" – sagte er, – "wir müssen uns schon irgendwo einmal gesehen haben."
RINALDO Das ist leicht möglich!
MALTESER Seid Ihr eben der, der sich Donatos Freund nannte und diesen Morgen mit einem Mädchen sprach, das Aurelia heisst?
RINALDO Der bin ich.
MALTESER Darf ich um Euren Namen bitten?
RINALDO Ihr sollt ihn erfahren, wenn Ihr mir zuvor den Eurigen sagt.
MALTESER Mein Name ist weder ein Geheimnis noch eine verdächtige Sache. – Ich bin der Prinz della Roccella.
Ein paar von Rinaldos Leuten brachten jetzt eben die Ziegen, das Federvieh und den Wein, die Paolo dem Klausner gleichsam als Sühngeld geben musste. Rinaldo überlieferte alles, was gebracht war, dem Bauernburschen und sagte:
"Es gehört dieses meinem Freunde Donato. Er weiss schon davon. Du kannst ihm hernach sagen, dass alles angekommen ist."
Hierauf wandte er sich wieder zu dem Prinzen, der seine Antwort und seinen Namen erwartete.
RINALDO Da Ihr von dem Meierhofe kommt, auf welchem Aurelia lebt, so sagt mir: Ist sie noch dort?
PRINZ Ich weiss nicht, wie –
RINALDO Wie ich auf diese Frage komme, da Ihr meinen Namen zu hören erwartet?
PRINZ In der Tat! das wollte ich sagen.
RINALDO Wenn es möglich ist, schenkt mir meinen Namen. –
PRINZ Sah ich euch nicht unter dem Namen Marchese Pepoli, vor einem halben Jahr ungefähr, in Florenz. – Wir sprachen uns auf dem Deutschen haus und Ihr wurdet sehr warm, als man von dem berüchtigten Rinaldini eine geschichte erzählte, die sehr zu seinem Vorteile gereichte.
Einer von Rinaldos Leuten winkte ihm sehr bedeutend. Er verstand das Zeichen, näherte sich dem Prinzen ganz vertraulich und sagte: "Nun dann! so wisst es: Ich bin Rinaldini selbst"; und eilte davon. Rinaldo fragte seine Gesellen, was es gäbe, und erhielt zur Antwort: Cintio finde Bedenken, sich dem Pappeltale bei Oriolo zu nähern, weil sich dort eine Karawane von Reisenden gelagert habe.
Darauf eilte Rinaldo zu Cintio und fand ihn und sein Kommando in dem Buschwerk eines lustigen Hügels. Er erfuhr von ihm selbst, was er jetzt gehört hatte. – Nach einigem Nachdenken erteilte er ihm folgende Order:
"Wende dich mit unseren Leuten rechts, teile dich nach der Landstrasse zu und lass den Weg von Oriolo nach dem Nonnenkloster St. Benedetto nicht aus dem Gesicht. Stösst euch dort etwa ein Wagen auf, in welchem sich ein junges, schönes Mädchen befindet: so wird der Wagen angehalten und das Mädchen für mich geraubt. Mit einbrechender Nacht finden wir uns hier auf diesem platz wieder."
Hierauf überzog er sein Gesicht mit einer braunen Farbe, kleidete sich als Jäger an, nahm einen von seinen Gesellen, Severo genannt, auch als Jäger gekleidet, und, wie er, mit einem Doppelrohr, einigen versteckten Terzerolen und einem Hirschfänger bewaffnet, mit sich und ging mit ihm, in Begleitung seiner Doggen, auf das Pappeltal zu.
Als sie auf die Anhöhe kamen, sahen sie in das Tal hinab und erblickten dort ein Gezelt aufgeschlagen, um welches herum Maultiere grasten und einige Menschen hin und her gingen, die ein Feuer angemacht hatten, bei welchem sie ihre Mahlzeit für den Abend zuzubereiten schienen.
Sie lauerten einige Zeit und wurden dann ein paar Damen in dem Gezelte gewahr. – Ein wenig entfernt von dem Gezelte lag abgeladenes Gepäck umher, und Maultiertreiber lagen bei demselben.
Ungefähr vierzig Schritte von dem Lagerplatze rieselte eine Quelle von der Anhöhe hinab in das lustige Tal. Hierher kam mit einem leeren Topfe, wasser zu schöpfen, ein flinker Bube, der zu der Gesellschaft gehörte. Diesem machte sich Rinaldo sichtbar. Der Bube erschrak und wollte fliehen, Rinaldo aber rief ihm zu:
"Bleib, Bube! – Gehörst du zu jener Gesellschaft?"
"Ja! Zu der Gesellschaft gehöre ich"; – stammelte derselbe.
"Wer sind die Damen unter dem Gezelte?"
"Meine gnädige Frau, die Marchese Altanare und ihre Schwester. – Wir kommen von St. Leo und gedenken nach Florenz zu gehen."
Rinaldo winkte seinem gefährten. Dieser folgte ihm, und beide gingen auf das Gezelt zu. – Die Leute der Marchese grüssten sie und gafften sie an. Der Stallmeister der Marchese trat ihnen aus dem Gezelt entgegen, indes die Damen am Eingange lauschten, und redete sie an:
"Wohin aus, liebe Freunde?"
Rinaldo nahm das Wort:
"Ich bin der Förster aus Sarsina, und bin mit meinem Burschen auf dem Heimwege. Da sah ich eure Gesellschaft und dachte, du musst doch sehen, wer die Herrschaften sind. – Zugleich komme ich auch, Euch einen kleinen Wink zu geben. Seid wachsam und vorsichtig! Rinaldinis Bande haust in diesen Gebirgen."
"Ach Gott!" – rief die eine von den Damen aus, – "das macht mich sehr ängstlich."
"Warum das?" – sagte der Stallmeister. – "Wir sind unserer ja genug, um Gewalt mit Gewalt zu vertreiben."
"Hm!" – lächelte Rinaldo, – "das würde euch wenig helfen: denn Rinaldinis Leute haben, so zu reden, den Teufel im leib."
DIE DAME Aber mein Gott! warum lässt man denn diese Räuber hier so ruhig und ungestört ihr Wesen treiben?
RINALDO Weil man sie fürchtet.
STALLMEISTER Wie stark mag wohl die Bande sein?
RINALDO Wer will das wissen