– endlich zerfloss ein wenig Duft über dem Rot, und bloss ein offnes blaues Auge blickte unendlich mild und flehend auf Albano nieder; und er streckte die hände aus nach der umwölkten Gestalt, aber die Wassersäule war zu niedrig. Da warf das schwarze Gewitter Hagelkörner, aber sie wurden im Fallen Schnee und dann Tautropfen und endlich im Wölkchen silbernes Licht, und der grüne Schleier wallte erleuchtet im Dunst. Da rief Albano: Ich will alle meine Tränen vergiessen und die Säule aufschwellen, damit ich dich erreiche, schönes Auge! Und das blaue Auge wurde feucht von Sehnen und sank vors Liebe zu. Die Säule wuchs brausend, das Gewitter senkte sich und drückte das Wölkchen voraus, aber er konnte' es nicht berühren. Da riss er seine Adern auf und rief: Ich habe keine Tränen mehr, Geliebte, aber all' mein Blut will ich für dich vergiessen, damit ich dein Herz erreiche. Unter dem Bluten drang die Säule höher und schneller auf – der weite blaue Äter wehte und das Gewitter verstäubte und alle verschlungnen Sterne traten mit lebendigen Blicken heraus – das flatternde freie Wölkchen schwebte blitzend zur Säule nieder – das blaue Auge tat sich in der Nähe langsam auf und schneller zu und hüllte sich tiefer in sein Licht; aber ein leiser Seufzer sagte in der Wolke: Zieh mich in dein Herz! – O da schlang er die arme durch die Blitze und schlug den Nebel weg und riss eine weisse Gestalt, wie aus Mondlicht gebildet, an die Brust voll Glut – Aber ach der zerrinnende Lichtschnee entwich den heissen Armen – die Geliebte verging und wurde eine Träne und die warme Träne drang durch seine Brust und sank in sein Herz und brannte darin und es rann auseinander und wollte vergehen".... Da schlug er die Augen auf.
Aber – welches überirdische Erwachen! – Das weisse ausgeleerte Wölkchen, mit Gewittertropfen befleckt, hing, auf ihn hereingebückt, noch am Himmel – – – es war der helle, liebendnahe über ihn hereingesunkne Mond. Er hatte sich im Schlafe verblutet, weil sich darin die Binde von der Wunde des Armes durch das heftige Bewegen desselben verschoben hatte. Die Entzückungen hatten den Nachtfrost des Geisterschreckens zerschmolzen. In einem verklärenden Ersterben flatterte aufgebunden sein so festes Dasein umher wie ein beweglicher Traum in den gestirnten Himmel war er wiegend aufgeschwemmt wie an eine Mutterbrust, und alle Sterne waren in den Mond geflossen und dehnten seinen Schimmer aus – sein Herz, in eine warme Träne geworfen, ging sanft darin auseinander – ausser ihm schattete es nur, in ihm strahlte es blendend – der Flug der Erde wehte vor der aufgerichteten Flamme seines Ichs vorbei und bog sie nicht um. – Ach seine Psyche glitt mit scharfen ungeregten ungehörten Falkenschwingen entzückt und still durch das dünne Leben....
Ihm kam es vor, als sterbe er, denn spät war er die steigende Erwärmung des linken verblutenden Armes innen geworden, der ihn ins lange Elysium, das aus dem Traume ins Wachen reichte, gehoben hatte. Er legte ihm die Binde fester um.
Auf einmal hört' er unter dem Verbinden ein lauteres Plätschern unter sich, als blosse Wellen machen konnten. Er schaute über das Geländer – und sah seinen Vater mit Dian ohne Abschied – der für Gaspard nur die giftige Herbstblume in der Herbstminute einer Abreise war – wie ausgefallne Blütenblätter aus der Blumenkrone seines Lebens über die Wellen fliehen unter dem Schwanenliede der Nachtigallen! ... Guter Mensch, wie oft hat dich diese Nacht betöret und beraubt! – Er breitete die arme ihnen nach – der Schmerz des Traums fuhr fort und begeisterte ihn – der fliehende Vater schien ihm wieder liebender – schmerzlich rief er hinab: "Vater, sieh dich um nach mir! – Ach wie kannst du mich so stumm verlassen? – Und du auch, Dian! – O tröstet mich, wenn ihr mich hört!" – Dian warf ihm Küsse zu, und Gaspard legte die Hand auf das sieche Herz. Albano dachte an die Kopistin des Todes, an die Starrsucht, und hätte gern den verletzten Arm über die Wellen gehalten und das warme Leben als eine Libation für den Vater vergossen; und rief nach: "Lebt wohl, lebt wohl!" – Schmachtend drückt' er die kalten steinernen Glieder einer kolossalischen Statue an seine brennenden Adern an, und Tränen der vergeblichen sehnsucht überquollen sein schönes Angesicht, während die warmen Töne der welschen Nachtigallen, die von dem Ufer und der Insel gegeneinanderschlugen, mit linden Vampyrenzungen das Herz wundsogen. –
– Ach wenn du einmal geliebt wirst, glühender Jüngling, wie wirst du lieben! – Er weckte, im Durste nach einer warmen sprechenden Seele, seinen Schoppe auf und zeigte ihm die Flucht. Aber indem dieser irgend etwas Tröstendes sagte, schaute Albano unverwandt dem grauen Punkte des Fahrzeugs nach und hörte nichts. –
9. Zykel
Beide blieben auf und erfrischten sich durch die Streiferei in der betaueten Insel; und sie wurden durch den Anblick, wie das erhobene Bildwerk des Tages farbig-gleissend aus den erlöschen den Kreidenzeichnungen des Mondlichts heraustrat, lebendig und wach. Augusti kam auch und schlug ihnen die halbstündige Fahrt nach Isola madre vor. Albano flehte beide herzlich an, allein hinzufahren, ihn aber hier in seinen einsamen Spaziergängen zu lassen. Der Lektor fasste jetzt die Spuren der nächtlichen Angriffe schärfer ins Auge – wie schön hatte der Traum, der Mönch, die Schlaflosigkeit, die Verblutung die tapfere kecke Gestalt gemildert und jeden laut erweicht, und