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Die edle Seele lag in der gewaltigen Hand des Fiebers. Er wollte mit ihm hinaus, als er den Ritter erblickte, der ihn starr anschaute. "Erstarre nur nicht wieder, mein Vater!" sagt' er, umarmte ihn nur leise und vergass, was er gewollt.
Schoppe holte den Doktor Sphex. Albano ging wieder in sein Zimmer und langsam darin mit gesenktem Haupt, mit gefalteten Händen auf und ab und redete sich tröstend zu: "Warte doch nur, bis es wieder ausschlägt." – Sphex kam und sah und – sagte, "es sei ein einfaches entzündliches Fieber". Aber keine Gewalt brachte ihn dahin, sich für das Bette oder nur für eine Ader-Wunde zu entkleiden. "Wie?" (sagt' er schamhaft) "Sie kann mir ja zu jeder Stunde erscheinen und den Frieden geben – nein, nein!" Der Arzt verschrieb einen ganzen kühlenden Schneehimmel, um damit diesen Krater vollzuschneien. Auch diesen Kühlungen und Frost-Zuleitern weigerte der Wilde sich. Aber da fuhr ihn der Ritter mit der ihm eignen donnernden stimme und mit dem Grimm des Auges an, der das immerwährende, aber bedeckte Zornfeuer der stolzen Brust verriet: "Albano, nimm!" – Da besann und fügte sich der Kranke und sagte: "O, mein Vater, ich liebe dich ja!"
Durch die ganze Nacht, deren Wächter und Arzt der treue Schoppe blieb, spielte der wahnsinnige Körper seine glühende Rolle fort, indem er den Jüngling auf- und abtrieb und bei jedem Ausschlagen der Glokken betend niederzuknien zwang: "Liane, erscheine doch und gib mir den Frieden!" Wie oft hielt ihn der sonst Zeichen-arme Schoppe mit einer langen Umarmung fest, um nur dem Umhergetriebnen eine kurze Ruhe zuzuspielen. Unbegreiflich waren am Morgen dem arzt die Kräfte dieser eisernen und weissglühenden natur, die Fieber, Pein und Gehen noch nicht gebogen hatten, und auf welcher alle verordnete Eisfelder trocken verzischten; – und fürchterlich erschienen ihm die Folgen, da Albano noch immer sein SelbstMordbrenner blieb und bei jedem Stunden-Schlage auf den Knien nach der himmlischen Erscheinung lechzete und blickte.
Aber sein Vater überliess ihn wie eine Menschheit den eignen Kräften; er sagte, er sehe mit Vergnügen eine solche seltne ungeschwächte Jugendkraft und sei gar nicht in Furcht; auch liess er ungestört alles für die Reise nach Italien packen. Er besuchte den Hof, d.h. alles. Wer es wusste, was er den Menschen abzufodern und abzuleugnen pflegte, dem gab diese allgemeine gefälligkeit gegen alle Welt die Schmerzen eines verwundeten Ehrgefühls, wenn ihn Gaspard auch anredete. Er besuchte zuerst den Fürsten, welcher an ihm, ob ihn gleich der Ritter in Italien ruhig die vergiftete Hostie der Liebe samt ihrem Giftkelch hatte empfangen lassen, immer mit Angewöhnung hing. Der Ritter besichtigte mit ihm den Zuwachs der neuen Kunstwerke; beide glichen scharf und frei ihre Urteile darüber gegeneinander aus und gaben einander Aufträge für die Abwesenheit.
Darauf ging er zur Reisegefährtin, zur Fürstin, gegen welche zwar sein aufreibender Stolz nicht ein Blütenstäubchen der vorigen Liebe übrig gelassen, die aber im glatten, kalten Spiegel seiner epischen Seele, in welchem alle Figuren sich rein-aufgefasset und frei bewegten, vermöge ihrer kräftigen Individualität als eine Hauptfigur den Vordergrund bewohnte. Da er Freiheit, Einheit, sogar Frechheit des Geistes weit über sieches Frömmeln, Nachheucheln fremder Kräfte und bussfertigen Zwiespalt mit sich selber setzte: so war die Fürstin sogar mit ihrem Zynismus der Zunge ihm "in ihrer Art lieb und wert". Sie erkundigte sich mit vielem Feuer nach seines Sohnes Zustand und Mitreise; er gab ihr mit seiner alten Ruhe die besten Hoffnungen.
Die Prinzessin Julienne war unzugänglich. Dass sie es hatte sehen müssen, wie die treue Gespielin ihrer Jugendzeit ein feindlicher, rauher Arm vom blumigen Ufer in den Todesfluss hineingezogen und wie die arme ermattet hinuntergeschwommen, das warf sie hart darnieder, und sie wäre gern dem Opfer nachgestürzt. Sie war gestern nicht imstande, mit den zwei Verschleierten hinzugehen.
Jetzt eilte Gaspard zur einen davon, zur Gräfin Romeiro, wo er auch die andere fand – die Prinzessin Idoine. Diese hatte unmöglich so viel von ihrer Gesichts- und Seelen-Schwester in allen Briefen lesen können, ohne selber aus ihrem Arkadien zu ihr herzureisen und die schöne Verwandtschaft zu prüfen; aber als sie im Schleier ankam im Schmerzenhause, hatte schon ihre Verwandte den ihrigen über das brechende Auge gezogen; und als er aufging, sah sie sich selber verloschen und im tiefen Spiegel der Zeit ihr eigenes Sterbe-Bild. Sie schwieg in sich selber gleichsam wie vor Gott, aber ihr Herz, ihr ganzes Leben war bewegt.
Die Ähnlichkeit war so auffallend, dass Julienne sie bat, nie der gebeugten Mutter zu erscheinen. Idoine war zwar länger, schärfer gezeichnet und weniger rosenfarb als Liane in ihrer Blütenzeit; aber die letzte blasse Stunde, worin diese neben ihr erschien, machte die bleiche Gestalt länger und das Angesicht edler und zog die blumige jungfräuliche Verhüllung vom scharfen Umriss weg.
Idoine sprach wenig zum Ritter und sah nur zu, wie ihre Freundin Linda ordentlich in kindlicher Liebe überfloss gegen seine fast väterliche. Beide Jungfrauen behandelte er mit einer achtenden, warmen und zarten Moralität, welche einem Auge (z.B. dem des Fürsten) wunderbar erscheinen musste, das oft Zeuge der ironischen Unbarmherzigkeit gewesen, womit er wurmstichige, anbrüchige Herzen – halb eingepfarret in Gottes Kirche und halb in