die Sonne, und das sprühende Gewölk zerspringt in stumme Feuerkugeln – und die fernen Schiffe schweben hoch im Abendrot und schwimmen fern über den Wogen. – So war es dem Jüngling.
"Ich habe nun meinen Frieden, guter Schoppe," (sagt' er sanft) "und nun will ich in Ruhe schlafen." Verklärt, aber blass stand er auf, legte sich auf das Bette, und in wenig Minuten sank das matte, so lange im heissen Fieber-Sande watende Gemüt auf die frische, grüne Rasenbank des Schlummers nieder.
Fünfundzwanzigste Jobelperiode
Der Traum – die Reise
99. Zykel
Spät fuhr der Vlies-Ritter an. Schoppe zeigte ihm erfreuet das schlafende Gesicht, dessen Rosenknospen wie in feuchter warmer Nacht aufzubrechen schienen. Der Ritter zeigte sich sehr erheitert darüber und noch mehr der spät nachschauende Doktor Sphex. Dieser fand den Puls nicht nur voll, auch langsam und auf dem Wege zu noch mehr Ruhe; er führte zugleich Chaudeson und mehrere offizielle Beispiele an, dass grosse Geistes-Leiden sich durch das Opium von innen, die Schlafsucht, sehr glücklich gehoben hätten.
Zuletzt machte Schoppe den Vater mit Idoinens ganzer Kurmetode bekannt. Stolz versetzte Gaspard: "Sie wussten aber meine Meinung noch, Herr Bibliotekar?" – "Gewiss, aber auch meine", sagte erbittert der betroffne Schoppe. Der Ritter liess sich indes in nichts weiter ein – ganz nach seiner Weise, über sein Ich, könnt' es auch noch so viel dabei gewinnen, nie nur das kleinste Licht zu geben –, sondern erteilte dem Freunde ein sehr kaltes Zeichen zum Zurückzug.
Den Morgen darauf fand Schoppe seinen Geliebten noch in der Seelen-Wiege des Schlafes. Wie er sprosste und blühte! – Wie der Atem der entketteten Brust sich nun gleich einem freien Menschen nur langsam, aber stark bewegte! – Indes hielt Gaspards gepackter Wagen, der den Jüngling nach Italien rollen sollte, schon am Morgen mit schnaubenden, scharrenden Pferden vor der Tür, und der Ritter erwartete jede Minute das Aufwachen und – Einsitzen.
Der Arzt kam auch – pries Krisis und Puls – fügte bei, der Weinsteinrahm (den er mit verschrieben) sei der Lebens-Rahm – und sagte dem Vater geradezu ins Gesicht, als dieser den Jüngling wecken wollte zur Abfahrt, "er habe in seiner Praxis noch niemand gekannt, der so wenig von kritischen Punkten gewusst wie er; jeder Wecker sei hier ein Mörder, und er verbiete es recht ausdrücklich als Arzt".
Von Stunde zu Stunde wurde Schoppe gegen den Vater unwilliger; er dankte – wenn er des Ritters abspülendes Ein- und Anströmen an dieses fruchttragende Eiland bedachte – jetzt Gott, dass Albano nicht nur die Hitze, sondern auch die Härte eines Felsen hatte.
Der Ehre- und Kunst-liebende Sphex bewachte wie eine drohende Äskulaps-Schlange das Kopfkissen und wurde heiterer Schoppe verblieb da, gefasset gegen jede Härte. – Der Ritter nahm in des Sohnes Namen von jedem Abschied und trieb weiche Herzen nach haus; denn die Pflegemutter Albine und andere durften den Schlafenden nicht einmal sehen – weil ihm Tränen ein verdrüsslicher kalter Staubregen waren. – Die Fürstin und ihr Gefolge fuhr schon mit den bunten Wimpeln der Hoffnung auf dem Wege nach dem glänzenden Italien.
Der Abend wurde nun unwiderruflich zur Abfahrt angesetzt, zumal da in der Nacht die entschlummerte Liane in das Schlafgemach geführt werden sollte, das die Menschen nicht wieder öffnen.
Den blühenden Endymion überdeckte schon Lächeln und Freuden-Glanz als ein vorlaufender Morgenstern seines wachen tages. Seine Seele ging lächelnd in der funkelnden Höhle der unterirdischen Schätze umher, die der Geist des Traums aufsperrt; indes das gemeine Auge des Wachens blind vor dem nahen, von Schlaf ummauerten Geister-Eldorado stand. Endlich öffnete ein unbekanntes Wonne-Übermass Albanos Auge – der Jüngling erstand sogleich mit Kraft – warf sich mit der Entzückung der ersten Erkennung dem Vater an die Brust – und schien im ersten, träumerischen Rausche sich des vorbeigezognen Gewitters hinter seinem rücken nicht zu erinnern, sondern nur des seligen Traums – und erzählte trunken diesen:
"Ich fuhr in einem weissen Kahn auf einem finstern Strom, der zwischen glatten, hohen Marmorwänden schoss. An meine einsame Welle gekettet, flog ich bange im Felsen-Gewinde, in das zuweilen tief ein Donnerkeil einfuhr. Plötzlich drehte sich der Strom immer breiter und wilder um eine Wendeltreppe herum und hinab. – Da lag ein weites, plattes, graues Land um mich, das die Sonnen-Sichel mit einem eklen, erdfahlen Licht begoss. Weit von mir stand ein untereinander gekrümmter Lete-Fluss und kroch um sich selber herum. – Auf einem unübersehlichen Stoppelfelde schossen unzählige Walküren169 auf Spinnenfäden pfeilschnell hin und her und sangen: 'Des Lebens Schlacht, die weben wir'; dann liessen sie einen fliegenden Sommer nach dem andern unsichtbar gegen Himmel wallen.
Oben zogen grosse Weltkugeln; auf jeder wohnte ein einziger Mensch, er streckte bittend die arme nach einem andern aus, der auch auf einer stand und hinüberblickte; aber die Kugeln liefen mit den Einsiedlern um die Sonnensichel, und die Gebete waren umsonst. – Auch ich sehnte mich. Unendlich weit vor mir ruhte ein ausgestrecktes Gebürge, dessen ganzer aus den Wolken ragender rücken golden und blumig schimmerte. Quälend watete der Kahn in der flachen, trägen Wüste des abgeplatteten Stroms. – Da kam Sandland, und der Strom drückte sich durch eine enge Rinne mit meinem zusammengequetschten Kahne durch. Und so neben mir ackerte ein Pflug etwas