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allezeit als den Lehn- und Lippenträger, Agenten und de latere-Nuntius des Mundes den Küssen schickte.

"Sie bleibt ungehorsam", sagte die strenge Frau. "So gleicht sie Ihnen ein wenig", sagt' er, weil der Misstrauische die Umarmung für eine Verschwörung gegen ihn und seinen Bouverot ansah. Nun barst sein Eis-Hekla und flammte und flossbald auf Tochter, bald auf Frauerstere sei gar erbärmlich, sagt' er, und nur der Hauptmann etwas wert, den er glücklicherweise allein gebildeter errat' alles, hör' alles, wenn man auch sein Ohrblech verborgenes werde demnach, wie er sehe (er zeigte auf seinen entsiegelten Morgenpsalm), zwischen beiden Kollegien kommuniziertaber Gott soll' ihn strafen, wenn er nicht "Töchterchen, antwort doch endlich!" bat er.

"Mein Vater" – (sagte Liane, seit der Bouverotischen Verbrüderung und der Misshandlung der Mutter ihr Herz mehr fühlend, das aber nur verachten und nie hassen konnte) – "meine Mutter hat mir heute und gestern alles gesagt; aber ich habe doch Pflichten gegen den Grafen!" Eine kühnere Lebhaftigkeit, als die Eltern sonst an ihr vermisset und gefunden hatten, strahlte unter dem aufgehobenen Auge. "Ach, ich will ihm ja nur so lange treu verbleiben, als ich lebe", sagte sie. "C'est bien peu", versetzte der Minister, über die Keckheit erstaunend.

Liane hörte jetzt erst ihr entflognes Wort nach; da ergriff sie, um die Vergangenheit und ihre Mutter zu rechtfertigen, den schönen und lächerlichen Entschluss, den alten Herrn zu rühren und zu bekehren durch ihre Geister- oder Traumseherei. Sie bat ihn um eine einsame Unterredung und nachherals sie schwer vergönnet wardarin um sein heiliges Versprechen, gegen die Mutter zu schweigen, weil sie fürchtete, dieser Liebenden die dem Ausschlagen nahe rasselnden Uhrräder ihrer Sterbeglocke zu zeigen. Der alte Herr konnte nur mit einer komischen Miene wobei er aussah wie einer, der in grimmiger Kälte lachen will hinlängliches Wortalten geloben, weil nie, so viel er sich entsinnen konnte, das Wort von ihm, sondern bloss oft er vom Wort gehalten wurde. In solchen Menschen sind Wort und Tat dem teatralischen Donner und Blitze ähnlich, welche beide, sonst im Himmel gleichzeitig verbunden, auf der Bühne aus getrennten Ecken und durch verschiedne Arbeiter hervorbrechen. Aber Liane ruhte nicht eher, als bis er ein wortfestes, offnes Gesichtein gemaltes Fensteraufgetragen. Darauf fing sie nach einem Faustkuss ihre Geistergeschichte an.

Mit fortgesetztem Ernst, fest zusammengehaltenen Muskeln hörte er dem Unerhörten zu; dann nahm er sie, ohne ein Wort zu sagen, an der Hand und führte sie vor die Mutter zurück, der er sie mit einem langen Lob- und Dankpsalm auf ihre glückliche Töchterschule überreichte; – "seine Knabenschule mit Karl sei ihm wenigstens nicht in diesem Grade geglückt", setzt' er hinzu. Zum Beweise teilt' er ihr offenherzigund alle Schmerzen Lianens kaltblütig verarbeitend, wie der Fassbinder Zypressenzweige zu Tonnenreifendas wenige mit, was er zu verschweigen verheissen, weil er immer entweder sich wegwarf oder den andern, meistens beide. Liane sass hochrot, heisswerdend, mit gesenkten Augen da und bat Gott um Erhaltung ihrer Kindesliebe gegen den Vater.

Kein teilnehmendes Auge werde ferner mit dem Eröffnen einer neuen Zeit gequält, wo das Eis seiner Ironie brach und ein wütender Strom wurde, in welchen noch dazu mütterliche Tränen des Zorns flossen über ein teueres Wesen und dessen verderbliches, fieberhaftes Hineinträumen in den letzten Schlaf. Das Ziel und die Gefahr kopulierte fast die Eheleute zum zweitenmal; wenn es glatteiset, gehen die Menschen sehr Arm in Arm. "Du hast nichts nach Lilar geschickt?" fragte der Vater. "Ohne Ihre Erlaubnis würde' ichs gewiss nicht tun", sagte sie, meinte aber ihre Briefe, nicht Albanos seine. – Er benutzte den Missverstand und sagte: "Du hast sie ja aber." – "Ich will alles gern tun und lassen," (sagte sie) "aber nur wenn der Graf einwilligt, damit ich ihm nicht unredlich erscheine; er hat mein heiliges Wort auf meine Treue." An diese milde Festigkeit, an diesen mit weichen Blumen überzognen Petri-Fels stiess sich der Vater am härtesten. Dazu war der Übertritt eines stolzen Liebhabers von eignen Wünschen zu den feindlichen, gesetzt man hätte Lianen die Frage an den Grafen erlaubt, so unmöglich auf der einen Seite, und das Gesuch um diese Veränderlichkeit, es mochte bewilligt oder abgeschlagen werden, überhaupt so heruntersetzend auf der andern, dass die betroffne Ministerin stolz aufstand, wieder fragte: "Ist das dein letztes Wort an uns, Liane?" – und als Liane weinend antwortete: "Ich kann nicht anders, Gott sei mir gnädig!", sich zornig wegwandte an den Minister und sagte: "Tun Sie nun, was Sie für convénable halten, ich bin unschuldig." – "Nicht so ganz, ma chere; aber gut!" (sagt' er:) "Du bleibst von morgen an in deinem Zimmer, bis du dich korrigierst und unsers Anblicks würdiger bist", kündigte er hinausgehend Lianen mit zwei auf sie geworfenen Augen-Salven an, worin meines Ermessens weit mehr Reverberierfeuer-Plagegeisterätzende, fressende MedikamenteGehirn- und Herzensbohrer versprochen wurden, als sonst ein Mensch gebend halten