, er weiss nicht zu bleiben; er wohnt nun in allen Gassen, um seine Jeanne d'Arc-en-Ciel154 zu erblikken, und leidet genug. Aber Hesus, sind nicht Leiden die Dornen, womit die Schnalle der Liebe verknüpft? – Heute ging Freitag155 mit der Fürstin auf die Sternwarte. – Der Wind ist Südostost – 13 Monatsschriften in 1 Stunde gelesen – Spener sieht das Leben im glänzenden Vergrösserungsspiegel Gott verklärt und poetisch so gut als einer.
Sabinenstag. Mit dem Pastor wirds ärger, wenn ich recht sehe. Er ist auf dem Wege, sich einen Billetdoux-Beschwerer anzuschaffen, sich nachts im Bette zu pudern, und der Schelm wirft in der Hitze, wie Milch, die warm steht, schon poetische Sahne auf.
Lasse nur der Himmel niemals zu, dass er mit seiner Höllengöttin je in einen vernünftigen Diskurs gerate, Gesicht vor Gesicht, Atem gegen Atem, und die zwei Seelen untereinander gemengt! – Wahrlich, der Flins156 raffte ihn weg, Hesus verschlänge ein tausendjähriges Reich auf einmal; ich sorge, er würde vom Göttertrank zu wild und wäre zu schwer zu bändigen von mir.
Abends. ist es nicht schon so weit mit dem Pastor, dass er sich einen Autor aus dem Wimmer-Jahrzehnt des Säkuls (er schämt sich, ihn zu nennen) geborgt hat und sich vom dummen Zeuge rühren lassen will, indem er über den Effekt nachsinnt, den der Autor im 14ten Jahre auf ihn gemacht? Freilich stösset er ihm im jetzigen wie ein Nachtwächter am Tage auf; aber er ruft sich doch das Rufen zurück und hat neue Rührung über die alte. So lächelt mich die Deklination cornu in der Grammatik noch bis auf diese Stunde an, weil ich mich entsinne, wie leicht und behend ich in den goldnen Kindheitsmonden den ganzen Singularis behielt.
Simon Jud. Verdammt! Ein schönes Gesicht und ein falscher Maxd'or machen im Kurs von einem Jahre ein paar hundert Schelme, die sich bloss im Wunsche zu behalten und wegzuschaffen unterscheiden. Hesus feindet und ficht schon Millionen Nebenbuhler an; wie Knopfmacher und Posamentierer, oder wie Gelb- und Rotgiesser, so lassen so nahe Handwerker einander nicht aufkommen. Recht, Höllengöttin! dass du alle Männer hassest; das ist doch etwas für den Pastor, eine Wundsalbe. – Scioppius, die beiden Scaliger und die kräftigen Schlegel u.s.w." –
Hier kommt das Tagebuch auf andere Dinge. Ein altes Porträt, zu welchem Schoppe sich selber gesessen, hatte' er retouchieret; eine Beilage als Inserat für das Pestitzer Wochenblatt kündigte dessen Bestimmung an:
"Endes Unterschriebner, ein Porträtmaler aus der niederländischen Schule, macht bekannt, wie er sich in Pestitz gesetzt, und dass er bereit ist, alles von jedem Stand und Geschlecht zu malen, was ihm sitzt. Als probe, was er leiste, kann man bei ihm ein Selbstporträt besehen, das ihn vorstellt, wie er nieset, und es zugleich mit ihm daneben zusammenhalten. – Ich schneide auch aus.
Peter Schoppe.
No. 1778."
Vermutlich sollte das die Höllengöttin bewegen, einmal dem niesenden Maler zu sitzen. Albano musste mitten im tiefen Schmerze erstaunen. Anfangs hatte' er nach seiner einfachen natur geglaubt, er selber sei unter dem Hanus verstanden.
Jetzt kam Schoppe. Sanft sagte Albano zuerst: "Ich habe auch dein Tagebuch gelesen." Der Bibliotekar fuhr mit einem Exklamations-Fluche zurück und sah glühend zum Fenster hinaus. "Was ist, Schoppe?" fragte sein Freund. Er drehte sich um, sah ihn starr an und sagte, die Gesichtshaut auseinander ringelnd, wie einer, der sich die Zähne putzt, und die Oberlippe aufziehend, wie ein Knabe, der in ein Butterbrot beisset: "Ich liebe" und lief im Feuer die stube auf und ab, klagend dabei, dass er noch so etwas an sich erleben müsse in seinen ältesten Tagen. – "Lies mein Tagebuch nicht mehr"- (fuhr er fort) "Frage nach keinem Namen, Bruder; kein Teufel, kein Engel, nicht die Höllengöttin darf ihn wissen – Einst vielleicht, wenn ich und Sie in Abrahams Schoss sitzen und ich auf ihrem – – Du bist so betrübt, Bruder!"
"Fliege froh in der Sonnenatmosphäre der Liebe!" (sagte sein Freund in der Gewissenstrauer, die den Menschen einfach, still und demütig macht)"Ich werde dich nie fragen oder stören! Lies das!" Er gab ihm das Blatt der Fürstin und sagte noch, während jener las, zu ihm:"Verflucht sei jede Freude, wo Sie keine hat. Ich bleibe hier, bis sie lebt oder nicht!" – "Auch ich bleibe hier", versetzte Schoppe unwillkürlich-komisch. "Sei ernstaft!" sagte Albano. "Sonst konnte' ichs," (sagte er weinerlich) "seit ehegestern nicht mehr!"
Albano hiess indes Schoppens Absonderung von der Reisegesellschaft gut; beide erhielten einander auch in der Freundschaft die köstlichste Freiheit. Von Hofmeister-Begleitung war bei beiden nicht die Rede. Schoppe lachte oft Hofmeister von vielen Kenntnissen und Lebensarten aus, wenn sie annahmen, er erziehe aus oder an Albano etwas. "Das Säkulum erzöge," (sagt' er) "nicht ein Tropf – Millionen Menschen, nicht einer eigentlich höchstens ein pädagogisches Siebengestirn leuchte nach, nämlich die sieben Alter des Menschen, jedes Alter ins nächste hinein – das Individuum gleiche