Damen?
SIE Nichts. – So wenig als ich. Die meisten wissen gar nicht, dass sie da sind.
ER Gehen sie denn nicht aus?
SIE Das habe ich auch einmal gefragt, und da antwortete mir die alte Magd: Zuweilen gingen sie in die Gärten, und dann und wann gingen sie in das Kreuzkapellchen, das dort auf dem Berge steht, ihrer Andacht wegen. – Bei der Sache muss es ein Geheimnis geben. Wer weiss, was sie angerichtet haben, dass sie so verschelmt sich verbergen müssen. Entweder sie haben gemordet oder gestohlen.
ER Wenn sie schön sind, Herzen vielleicht.
SIE 's ist auch ein Diebstahl!
ER Auf diese Art ist Frau Marta wohl auch eine Diebin?
SIE Ich? – Ach lieber, heiliger Gervasio! Das müsste ich sonderbar genug angefangen haben. – Mein seliger Mann nahm mich des bisschen Geldes wegen, das ich zur Aussteuer bekam. Ich habe aber in meinem Leben nichts von Herzensstehlereien gewusst. – Jetzt ist's nun ganz vorbei. drei Kinder und meine Arbeit! Da denkt man nicht an solche Dinge! Rinaldo hatte nun seine Gedanken beständig darauf gerichtet, die Damen zu sehen. Er bemühte sich deshalb so sehr, als man sich in einer solchen Angelegenheit nur bemühen kann; aber vergebens. Die Nachbarn wollte er auf so etwas nicht aufmerksam machen, und berichten konnten sie ihm ohnehin nicht. Er bat also einmal Frau Marten, ihn die Milch in die Villa tragen zu lassen, was diese ihm herzlich gern erlaubte und glaubte, bei diesem Geschäft etwas Näheres von der Existenz der Damen erfahren zu können. – Er trug die Milch in die Villa und liess sich mit der alten Magd, die sie ihm abnahm, in ein Gespräch ein.
ER Meine Nachbarin, Frau Marta, ist nicht wohl und hat mich ersucht, die Milch hierher zu tragen. Ich weiss nicht, wer sie braucht oder bekommt.
SIE Ich nehme sie dir ab, mein Sohn!
ER Aber Ihr verbraucht sie nicht allein? – Ihr habt wohl Kinder?
SIE Gott bewahre! Was denkst du? Ich bin noch ledig und habe nie Kinder gehabt.
ER So ist die Milch wohl für eure herrschaft.
SIE Ja, so für eine Art von herrschaft ist sie. Das weiss ja Frau Marta schon längst.
ER Ich habe mein Abendbrot zu mir gesteckt. Ihr erlaubt mir doch, es hier zu verzehren?
SIE Meinetwegen! – So etwas zu erlauben, ist mir nicht verboten.
ER Ich habe heute schon viel gearbeitet, bin müde und matt und will da ein Schlückchen Syrakuser zu mir nehmen.
SIE Syrakuser? Ei! Wo hast du denn den herbekommen?
ER Gekauft habe ich ihn von den Fischern aus Sizilien.
SIE Er ist wohl teuer?
ER Es geht noch an! Aber er schmeckt herrlich.
SIE Das glaube ich. – Unsereiner darf auf so etwas nicht rechnen. – Die Damen, die ich bediene, trinken nichts als wasser und Schokolade.
ER So? – Ist ein Schlückchen Syrakuser gefällig?
SIE Je nun, wenn ich so frei sein darf!
ER Warum nicht? Ich biete nichts an, was ich nicht gern gebe. – Getrunken!
Das tat die Alte; und sie hatte kaum das Glas geleert, als stark geschellt wurde. Sie sagte, das gelte ihr, lief fort und versprach, bald wiederzukommen. – Das geschah auch. Sie stürzte ängstlich die Treppe herab und schrie:
"Ach! Heilige Jungfrau! Der einen von den Damen ist eine Ohnmacht zugestossen. Was fangen wir nun an? Sie liegt ganz leblos da."
Rinaldo besann sich nicht lange, sprang die Treppe hinauf durch einen Saal und kam in ein Zimmer, wo sich die Damen befanden. – Die eine kniete vor der andern, die aus einer Ohnmacht wieder zu sich zu kommen schien. Unbemerkt blieb Rinaldo an der Tür des Zimmers stehen.
Die kniende Dame stand eben auf, erblickte Rinaldo, fuhr heftig zusammen, fragte: "Was willst du hier?"
Rinaldo trat näher und stand, – wer schildert sein Erstaunen? – vor Violanten und Dianoren. Noch erkannte ihn Violanta nicht ganz in seiner Verkleidung, und Dianora kam eben wieder zu sich. Sie bemerkte den Fremden im Zimmer und fragte, wer er sei? – Rinaldo stand sprachlos und seine Blicke ruhten auf Dianoren. – Violanta sah ihn aufmerksam an und stammelte ängstlich:
"Freund! Wer du auch sein, durch welchen Zufall du auch hierher gekommen sein magst, um deines Gesichts willen! verlass uns eilig."
"Für keinen Preis!" – antwortete Rinaldo.
Violanta betrachtete ihn genauer und rief erschrokken aus:
"Er ist es!"
"Er ist es!" – wiederholte Dianora, sank zurück und verbarg ihre Augen ins Schnupftuch.
"O Dianora", stammelte Rinaldo – "soll der Zufall, der mich hierher führte, nicht für mich entscheiden? Willst du deine Blicke von mir wenden, von mir, den das Schicksal so wunderbar auf dieses Eiland führte, um dich zu finden? Sei nicht grausamer gegen mich als Schicksal und Zufall es sind!"
Es entstand eine Pause. – Endlich entüllte Dianora ihre Augen, fragte:
"Unglücklicher, wo kommst du her? Ist es nicht genug, dass dein Bild mich allentalben hin verfolgt, musst du auch noch selbst kommen?"
"Der Zufall will es so", – antwortete