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Langes aus, aber als es aufstieg, verdeckt' es ein Bahrtuchund das dunkle Tuch zerfloss wieder in eine schwarze See.

Das Gebürge stand viel näher, aber länger und höher vor mir und durchschnitt die hohen Sterne mit seinen Purpurblumen, über welche ein grünes Lauffeuer hin- und herflog. Die Weltkugeln mit den einzelnen Menschen zogen über das Gebürge hinüber und kamen nicht wieder; und das Herz sehnte sich hinauf und hinüber. 'Ich muss, ich will', rief ich rudernd. Mir schritt ein zorniger Riese nach, der die Wellen mit einer scharfen Mondsichel abmähte; über mir lief ein kleines festes Gewitter, aus der zusammengepressten Dunstkugel der Erde gemacht, es hiess die Giftkugel des himmels und schmetterte unaufhörlich nieder.

Auf dem hohen Gebürge rief eine Blume mich freundlich hinauf; das Gebürge watete der See dämmernd entgegen; aber es rührte nun beinahe an die herüberfliegenden Welten, und seine grossen Feuerblumen waren nur als rote Knospen in den tiefen Äter gesäet. Das wasser kochteder Riese und die Giftkugel wurden grimmigerzwei lange Wolken standen wie aufgezogne Fallbrücken nieder, und auf ihnen rauschte der Regen in Wellensprüngen herabdas wasser und mein Schiffchen stieg, aber nicht genug. 'Es geht hier' (sagte der Riese lachend) 'kein Wasserfall herauf!'

Da dachte' ich an meinen Tod und nannte leise einen frommen Namen. – – Plötzlich schwamm hoch im Himmel eine weisse Welt unter einem Schleier her, eine einzige glänzende Träne sank vom Himmel in das Meer, und es brauste hoch aufalle Wellen flatterten mit Flossfedern, meinem Schifflein wuchsen breite Flügel, die weisse Welt ging über mich, und der lange Strom riss sich donnernd mit dem Schiffe auf dem haupt aus seinem trocknen Bette auf und stand auf der Quelle und im Himmel und das blumige Gebürge neben ihmund wehend glitt mein FlügelSchiff durch grünen Rosen-Schein und durch weiches Tönen eines langen Blumen-Duftes in ein glänzendes, unabsehliches Morgenland.

Welch ein entzücktes, leichtes, weites Eden! Eine helle, freudige Morgensonne ohne Tränen der Nacht sah, von einem Rosenkranz umschwollen, mir entgegen und stieg nicht höher. Hinauf und hinab glänzten die Auen hell von Morgentau: 'Die Freudentränen der Liebe liegen drunten,' (sangen oben die Einsiedler auf den langsam ziehenden Welten) 'und wir werden sie auch vergiessen.' Ich flog an das Ufer, wo der Honig blühte, am andern blühte der Wein; und wie ich ging, folgte mir auf den Wellen hüpfend mein geschmücktes Schiffchen mit breiten, als Segel aufgeblähten Blumen nachich ging in hohe Blütenwälder, wo der Mittag und die Nacht nebeneinander wohnten, und in grüne Täler voll Blumen-Dämmerungen und auf helle Höhen, wo blaue Tage wohnten, und flog wieder herab ins blühende Schiff, und es floss tief in WellenBlitzen über Edelsteine weiter in den Frühling hinein, der Rosensonne zu. Alles zog nach Osten, die Lüfte und die Wellen und die Schmetterlinge und die Blumen, welche Flügel hatten, und die Welten oben; und ihre Riesen sangen herab: 'Wir schauen hinunter, wir ziehen hinunter, ins Land der Liebe, ins goldne Land.'

Da erblickt' ich in den Wellen mein Angesicht, und es war ein jungfräuliches voll hoher Entzückung und Liebe. Und der Bach floss mit mir bald durch WeizenWälderbald durch eine kleine duftige Nacht, wodurch man die Sonne hinter leuchtenden Johanniswürmchen sahbald durch eine Dämmerung, worin eine goldne Nachtigall schlugbald wölbte die Sonne die Freudentränen als Regenbogen auf, und ich schiffte durch, und hinter mir legten sie sich wieder als Tau brennend nieder. Ich kam der Sonne näher, und sie stand schon im Ähren-Kranz; 'es ist schon Mittag', sangen die Einsiedler über mir.

Träge, wie Bienen über Honigfluren, schwammen im finstern Blau die Welten gedrängt über dem göttlichen landvom Gebürge bog sich eine Milchstrasse herüber, die sich in die Sonne senktehelle Länder rollten sich aufLichtarfen, mit Strahlen bezogen, klangen im FeuerEin Dreiklang aus drei Donnern erschütterte das Land, ein klingender Gewitterregen aus Glanz und Tau füllte dämmernd das weite EdenEr vertropfte wie eine weinende EntzückungHirtenlieder flogen durch die reine, blaue Luft, und noch einige Rosenwölkchen aus dem Gewitter tanzten nach den Tönen. – Da blickte weich die nahe Morgensonne aus einem blassen Lilienkranze, und die Einsiedler sangen oben: 'O Seligkeit, o Seligkeit, der Abend blüht.' Es wurde still und dämmernd. An der Sonne hielten die Welten umher still und umrangen sie mit ihren schönen Riesen, der menschlichen Gestalt ähnlich, aber höher und heiliger; wie auf der Erde die edle Menschengestalt in der finstern Spiegel-Kette der Tiere hinabkriecht: so flog sie droben hinauf an reinen, hellen, freien Göttern, von Gott gesandtDie Welten berührten die Sonne und zerflossen auf ihrauch die Sonne zerging, um in das Land der Liebe herabzufliessen, und wurde ein wehender GlanzDa streckten die schönen Götter und die schönen Göttinnen gegeneinander die arme aus und berührten sich, vor Liebe bebend; aber wie wogende saiten vergingen sie Freude-zitternd dem Auge, und ihr Dasein wurde nur eine unsichtbare Melodie, und es sangen sich die Töne: 'Ich bin bei dir und bin bei Gott' – Und andere sangen: 'Die Sonne war Gott!'

Da schimmerte das goldne Gefilde von unzähligen