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widerstehen werde.

blieb aber Liane zurück aus eigner oder fremder Schuld: so war es sein Vorsatz und Schwur, vor keiner Gewalt, selber der väterlichen nicht, aus dem Vaterland der ewigen Braut zu weichen, sondern einzuwurzeln vor ihrem Kranken-Kloster, bis sie daraus entweder frei und heiter wieder in das offne Leben geht oder dunkel-eingeschleiert sich ins finstere Nonnen-Chor der Toten verbirgt. O, wiederzukommen, sie im romantischen Boden der alten Zeit zu suchen, und sie nirgends zu finden als hinter dem Sprach-Gitter der Erbgruftdiesen Gedanken hielt sein Herz nicht aus.

Die Fürstin führte ihm selber die gelegenheit seiner Bitte zu: sie schickte ihm zu einer astronomischen Partie auf der Sternwarte eine Einladung durch ihre treue Hofdame Haltermann. "Ich soll Ihnen bloss folgendes wörtlich schreiben" (schreibt diese:) "Kommen Sie heute auch aufs Observatorium, ich und meine gute Haltermann gehen dahin." Diese Haltermann, ein fräulein von wenigen Reizen und Geistesschwungfedern, aber vielen Glaubenslehren und frühzeitigen Runzeln, hing der Fürstin schon seit Jahren unauflöslich an, alles verschweigend und alle ihre "Stelldicheine" (Rendez-vous) begünstigend, bloss weil sie sagte: meine Fürstin ist rein wie Gold, und nur wenige kennen sie wie ich.

Günstiger konnte Albanos Wunsche kein Zufall kommen. Er stand am frühesten auf der schönen Sternwarte mitten in der lieblichen Nacht. Es war einige Tage nach dem Vollmond; seine glänzende Welt verschloss sich noch hinter die Erde, aber das angelassene Springwasser seiner Strahlen hob sich in Ansätzen herauf. Auf allen Bergspitzen schimmerte schon ein blasses Licht, als falle der ferne Morgen überirdischer Welten auf sie. Durch die Täler streckte sich noch das lichtscheue schwarze Erdentier der Nacht aus und bäumte sich auf gegen die Berge. Das Bergschloss Lianens war unsichtbar und zeigte wie ein Welt-Stern nur ein Licht. Plötzlich war der Herbstpurpur auf allen Gipfeln um das Schloss vom mond silbern betauet, und es regnete leuchtend an den weissen Wänden und in die weissen Gänge des Gartens niederendlich lag ein fremder blasser Morgen, durch alle Lauben dämmernd, im Garten, gleichsam das zarte Leuchten eines hohen, ganz reinen Geistes, der nur in der heiligen stillen Nacht die tiefe Erde betritt und da nichts sucht als die reine, stille Liane.

Als Albano blickte und träumte und sich sehnte, kam die Fürstin mit ihrer Haltermann herauf.

Der Professor brach sich vor Verehrung gegen sie fast entzwei und liess den Fix-Sonnen keinen astrologischen Einfluss auf sein gerades Stehen zu. – Albano und die Fürstin fanden sich mit einem Gewinst gegenseitiger Wärme wieder. Aber die erste Frage der Fürstin war: ob er die spanische Gräfin gesehen. Gleichgültig sagt' er, von der Prinzessin sei er seit ihrer Ankunft eingeladen worden, sei aber nicht gekommen. "Ma belle-soeur bewundert sie am meisten," (fuhr die Fürstin fort) "aber sie ist es ein wenig wert. Sie ist majestätisch gebauet, länger als ich, und schön, zumal ihr Kopf, ihr Auge und Haar. Doch ist sie mehr plastisch als malerisch schön, eher einer Juno oder Minerva ähnlich als einer Madonna. Aber sie hat Eigenheiten. Sie verträgt sich mit keinen Frauen, ausser den schlichten und blindguten; daher ihre Kammerfrauen für sie leben und sterben. Die Männer hält sie für schlecht und sagt, sie würde sich verachten, wenn sie je die Frau oder Sklavin eines Mannes würde; aber sie sucht sie der Kenntnisse wegen. Dem Fürsten hat sie ohne Not, wenn sie auch recht hatte, Bitterkeiten gesagt. Er lacht darüber und sagt, sie liebe ohnehin nichts, nicht einmal Kinder und Schosshunde. Sie müssen sie sehen. Sie lieset viel, sie lebt bloss mit der Prinzessin und scheint es, nach ihrem Putze zu schliessen, wenigstens an unserem hof auf keine Eroberungen anzulegen."

Albano sagte, manche dieser Züge wären ja herrlich, und brach kurz ab. Während des Gesprächs hatte der Professor fleissig alles recht gestellt und festgeschraubt und war jetzt des Anfangs gewärtig. Er bemerkte die helle sommerlaue Nachtging mit einigen Einleitungen in den Mond voraus, um die sechs Augen auf die beträchtlichsten Mondsflecken zu lenkenschattete vorläufig einige Schatten droben abführte an den Krater Bernoulli ("ich bediene mich Schröterscher Namen", sagt' er) – das höchste Gebirge Dörfel ("es besteht freilich aus drei Höhen", sagt' er) den Landgrafen von Hessen-Kassel ("den Berg Horeb aber nennt ihn Hevel", sagt' er) – den Montblancdie Ringgebürge überhaupt und schloss mit der listigen Versicherung, es gebreche freilich der Warte noch sehr an Instrumenten.

Die Haltermann sehnte sich unbeschreiblich nach dem Landgrafen von Hessen-Kassel im Mond und trachtete nach dem Sehrohr. "Es ist nur ein Flecken im Planeten, mein Kind!" sagte die Fürstin. – "Und so ist es wohl mit dem Montblanc droben auch nichts?" fragte sie getäuscht. Die Fürstin nickte und schaute ins Sternrohr; der magische Mond hing als ein Stück Tag-Welt dicht am Glase: "Wie vergeht sein schönes blasses Licht und seine ganze Magie in der Nähe! Als wenn Zukunft Gegenwart wird!" sagte sie zum Erstaunen des Professors, der aus dem Weltkörper gerade erst in der Nähe etwas machte. Sie ersucht' ihn um den Ring des Saturns. "Es sind eigentlich zwei, ihr Durchlaucht; aber der Sternwarte fehlet zur Zeit