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fleissig", versetzt' er.

So brachte er sie, mit zwei Geheimnissen beladen und für jetzt eine Interims-Absonderung bejahend, zur Mutter zurück; aber diese zahlte nur dem Lektor den Lohn eines freundlichen Blickes aus. Er verlangte indesnach seiner Kartäuser-Manierkeinen andern als das gütigste Schweigen gegen den Minister über seine Einmischung, da dieser sein Verdienst dabei etwa für grösser halten könnte, als es wäre.

Dem Minister wurde die achttägige Besserung und Entaltung angesagt. Er glaubtesich Misstrauen in die Frau vorbehaltenddoch weiter in Feindes Land einzudringen mit seinen Waffen; auch liess er sich die neue Frist und Lianens Entkerkerung mit darum gefallen, um seine Tochter bei dem Vermählungsfest blühend und gesund als eine glänzende Pfauhenne an seine Geliebte und vor sich her zu treiben.

Roquairol kam jetzt von dieser zurück; und strahlte ein paar Wolken im haus mit schönem, hellem Morgenrote voll. Er überbrachte dem Vater Nachrichten und Grüsse von der Fürstin. Lianen brachte er das Echo jener geliebten stimme mit, die einmal zu ihrem Himmel gesagt hatte: er werde! – ach die letzte Melodie unter den Misstönen der uneinigen Zeit. Er erriet leichtdenn er erfuhr wenig von der ihn vernachlässigenden Mutter und nichts von der Tochter –, wie alles stehe. Als er vollends Albanos Blatt an diese ihr am dämmernden Abend in den Arbeitsbeutel schieben wollte und sie mit einem Ach der Liebe sagte:

"Nein, es ist wider mein Wortaber künftig etwa, Karl!" –: so sah er "mit brausendem Ingrimm seine Schwester im offnen Charons-Kahn zum Tartarus aller Leiden schiffen", wie er sagte. An den Freund dachte' er weniger als an die Schwester. Der freundliche, schmeichelnde Ministerer schenkte zum Beweis dem Hauptmann einen Sattel von Wertberichtete ihm den Besuch Rabettens und gab Winke über Verlobung und dergleichen; Karl sagte keck: er schiebe all sein Glück hinaus, solange seine liebe Schwester keines voraussehe. Um den alten Herrn wieder mehr für Lianen einzunehmen, führt' er ihn für das Vermählungsfest auf eine romantische Invention, die Froulay nicht ahnete, als er schon ganz dicht an ihr stand: nämlich Idoine (die Schwester der Braut) war Lianen auffallend ähnlich. Die Fürstin liebte sie unaussprechlich, sah sie aber nur selten, weil sie ihres starken, einmal zu einer Tron-Ehe neinsagenden Charakters wegen auf einem von ihr selber gebaueten und regierten dorf wohnte, höflich vom hof verbannt. Er legte nun dem Vater die poetische Frage vor, ob Liane nicht in der Illuminationsnacht einige Minuten lang im Traum-Tempel, der ganz zu diesem schönen Truge passe, die Fürstin mit dem Widerschein ihrer geliebten Schwester erfreuen könne.

Entweder machte den Minister die Liebe gegen die Fürstin kühner, oder der Wunsch trunkner, Liane als Hofdame glänzend einzuführen: genug er fand in der idee Verstand. Wenn etwas für den Separatfrieden, den er mit dem Sohne gemacht, den Tabak in die Friedenspfeife hergab: so war es dieses Rollenblatt. Er eilte sogleich zum Fürsten und zur Prinzessin mit der Bitte um seine Erlaubnis und um ihre Teilnahme; – darauf, als er beides hatte, zu seinem Orest Bouverot und sagte: "Il m'est venu une idée très singulière qui peut-être l'est trop; cependant le prince l'a approuvée etc." – und endlich zu Lianen, um doch auch diese nicht zu vergessen.

Der Hauptmann hatte schon früher sie zu bereden gesucht. Die Mutter war gegen diese Nachspielerei aus Selbstbewusstsein und Liane aus Demut; eine solche Repräsentation kam dieser als eine zu grosse Anmassung vor. Aber zuletzt gab sie nach, bloss weil die schwesterliche Liebe der Fürstin ihr so gross und unerreichbar geschienen, gleich als pflegte sie nicht eine ähnliche in ihrem Herzen; so fand sie immer nur das Spiegelbild, nie sich schön, wie der Astronom denselben Abend mit seinem roten Glanze und Nachtschatten zauberischer und erhabener findet, wenn er ihn im mond antrifft, als wenn er auf der Erde mitten darin steht. Vielleicht lag noch eine ganz dunkle Süssigkeit, nämlich eine schwiegertöchterliche, in Lianens Liebe für die Fürstenbraut; weil diese einmal des Ritter Gaspards seine hatte werden sollen. Die Weiber achten Verwandtschaft mehr als wir, daher auch ihr Ahnenstolz immer einige Ahnen älter wird als unserer.

So bereitete sie denn das gepresste Herz zu den leichten Spielen des glänzenden Festes vor, das die künftigen Zykel gleichsam am Neujahrsfest einer neuen Jobelperiode geben.

Siebzehnte Jobelperiode

Fürstliche Vermählungs-Territion

Lilars Illumination

77. Zykel

Welche allgemeine Landfreude konnte jetzt von einem Grenzwappen zum andern acht Tage lang jauchzen! Denn so lange war die Landtrauer suspendiertdie Glocken läuteten zu etwas Besserem als zum grabes war wieder Musik erlaubt allen Spieluhren und Spielleutenalle Teater wären geöffnet worden, wäre eines dagewesen, oder der Hof verschlossen, der beständig spielteund man konnte höhern Orts acht Tage ohne schwarzen Rand gehen und dekretieren – – nachher nach dem erfrischenden Zwischenakt, wo man das Orchester, Punsch und Kuchen genoss, sollte wieder aufgeräumter ans Weinen und Trauerspielen gegangen werden. Der Fürst ritt am Morgen der langweiligen Einholungs-Wagenfahrt über die Grenze voraus mit Bouverot und Albano; alle drei als die einzigen im land unabhängigen, bei dem Feste nicht interessierten Leute. Der arme Luigi! Ich hab' es schon im ersten Band des Titans sehr deutlich gesagt, dass der fürstliche Bräutigam, der heute die Decke beschlägt, bloss