sich über vieles heraus, was das Vermählungsfest unmittelbar anging; auch sucht' er seine Hoffnungen und Wünsche nicht zu verbergen, dass der Graf die bewundernswürdige Braut bewillkommen helfen werde.
Am Ende musste dieser auch die seinigen über die Weiber zu eröffnen wagen. Der Minister versetzte ungemein heiter, dass beide das "brave fräulein von Wehrfritz" eben nach Blumenbühl zurückbrächten; und liess sich sofort aufs Lob dieser "unverdorbnen natur" ein. Albano ging bald, aber viel froher. Auf seinem Wege brannten doch einige Gassenlaternen.
Aber am Morgen geriet er in ein Winkelgässchen, wo keine einzige war; nämlich Rabette, das Renntierchen, kam nach Lilar gelaufen, wie gestern nach Pestitz – denn was ist für ein Landfräulein ein Meilenlauf anders als eine gerade Allemande? – und schüttete und schüttelte vor ihm ihr Herz bis auf die Herzohren aus, woraus nichts herausfiel als frohe Bilder, einige Himmel, ein vollständiger Hochzeittag, ein Paar Schwiegereltern und eine Hauptmännin. "Die Ministers waren gegen mich so höflich gewesen, aber – nachher noch mehr gegen meine Eltern die Mutter – und sie haben den Hauptmann so sehr genannt und gelobt kurz, sie wissen freilich alles, mein herrlicher, herzlieber Bruder!" sagte sie, – aber von Lianen wusste sie dem herrlichen Bruder nichts zu bringen, ausser ihren Gesundheitspass; ihr freudiges Auge hatte sich nach gar keiner dunkeln Gegend gewandt. "Wir waren keine Minute allein, das machts", setzte sie dazu und kam wieder auf ihren Huptmann, den der Minister als Marschkommissarius der einrückenden Fürstin auf die Haarhaarer Strasse versendet habe; doch verwies sie ihn auf die Illuminations-Nacht in Lilar, wo sie und Liane und beiderseitige Eltern dabei zu sein ausgemacht hätten. Du gutes geschöpf! wer gönnt dir nicht den blitzenden Ring der Freude, den du an deiner braun und hart gesottenen Hand ansiehst, und wer wünschet nicht gern, dass seine Steine nie ausfallen!
Bald darauf flog dem Verlassenen der Bruder der vergangnen Feste an das Herz, Karl. Er wiederholte beinahe Rabettens Aussagen, obwohl nicht ihre Entzückung; er sagte – aber ohne sonderliche Rührung –, dass der Vater wirklich ihm den Bruderkuss mit einer Kusshand durch mehrere Zimmer zuwerfe, ihn ganz besonders aus- und anzeichne und zu Geschäften freundlich verbrauche – und das alles bloss, seitdem er hinter die Liebe gegen Rabette und das stille Zunikken der Eltern gekommen sei; denn vom Herzen zwar sei bei dem Vater die Rede nicht, aber doch von Rabettens Weiberlehn, zumal da man ihm bei der romantischen Wechselreiterei seines Herzens nicht trauen könne, ob er nicht sonst einmal die Ärmste bringe.
Mit einer seufzenden Brust, die gern mehr einer erwartenden mitgebracht hätte, erzählte Karl bloss, dass er Lianen gesund und still, aber keine Minute allein gefunden. Die Zusammenhaltung der fremden Dürftigkeit mit dem eignen offnen, reichen Glück war – so glaubte Albano – die schöne, zarte Ursache, warum Karl mit so flüchtiger, kühler Freude über die elterliche Einsegnung seines Seelenbundes weglief. O, wie liebt' er ihn jetzt! Könnt' er ihn je mehr lieben, so tät' er es, wenn Liane gar seinem Glück verloren wäre, bloss um sich und ihm zu zeigen, dass die heilige Freundschaft kein drittes Herz begehre, um ein zweites zu lieben.
Dieses Gewölke des Schweigens legte sich nun wochenlang und immer finstrer um seine schönsten Höhen fest, und der Schuldlose ging unter dem Dunkel im Kreise von Widersprüchen umher. Wie musste dieser Jüngling sich abarbeiten, wenn er bald dachte, dass die Eltern wohl gar eine Verwandtschaft mit ihm ausschlagen, da er doch mehr ihre vergessen als vergelten zu müssen glaubte, und dass sie zwei Herzen der politischen Herzlosigkeit opfern könnten – oder wenn er auf die fromme Liane den Verdacht des Weichens vor elterlichen Angriffen fallen liess, der noch aus der Vergangenheit Zufuhr durch die Vermutung erhielt, dass sie ihn wohl mehr poetisch und fromm und mehr mit Flügeln umhalset als mit Armen und dass sie überhaupt, an so lange Ergebungen gewöhnt, Opfer und Neigungen kaum absondern und jene für diese halten könne – oder wenn er bald und am öftersten alle diese Waffenspitzen gegen seine eigne Brust kehrte und sich fragte, warum er in der Freundschaft ein so festes Vertrauen habe und in der Liebe ein so wankendes: Dann führte ihn dieser Vorwurf zu einem zweiten über jeden vorigen, den er der guten Seele gemacht, bloss um sie nach der Proselytenmacherei und Reformiersucht, welche die Männer mehr an ihren Weibern als Freunden üben, für seine eigne Gussform einzuschmelzen Letzteres konnte' er rügen, wie Holberg127 bemerkt, dass die Männer Landgüter nicht so gut erhalten als die Weiber, weil jene mehr als diese sie reformieren wollen: aus demselben grund verderben die Liebhaber auch die Weiber mehr als diese jene.
Um nur aus dem langsamen Gerichtshof der Zukunft schneller sein Bluturteil zu holen oder ein schöneres Blatt, ging er wieder ins ministerielle Haus. Er wurde vom Minister wieder lächelnd und von der Mutter ernst empfangen, und – auf seine Frage war Liane nicht wohl auf. – Er legte dem alten, sich jetzt wärmer andrängenden Schoppe, der seit einiger Zeit neben dem Skalpell des Doktors weiter kein Herz studierte, als was auszuspritzen und zu präparieren war, eine kurze Frage über des Doktors Besuche beim Minister vor; wie erstaunt' er, da er vernahm, dass niemand weiter aus dem haus welche in jenem mache, da Liane ganz blühend in alle Zirkel fahre, als bloss der Lektor häufigere!
Er