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recht gutes ist recht gut." Aber mit dem Stolze der Liebe, die sich kühn mit der väterlichen mass, ergriff er fest die Hand mit der Larve und sah den Ritter mit feurigen Tränen an. "Mein Sohn," versetzte der Müde, "ich habe dir heute noch viel zu sagen und wenig Zeit, weil ich morgen reiseund ich weiss nicht, wie lange mein Herzklopfen mich sprechen lässt." – Ach also war das vorige Zeichen einer gerührten Seele nur ein Zeichen eines nervenkranken Pulses gewesen.... Du armer Sohn, wie musste vor dieser scharfen Luft dein bewegtes Meer erstarrenach wie an einem eiskalten Metall musste deine warme Hand ankleben und davon sich wundgeschält abziehen!

Aber guter Jüngling! Wer von uns könnte dich tadeln, dass Wunden dich gleichsam mit Blut an deinen wahren oder falschen Halbgott bindenwiewohl ein Halbgott sich öfter mit einem Halbtier als mit einem Halbmenschen schliessetund dass du so schmerzlich liebst? Ach welche warme Seele sprach nicht einmal die Bitte der Liebe vergeblich aus und konnte dann, gelähmt vom erkaltenden Gifte, gleich andern Vergifteten, die schwere Zunge und das schwere Herz nicht mehr bewegen? – Aber liebe fort, du warme Seele; gleich Frühlingsblumen, gleich Nachtschmetterlingen durchbricht die zarte Liebe zuletzt doch den hartgefrornen Boden, und jedes Herz, das nichts anderes verlangt als ein Herz, findet endlich seine Brust! –

5. Zykel

Der Ritter nahm ihn auf eine über steinerne Säulen geführte Galerie hinauf, die überall Limonienbäume mit Düften und kleinen, regen, vom mond silbern geränderten Schatten vollstreueten. Er zog zwei Medaillons aus seiner Brieftasche; das eine bildete ein sonderbar-jugendlich aussehendes weibliches Gesichtchen vor, mit der Umschrift: "Nous ne nous verrons jamais, mon fils."9 "Hier ist deine Mutter" (sagte Gaspard und gab es ihm) -"und hier deine Schwester", und reichte ihm das zweite, dessen Züge zu einer unkenntlichen veralteten Gestalt einliefen, mit der Umschrift: "Nous nous verrons un jour, mon frère."10 Er fing nun seine Rede an, die er in so vielen zwanglosen Heften (das eine Komma oft am einen Ende der Galerie, das andere am andern) und so leise und in einem solchen Wechsel von schnellem und trägem Gehen lieferte, dass in das Ohr eines unter der Galerie mitlaufenden Visitators fremder gespräche, wenn einer drunten stand, nicht drei zusammengehörende Laute tropfen konnten. "Deine Aufmerksamkeit, lieber Alban," fuhr er fort, "nicht deine Phantasie sollte jetzt gespannt sein; du bist leider heute zu romantisch bei dem Romantischen, was du hören sollst. Die Gräfin von Zesara liebte das Feierliche von jeher; du wirst es aus dem Auftrage sehen, den sie mir wenige Tage vor ihrem tod gab, und den ich gerade an diesem Karfreitage auszurichten versprechen musste."

Er sagte noch, bevor er anfing, dass er, da seine Katalepsie und sein Herzklopfen bedenklich stiegen, nach Spanien eilen müsse, seine Sachen und noch mehr die seiner Mündelder Gräfin von Romeirozu ordnen. Alban tat noch eine Bruderfrage über seine liebe, so lang' entrückte Schwester; der Vater liess ihn hoffen, dass er sie bald sehen werde, da sie mit der Gräfin die Schweiz besuchen wolle.

Da ich nicht absehe, was die Menschen davon haben, wenn ich die mir beschwerlichen Gänsefüsse samt dem ewigen "er sagte" hersetze: so will ich den Auftrag in person erzählen. Es werden einmal – (sagte der Ritter) – drei Unbekannte, einer am Morgen, einer mittags und einer abends, zu ihm kommen, und jeder wird ihm ein eingesiegeltes Kartenblatt zustellen, worauf bloss der Name der Stadt und des Hauses steht, worin das Bilderkabinett, das Albano noch dieselbe Nacht besuchen muss, zu finden ist. Im Kabinett soll er alle Nägel der Bilder durchtasten und drücken, bis er auf einen kommt, hinter welchem der Druck eine in die Wand eingebaute Repetieruhr zwölf zu schlagen nötigt. Hier findet er unter dem Bilde eine geheime Tapetentür, hinter welcher eine weibliche Gestalt mit einem offnen Souvenir und mit drei Ringen an der Linken und mit einem Crayon in der Rechten sitzt. Drückt er den Ring des Mittelfingers, so richtet sich die Gestalt unter dem Rollen des inneren Getriebes auf, tritt in das Zimmer, und das auslaufende Gehwerk stockt mit ihr an einer Wand, woran sie mit dem Crayon ein verstecktes Fach bezeichnet, in welchem ein Taschenperspektiv und der wächserne Abdruck eines Sargschlüssels liegen. Das Okularglas des Perspektivs ordnet durch einoptische Anamorphose den Wirrwarr alternder Linien auf dem heute empfangenen Medallion der Schwester zu einer holden jungen Gestalt, und das Objektivglas gibt dem unreifen Bilde der Mutter die Merkmale des längern reifern Lebens zurück. – Dann drücket er den Ringfinger, und sogleich fängt die stumme kalte Figur mit dem Crayon in das Souvenir zu schreiben an und bezeichnet ihm mit einigen Worten den Ort des Sarges, von dessen Schlüssel er den wächsernen Abdruck hat. Im Sarge liegt eine schwarze Marmorstufe, in Gestalt einer schwarzen Bibel; und wenn er sie zerschlagen hat, trifft er einen Kern darin, aus dem der Christbaum seines ganzen Lebens wachsen soll. – Ist die Stufe nicht im Sarge, so gibt er dem letzten Ringe des Ohrfingers einen Druckwas aber dann dieses hölzerne Guerikes-Wettermännchen seines Schicksals beginne, wusste der Ritter selber nicht vorauszusagen. –

Ich bin völlig der Meinung, dass man