillen Nebels, bewegte ihn zur teilnehmenden Frage über ihr Glück. Sie antwortete immer so verworren und verwirrendzuweilen sogar bei Albanos Scharfsinn mit dem Glauben an dessen Verstellung und Bosheit –, dass sie ihn in den sonderbarsten Irrtum führte.

Nämlich bei so grosser Gewissheit, dass ein Erdschatte durch ihr ganzes jetziges Leben gehe und nicht rücke, musst' er den Weltkörper dazu suchen; – dieser ward ihm Gaspard, den sie, wie er glaubte, noch liebe. Er führte diese Vermutung leicht durch alle ihre frühern gespräche und Blicke hindurch; – es war so natürlich, dass die früher durch einen Tron Getrennten sich jetzt im schönen land der freien Verhältnisse wieder zusammensehnten; – noch dazu hatte der Ritter nach seiner unerbittlichen Ironie ihren Schein, ihn zu suchen, auch mit Schein, nämlich mit Ernst aufgenommen und sich daher immer zu ihrem Genusse des Sohnes als Zukost gesetzt und einen Nachwinter in den Frühling verlegt; – diesen doppelten Schein rief Albano zurück als doppelte Wahrheit