den Glanz und auf die Musik. Der Fürst führte endlich seine Braut dem Tempel des Traumes entgegen; Karl, heute blind gegen, nicht für seine Rabette, nahm den brennenden Grafen mit. Am äussern Tempel liess sich nichts erraten, was seinem magischen Namen entsprach; bloss die Fenster gingen vom dach dieses Pavillons bis auf den Boden nieder und waren, statt von Rahmen und Fenstersteinen, in Zweige und Blätter gefasset. Aber als die Fürstin durch eine Glas-tür eingetreten war, schien ihr der Pavillon verschwunden; man stand, schien es, auf einem einsamen, von einigen Baumstämmen bewachten freien Platz, welchen alle Perspektiven des Gartens durchkreuzten. wunderbar, wie von spielenden Träumen, waren Lilars Gegenden untereinandergeworfen und die entgegengesetzten zusammengerückt – neben dem Berg mit dem Donnerhäuschen stand der mit dem Altare, und hart neben dem Zauberwald bäumte sich der hohe, schwarze Tartarus auf – Ferne und Nähe verschlangen sich ineinander – ein frischer Regenbogen von Gartenfarben und ein entfärbter Nebenregenbogen liefen nebeneinander fort, wie im Erwachen der Schatten des Traumbilds noch sichtbar vor der blitzenden Gegenwart entläuft. Indes die Fürstin noch in das träumerische Blendwerk versank137: so trat wie aus der Luft Liane durch eine gläserne Seiten-tür in Idoinens Lieblingsanzug, im weissen Kleide mit Silberblumen und in ungeschmücktem Haar mit einem Schleier, der nur angesteckt an der linken Seite lang niederfloss, wankend hervor und lispelte, als die Fürstin getäuscht "Idoine!" ausrief, zitternd und kaum hörbar: "Je ne suis qu'un songe."138 – Sie sollte mehr sagen und eine Blume reichen; aber als die bewegte Fürstin fortrief: "Soeur cherie!" und sie heftig in die arme schloss, so vergass sie alles und weinte nur ihr Herz an einem andern Herzen aus, weil ihr das fremde, vergebliche Schmachten nach einer Schwester so rührend war. – Albano stand nahe an der erhebenden Szene; der Verband von allen Wunden wurde' ihm abgerissen, und ihr Blut floss warm aus allen nieder. O, nie war sie oder irgendeine Gestalt so äterisch-schön, so himmlisch-blühend und so demütig gewesen!
Als sie die Augen aus der Umarmung aufhob, fielen sie auf Albanos bleiches Gesicht. Es war bleich nicht vor Krankheit, sondern vor Bewegung. Sie fuhr zuckend zurück, umarmte die Fürstin wieder; der bleiche Mensch hatte ihr bewegtes Herz in eine Träne nach der andern zerrissen; aber beide grüssten sich nicht und so fing ihr Abend an.
Während der Täuschung und Umarmung waren auf einen Wink des Fürsten alle Zweige und Tore des Gartens in einen glänzenden Brand gesteckt – alle Wasserwerke des Zauberwaldes flatterten mit goldnen Flügeln aufgeschreckt hoch empor – im umgekehrten Regen spielte eine weisse, grüne, goldne und finstere Welt, und die wasser und die Flammenstrahlen flogen wie Silber- und Goldfasanen mutwillig gegeneinander an. – Und der Glanz des brennenden Edens umfing den Tempel des Traums, und der Widerschein legte sich in sein inneres grünes Laubwerk vergoldend.
Liane trat an der Hand der ehrenden Fürstin mit niedergeschlagnen, verschämten Augen in die helle, rege Sonnenstadt heraus, ins Getümmel der Musik und der frohen Zuschauer. Auf Albano schoss die stürmische Gegenwart wie ein Strom; die entgegengesetzten verworrenen Rollen vor entgegengesetzten Menschen – der Freudenglanz des Abends – und die nächtliche Verwirrung in seiner Brust machten seinen festen gang durch diesen Abend schwer.
Die Fürstin zog ihn bald in ihren Wirbeln weiter; Lianen liess sie nicht von sich. Der Minister färbte und steifte mit alten Galanterien den erotischen Sklaven auf; aber jedem schien er, da die Fürstin den Kredit nach dem tod des Fürsten bestimmt, nur die Sitte der Minister nachzumachen, deren Geist gern vom Vater und Dauphin – filioque – zugleich ausgeht, um sich nicht zwischen, sondern auf zwei Fürsten-Stühle zu setzen. Sie schien indes seit seiner Maschinerie mit Lianen ihn stolzer aufzunehmen. Hinlänglich beglückte ihn das Glück der Tochter, wie seinen Schwiegersohn Bouverot die Nähe derselben genug, und das Schelmen-Paar lag tief und ganz in Blumen weidend. Albano erriet weiter nichts, als dass sogar ein kalter Drache, ein Seelenurangutang die Reize dieses Engels dunkel spüre.
Die Ministerin und der Lektor teilten sich leicht wechselnd in die Bewachung Lianens vor jedem Worte – Albanos. Die Fürstin liess sich durch die funkelnden Lustgänge, durch den in nassen Blitzen stehenden Zauberwald und zuletzt an das Donnerhäuschen führen, um den brennenden Garten aus allen Punkten in ihr malerisches Auge zu nehmen; Liane und Albano begleiteten sie durch alle Gänge ihres welken, kahlen Arkadiens und hielten ihre zertrümmerten Herzen stumm und fest zusammen. Sie gab, treu ihrem Wort gegen die Eltern, ihm keinen wärmern blick und Anklang wie jedem, aber auch keinen kältern; denn ihre Seele wollte ja nicht quälen, sondern nur leiden und gehorchen. Er machte glaubt' er – alle Blicke und Laute sanft; auch rächte sich der edle Mensch durch keinen Schein der Kälte oder gar einer untreuen Befreundung mit der fürstlichen Kron- und Herzenswerberin.
Die Fürstin fing an, ihm unverständlich zu werden. Man kam vom Romantischen auf Roman, dann auf die Frage, warum er die Ehe nicht male; "weil er" (versetzte sie) "ohne den Amor nicht sein kann." – "Und die Ehe?" fragte unhöflich Albano. – "Nicht ohne einen Freund;" (sagte sie) "aber Amor ist ein Gott, nec deus intersit nisi dignus vindice nodus inciderit139 – - ", setzte sie dazu, weil