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nicht", sagt' er. – "Auch dem so satanischen Satan nicht?" – "Ein guter Engel ist doch dazwischen," (versetzte Augusti) "den Sie wenigstens schicklicher als Vorbitter brauchen können, weil er dem Vliesritter von Cesara Verbindlichkeiten schuldig istdie Gräfin von Romeiro." – "O, warum nicht gar?" sagte Schoppe betroffen.

Der Lektorunter die niemals eigenhändigen Menschen gehörig, die alles gern durch die dritte, sechste, fernste Hand nach einer der Fingersetzung ähnlichen hände-Setzung tunlegte seine Bereitwilligkeit, ihn bei Linda einzuführen, und ihr Vermögen, in dieser "epinösen Affäre" zu wirken, dem Nachdenker näher vor.

Schoppe fuhr ungemein hin und herschüttelte oftmals heftig den Kopf und stockte doch plötzlichflog und schüttelte noch heftigersah mit scharfer Frage den Lektor anendlich stand er festschlug mit beiden Armen nieder und sagte: "Der Donner und das Wetter hole die Welt! Nun gut, es sei! Ich will vor sie – – Himmel, warum bin ich denn Ihnen sozusagen so lächerlich, jetzt gerade, mein' ich?" – Gleichwohl hatte der höfliche Lektor das Lächeln der Lippen nur in das Lächeln der Augen versetzt. Auf Schoppes Gesicht stand die Wärme und Eile des Selbst-Siegers. Wie Menschen zugleich hartörig unter dem gemeinen Lebens-Getöse sein können und doch den feinsten musikalischen Lauten offen167: so waren Schoppens innere Ohren verhärtet gegen das volkes-Gepolter des allgemeinen Treibens, aber durstig zogen sie alle weiche, leise Melodien der heiligern Seelen ein.

Der Lektorden Grafen weit herzlicher liebend als dieser ihnnahm stürmisch den Bibliotekar sogleich mit fort ins Schloss, in weil eben jetzt die rechterlesene Hof-Ferien-Stunde sei, von 4 1/2 bis 5 1/2 Schoppe sagte, er sei dabei. Im Schloss befahl Augusti einem Diener, der ihn verstand, Schoppen ins Spiegelzimmer zu führen. Er tats; brachte Lichter nach; und Schoppe ging langsam mit seinem verdrüsslichen Gefolge stummer flinker Spiegel-Urang-utangs auf und nieder, seiner Rolle und Zukunft nach rechnend. Seltsam fühlt' er sich jetzt betroffen von seinem jungen, frischen Gefühl der bisherigen Freiheit, die er eben suspendierte; er erkannte sie an, hielt sie fest, sah sie an, sprach ihr zu: gehe nur ein wenig fort, rette ihn und dann komme wieder!

Seine eigne Vervielfältigung ekelte ihn: "Müsset ihr mich stören, ihr Ichs?" sagt' er, und er legte sichs nun vor, wie er stehe vor der reichsten, hellesten Minute und feinsten Goldwaage seines Daseins, wie ein Grab und ein grosses Leben liege auf dieser Waage, und wie sein Ich ihm schwinden müsse wie die nachgemachten gläsernen Ichs umher. – – – Plötzlich flog ihn eine Freude an, nicht über den Wert seines Entschlusses, sondern über die gelegenheit dazu.

Endlich gingen nahe Türen auf und dann die nächste. – Da trat mit noch halb zurückgewandtem kopf eine grosse Gestalt herein, ganz in lange schwarze Seide eingehüllt. Wie ein entzückter Mond auf hohen Laubgipfeln, stand auf der seidnen dunkeln Wolke ein üppig-blühender schmuckloser Kopf voll Leben vor ihm, mit schwarzen Augen voll Blitze, mit dunkeln Rosen auf dem blendenden Gesicht und mit einer tronenden Schnee-Stirn unter dem braunen LockenÜberhang. – Schoppen war, da sie ihn ansah, als liege sein Leben im vollen Sonnenschein, und er fühlte ängstlich, dass er sehr nahe an der Königin der Seelen stehe. "Herr v. Augusti" (fing sie ernst an) "hat mir gesagt, dass Sie eine Bitte für Ihren kranken Freund in meine hände geben wollen. Sagen Sie mir solche klar und frei, ich werde Ihnen gern und bestimmt und offen antworten."

Alle Rollen-Erinnerungen waren in ihm zu Boden gesunken und aufgelöst; aber der grosse Schutzgeist, der unsichtbar neben seinem Leben flog, stürzte sich mit feurigen Flügeln in sein Herz, und begeistert antwortete er: "Auch ich! – Mein Albano ist tödlich kranker ist im Fieber seit gestern abendser liebte das verstorbene fräulein Lianeer ist auf die Greifgeier-Schwinge des Fiebers gebunden und wird hinund hergerissener stürzt bei jedem Glocken-Ausklang auf die Knie und betet, dicht an der Glutseite der Phantasie liegend, immer heisser; erscheine mir und gib mir Friedener steht aufrecht und angekleidet auf dem hohen Scheiterhaufen der phantastischen Kreis-Flammen und lechzet und brät und dorret sehr aus und krümmt sich nieder, wie ich wohl sehe....."

"O, finissez donc!" (sagte die Gräfin, welche den Venus-Kopf schaudernd zurückgebogen und langsam geschüttelt hatte) "Fürchterlich! – Ihre Bitte!"

"Nur die Prinzessin Idoine" (sprach er, zu sich kommend) "kann sie erfüllen und ihn erretten, wenn sie ihm erscheint und ihm Frieden zusagt, da sie eine so nahe Ass- Kos-168, Kopie und Nebensonne von der Verstorbnen sein soll." – "Ist das Ihre Bitte?" sagte die Gräfin. "Meine grösste", sagte Schoppe. "Hat Sie sein Vater hergeschickt?" sagte sie. "Nein, ich" – (sagt' er) "der Vater, damit ich klar und frei und bestimmt sei, will es nicht."

"Sind Sie nicht der Maler des niesenden SelbstPorträts?"