hatte etwas Leeres daraus in der Hand –, diese ein wenig in die Küche. Er ging selig wie auf Flügeln und sagte: "Das Leben fährt heute auf dem Wagengestirn im Blauen dahin." Er kehrte aber um, um vor ihnen die Plejaden aufgehen zu lassen, nämlich den sogenannten "verkehrten Regen", der bloss fünf Minuten lang und eigentlich nur bei Illumination steigt. Er führte alle in den Wunderwald durch ein im Mittagsschlummer liegendes Licht, das unter freien Bäumen glühte, deren weit-auseinanderstehende Stämme sich nur die langen Zweige boten. Auf dem Brennpunkt der malerischen Bahnen liess er sie das Spiel des Regens erwarten. Die Kinder sprangen mit ihren Hoffnungen nach und setzten sich, vom Mute der Erwachsenen gedeckt, mit diesen auf bezeichnete Götter- oder Kindersitze, zwischen zwei kleinen runden Seen.
Während Karl schnell im Zickzack, der hydraulischen und mechanischen Maschinerie wegen, hin- und herlief – ungefähr nach den Punkten des Irrgartens in Versailles –: so konnten sie den überall aufgehenden Zauberwald durchfliegen – ein allmächtiger Arm der aussen vorbeigehenden Rosana griff unter die Blumen herein und trug eine schwere, reiche Welt – bald war das wasser ein fester Spiegel, bald eine gewundne, wellenschlagende Ader, bald eine Quelle, bald ein Blitz hinter Blumen, oder ein schwarzes Auge hinter Blätter-Schleiern – schmale Ufer, kurze Beete, Kindergärten, runde Inseln, kleine Hügel und Landzünglein wohnten dazwischen, sie hielten ihre bunten, blühenden Kinder auf dem Arm und Schoss, und die blauen Augen der Vergissmeinnicht und die vollen Tulpenwangen und die blasswangigen Lilien spielten wie Geschwister, von Fremden geschieden, beisammen, aber Rosen liefen durch alle. Jetzt hörten die Menschen murmeln und rauschen, die Seen neben ihnen walleten; an einem abgerindeten, auf eine Insel eingepfählten Maienbaum fingen oben die gelben Tannennadeln zu tropfen an – von den Hängebirken auf der Landzunge glitt ein innerer Regen nieder – aus den beiden Seen neben ihnen flogen Wasserstrahlen wie fliegende Fische gegen Himmel – Jetzt quoll es überall, und Reihen von Quellen, diesen wasser-Kindern, spielten mit den Blumenkindern – Wie Vögel flatterten Strahlen mit breiten Flügeln aus den Lorbeerhecken und fielen in die Rosengruppen nieder – an einem Hügel voll Eichen kroch eine Wasserschlange hinauf – kriegend schossen aus allen Ufer-Mündungen belagernde Bogen an die Gipfel – Plötzlich fanden sich die überlisteten Zuschauer mit Regenbogen überwölbt, denn die Seen warfen ihre wasser hoch über sie hinüber, dass durch das Tropfengegitter die wankende Sonne brannte wie durch eine zersplitterte Juwelenwelt. – Die Kinder schrien erschrocken. – Die aufgejagten Vögel kreuzten durch den Regen Nachtschmetterlinge wurden niedergeworfen – die Turteltauben schüttelten sich, an die Erde gedrückt, in den Güssen – die Ufer und die Beete hielten ihre blühenden Kleinen dem Himmel unter. –
Nach fünf Minuten war alles vorbei, und nur in allen Blumen und Augen zitterte der nasse Glanz und auf den Wellen die Sterne fort. Die Kinder liefen dem Wundertäter Karl nach. "Vorbei draussen," (sagte Albano) "aber nicht in uns. Ich bin heute recht still-froh, denn du liebst mich, und auch die ganze Welt ist freundlich. – Bist du auch glücklich, Liane?" – Sie antwortete: "Noch froher, und ich müsste vor Freude weinen, wenn ich es sagte." – Aber sie weinte schon. "Sieh! die Tropfen!" sagte sie naiv, als er sie anblickte, und nahm seine vom Regenbogen angesprützte sanft von seinen Wangen weg. Sein Mund berührte ihr heiliges, zärtliches Auge, aber das andere stand offen, und ihr Herz und ihre Liebe blickten ihn daraus an, und nie schwebte ihre heilige Seele ihm näher.
Nach wenigen Minuten war auch dieser nach dem Himmel gekehrte Regen vorüber. Sie gingen mitten über den freien Garten den Morgen-Partien und – Toren zu. Wie lagen in der offnen Welt die Küsten der Zukunft so hell vor ihnen mit dickem, hohem Grün, und Nachtigallen flogen um die Ufer! – Die Entzückung macht das männliche Herz weiblicher; die stimme seiner vollen Brust redete nur leise zu Lianen, auf deren seitwärts und gegen Himmel geneigten Angesicht ein stilles, frommes Danken lag, sein feuriger blick regte sich nur langsam und ruhte an der schönen Welt, und er ging ohne hastiges Überschreiten um die kleinste Landspitze. Die junge Nachtigall wetzte den abgefütterten Schnabel am Zweige und schüttelte sich lustig, die alte sang ein kurzes Wiegenlied und hüpfte mit Tönen nach neuer Kost und überall flogen und schrien die Kinder des Frühlings und ihre Eltern durcheinander – Kleine, weisse Pfauen liefen ungeputzt wie kleine Kinder im Grase – Selig floss der Schwan zwischen seinen Wellen mit dem weissen Bogen über den untergetauchten Augen, und selig schwebte die glänzende Tonmücke wie ein fester Stern unverrückt in den Lüften über einer fernen, blumigen Glocke. – Die Schmetterlinge, fliegende Blumen, und die Blumen, angekettete Schmetterlinge, suchten und überdeckten einander und legten ihre bunten Flügel an Flügel – Und die Bienen tauschten Blumen nur gegen Blüten, und die Rose, die keine Dornen für sie hat, nur gegen die Linde. "Liane," (sagte Alban) "wie lieb' ich heute durch dich die ganze Welt, ich möchte den Blumen einen Kuss geben und in die vollen Bäume mich drücken; ich könnte nicht dem langen Käfer da unten in den Weg treten." – "Sollte man" (versetzte sie) "je anders fühlen? Wie kann ein Mensch, dachte' ich oft,