waren nach den Rosenfesten nur die Dornenfeste. So gibt es ein Verzweifeln, das sich mit Schwelgen hilft; wie z.B. in der Pest zu Aten – oder in der Erwartung des Jüngsten Tages – oder in der Erwartung des Robespierrischen Schlacht-Messers. Der Hauptmann ging tiefer in seine alte Verworrenheit und Wildnis zurück und zog, so weit er konnte, den unschuldigen Jüngling in seine Volksfeste mit sogenannten Musensöhnen, in seine immerwährende Weinlese und auf seine Freuden-Werbplätze nach, gleichsam als hab' er seinetwegen nötig, den Freund ein wenig zu sich herabzubringen.
Albano bildete sich ein, mit diesen Dityramben sei seine weinende Seele ganz eingesungen, und er wiegte sie nur noch ein wenig fort. Indes wurden, wiewohl er es nicht eingestehen wollte, seine jungen Rosenwangen so bleich wie eine Stirn, und das Gesicht fiel wie eine Taste unter der zersprungnen Saite ein. Es war rührend und hart zugleich, wenn er lachend unter seinen Freunden und deren Freunden sass mit einem entfärbten Gesicht – mit höhern, schärfern Knochen der Augen und der Nase – mit einem wildern Auge, das aus einer dunklern Knochentiefe loderte. Vor Musik, zumal Roquairols seiner, worin das leidenschaftliche Wogen und Werfen unsers schiffes mit dem tonkünstlerischen abgenützten Wechsel des Dämpfers und Donners zu lebendig arbeitete, entfloh sein Ohr und Herz wie vor einer aufreibenden Sirene. Der abgebrochne Lanzensplitter der Wunde zog in seinem ganzen Wesen nagend herum. O, wie in den Kinderjahren, wenn ihm die Rosen-Wolke am Himmel gerade auf dem Berge aufzuliegen und so leicht zu ergreifen schien, das herrliche Gewölk weit in den Himmel zurückfuhr, sobald er den Berg erstiegen hatte: so stand jetzt die Aurora des Lebens und Geistes, die er nahe fassen wollen, so hoch und ferne droben über seiner Hand im Blau. Mühsam erreicht der Mensch die Alpe der idealischen Liebe, noch mühsamer und gefährlicher ist – wie von andern Alpen – das Herabsteigen von ihr.
Eines Tages kam Chariton in die Stadt, bloss um ihm endlich einen Brief ihres Mannes – denn Dian machte wie alle Künstler leichter und lieber ein Kunstwerk als einen Brief – zu überbringen, worin er sich freuete, dass er Albano so bald sehen würde. "Er kommt also wieder?" fragte der Graf. Sie rief betrübt aus: "Bei leib! – Ja das! – Nach seinem vorigen Schreiben bleibt er noch sein Jahr." – "So verstehe' ich ihn nicht", sagte Albano.
Er wurde an demselben Abend auf herkulanische Bilderbücher – die mit Charitons Brief eine Post genommen hatten – von der Fürstin eingeladen. Sie trat ihm mit jener erheiterten Liebesmiene entgegen, welche man vor einem aufspannt, der vor uns sogleich, wie wir hoffen, seinen grenzenlosen Dank aus dem Herzen ziehen wird. Aber er hatte nichts daraus zu ziehen. Sie fragte endlich betroffen, ob er heute keine Briefe aus Spanien erhalten. Sie vergass, dass die Post gegen kein Haus höflich und eilig ist als gegen das Fürstenhaus. Da aber sein Brief schon gewiss in seinem Zimmer lag: so erlaubte sie sich, die Rolle der Zeit zu nehmen, welche alles an den Tag bringt, und sagte, was im Briefe stehe, "dass sie nämlich im Herbste eine kleine Kunstreise nach Rom unternehme, auf der sie sein Vater begleiten werde und er diesen, wenn er wolle; das sei das ganze Geheimnis". – Es war das halbe; denn sie setzte bald darauf hinzu, dass sie der besten Zeichnerin in der Stadt am liebsten die Freude dieser Reise zuwende, sobald diese nur genese – Lianen.
Wie plötzlich das ganze Herz freudig erleuchtet wird, wenn nach einem langen finstern Regentage endlich abends die Sonne sich unter dem schweren wasser ein goldnes, offnes Abendtor wölbt, darin rein-glänzend wie in einer Rosenlaube vor der widerscheinenden Erde steht, ihr einen schönern Tag ansagt und dann mit warmen Blicken verschwindet aus der offnen Rosenlaube: so war es unserem Albano.
Der schöne Tag war noch nicht da, aber der schöne Abend. Er liess die herkulanischen Bilder unter ihrem Schutt und eilte, so schnell als es die Dankbarkeit vergönnte, zum Blatte des Vaters zurück, der so selten eines gab.
Es war dieses da:
"Liebster Albano! Meine Geschäfte und meine Gesundheit sind endlich in solcher Ordnung, dass ich meinen Plan bequem ausführen kann, den ich mit der Fürstin vorhabe, eine kleine Kunstreise nach Rom noch im Herbste zu machen, zu der ich dich einlade und im Oktober selber abhole. Die übrige Reisegesellschaft wird dir nicht missfallen, da sie aus lauter tüchtigen Kunstkennern besteht, Herrn v. Bouverot, Herrn Kunstrat Fraischdörfer, Herrn Bibliotekar Schoppe (wenn er will). Leider muss Herr v. Augusti als Lektor zurückbleiben. Dein Lehrer in Rom (Dian) erwartet dich mit vieler sehnsucht. Man hat mir geschrieben, dass du die neue Hofdame der guten Fürstin, fräulein v. Fr., deren ich mich als einer sehr braven Zeichnerin entsinne, besonders begünstigest. Es wird dich daher interessieren, dass die Fürstin sie auch mitnimmt, zumal da ihr, wie ich höre, eine Gesundheitsreise so nötig ist wie mir. – Im Frühling, der ohnehin nicht die schönste Jahreszeit in Italien ist, kehrest du wieder zu deinen Studien nach Deutschland zurück. – Noch etwas im Vertrauen, mein Bester! Man hat meiner Mündel, der Gräfin von Romeiro, deine Geister-Visionen aus Pestitz unverhohlen mitgeteilt. Da sie nun