Stadt links liegen, blieben ein paar Tage auf einer Villa, die, wie es schien, einem Bekannten der Gesellschaft gehörte, und reisten dann auf die Flächen von Marsala zu.
Hier quartierten sie sich wieder in eine Villa ein, und von hier aus machte Astolfo eine Tagesreise allein. – Als er zurückkam, sagte er:
"Auf dieser Villa kannst du sicher und ruhig leben, bis wir dich zum Einschiffen abrufen. Wird dir die Zeit lang, so gehe zuweilen in die Gebirge von Sambuca, dort ist das Hauptlager unserer Leute. – Ich reise jetzt zu dem Alten und hoffe, dich bald wiederzusehen."
Astolfo reiste ab. In der Villa fand Rinaldo alles zu seiner Bequemlichkeit eingerichtet. Ein Gärtner und seine Tochter waren seine Hausgenossen und bedienten ihn. Etliche Diener von der Gesellschaft gingen ab und zu.
Die Tochter des Gärtners, Serena, ein gutes Naturmädchen, war seine Gesellschafterin und die Gefährtin auf seinen einsamen Spaziergängen. In ihr sah er eine zweite Rosalie und gewöhnte sich nach und nach so sehr an ihre Gesellschaft, dass er sich nicht mehr von ihr trennen konnte. Sie unterhielt ihn mit kleinen Erzählungen von Geistern, Nixen und Rittern und sang ihre und seine Romanzen, die er für sie dichtete, ihm vor.
In diesem einfachen Unterhaltungskreise verfloss ihm ein Tag nach dem andern so unbemerkt, dass er schon drei Wochen auf der Villa war, als er kaum glaubte, dahin gekommen zu sein.
Einst sass er mit Serenen in einer Gartenlaube und machte gegen sie die Bemerkung, dass er glaube, seit ein paar Tagen sie nicht so heiter wie gewöhnlich zu sehen.
SIE Das kann sein! Ich bin wirklich auch nicht mehr so heiter wie sonst. Daran ist mein Vater schuld. – Der sagte mir neulich, Ihr könntet nun nicht lange mehr hierbleiben, Ihr würdet fortreisen und nicht wieder zu uns kommen.
ER Und das könnte dich missmutig machen?
SIE Warum sollte es nicht? Ich habe mich nun an Euch gewöhnt. Man sollte sich in der Welt gar nicht kennenlernen, wenn man sich wieder trennen muss. Nach meinem Sinn müsste alles hübsch beisammenbleiben, was sich einmal kennt und sich gut ist.
ER Du bist mir also gut?
SIE Ich dächte, das hättet Ihr längst schon gemerkt.
ER Aber ob ich dir gut bin?
SIE Ich glaube es, weil Ihr mich immer um Euch haben mögt. Wenn man einem Menschen nicht gut ist, wird einem das zur Last. Aber bei Euch ist das nicht der Fall, denn wenn ich nur einmal ein paar Stunden nicht bei Euch bin, gleich ruft Ihr: Serena, wo bist du denn? – Und ich höre Euch mich gern rufen. Ich habe es schon einigemal darauf angelegt, von Euch gerufen zu werden. Das habt Ihr nicht bemerkt, aber es ist wahrhaftig wahr!
ER Was kann es dir aber helfen, wenn ich dir auch wirklich gut bin?
SIE Ei! das hilft mir gar viel. Es macht mich fröhlich und froh, munter und leicht.
ER Da ich aber nicht hierbleiben kann –
SIE Das ist freilich schlimm! – Wo geht Ihr denn hin?
ER Fort aus dieser Insel in ein anderes Land.
SIE Ist's dort auch so schön wie hier? – Ist dort auch eine Serena, die Euch gut ist?
ER Vielleicht finde ich eine.
SIE Wenn Ihr sie erst suchen müsst, warum bleibt Ihr nicht lieber hier, wo Ihr sie schon gefunden habt?
ER Ich habe Verhältnisse, Geschäfte –
SIE Das ist mir gar nicht lieb! – Wenn Ihr fortgeht, werde ich sehr traurig sein.
ER Du wirst auch wieder heiter werden. Das gibt sich alles.
SIE Nein! das gibt sich nicht. Es ist besser, es bleibt so, wie es ist.
ER Es lässt sich nicht tun.
SIE Das ist sehr ärgerlich! – Ihr kommt also auch nicht wieder?
ER Schwerlich!
SIE Wenn's auch ein Jahr währt, ich will's überstehen. kommt nur wieder!
ER Gutes Mädchen! du weisst nicht –
SIE Ich weiss freilich nicht viel, aber ich kann vielleicht noch manches lernen; besonders, wenn Ihr mein Lehrer sein wollt. Ach! was lernte ich nicht gern von Euch!
ER Lerne mich vergessen, wenn ich fort bin.
SIE Das wird schwerlich gehen. – Nein! 's geht nicht, das weiss ich schon. Ihr kennt ja das Lied von dem schönen Fischermädchen und dem verliebten Grafen. Ich habe es Euch schon oft vorgesungen, darin heisst es:
Was ich liebe zu vergessen,
Nein, ach nein, das kann ich nicht.
Alles könnt' ich wohl versprechen;
Aber nur Vergessen nicht!
Was man liebt zu vergessen,
Nein, ach nein! das kann man nicht!
ER Liebst du mich denn?
SIE Ei! jawohl!
ER Das ist nicht gut!
SIE Wie sollte es besser sein? Und wer kann es mir wehren, wenn ich Euch liebe?
ER Was kannst du von deiner Liebe hoffen?
SIE Von Euch widergeliebt zu werden. Wisst Ihr nicht, wie es in dem lied von dem gefangenen Ritter heisst?
Hoffnung ist der liebe Schwester
Und verlässt im Tod sie nicht,
Schlingt die schönen Banden fester,
Die die Freude um uns flicht.
Hoffnung gibt der Liebe Leben,
Mut und Kraft, wenn Leiden droh'n.
Ach! was kann sie bess'res