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bezeichneten drei Zimmer ein, bedienst ihn und leistest ihm Gesellschaft, wenn er es haben will; wo nicht, so bleibst du für dich. Deine Frau wäscht und kocht für den Herrn Baron, und übrigens erwartest du weitere Befehle.

RINALDO Und den Namen des Besitzers dieses Schlosses erfahre ich nicht?

CASTELLAN Von mir nicht.

RINALDO Ich bin also doch wohl eine Art von Staatsgefangener?

CASTELLAN Das kann sein. Ich weiss es nicht, warum und weswegen Ihr hierher gebracht worden seid.

Rinaldo schwieg und liess sich seine Zimmer anweisen, die sehr artig möbliert waren. Er fand Schreibzeug, Papier, Bücher, ja sogar eine Guitarre. Ein Beweis, dass die, die ihn hierher hatten bringen lassen, ihn und seine Bedürfnisse kannten.

Die Aussicht aus seinen Zimmern ins Freie war romantisch schön. Er trat an ein Fenster, sie zu geniessen, und ein Fernrohr gewährte ihm dieses Entzücken doppelt.

Er sah hinab, sah das Wirtshaus, wo er noch kurz zuvor eingekehrt war, und erblickte seine gefährten, Jordano und Lodovico, die sehr verlegen allentalben umherblickten und sich vermutlich das Verschwinden ihres Herrn nicht erklären konnten. Er rief und winkte. Seine stimme verhallte in den Felsen, sein Winken wurde nicht bemerkt. Er beschrieb ein Papier und vertraute es der Luft an. Es irrte kreisend umher und blieb nahe vor dem schloss in einem Dornstrauche hängen.

Noch sann er nach, wie er sich seinen Gesellen bemerkbar machen wollte, als er einige Reiter auf das Wirtshaus zusprengen sah. – Lodovico und Jordano wurden von den Reitern umzingelt, es fielen Schüsse, Säbel blitzten, und bald waren die Reiter und Rinaldos gefährten verschwunden. Links wölkte sich der Staub in die Luft. Die Gegend wurde menschenleer und öde.

Die scheidende Sonne traf Rinaldo noch nachdenkend am Fenster an, und dort sahen ihn der Mond und die nächtlichen Sterne. drei Tage waren vergangen, als den vierten Tag, abends, da Rinaldo eben in tiefen Gedanken auf seinem Ruhebette sass, die Tür seines Zimmers aufging und eine verschleierte weibliche Gestalt ganz unvermutet erschien. Sie blieb bei der Tür stehen. Rinaldo, der sie einige Augenblicke schweigend betrachtet hatte, fragte: "Wer ist da?" Die Verschleierte kam näher, trat dicht an Rinaldos Lager und streckte schweigend ihre Hand aus. ER Bekannt oder unbekannt? SIE Rate, wer ich bin? ER Du bist Olimpia. – Wie kommst du hierher zu mir? SIE Auf eben dem Wege, auf welchem du hierher kamst. ER Du kennst also die Schlupfwinkel dieses Schlosses? SIE Noch nicht. Ich bin jetzt zum erstenmal hier. ER Hast du von dem Stattalter abkommen können? SIE Wie du siehst. ER Er wird doch nicht argwöhnisch sein? SIE Eine gute Haut! ER Desto besser für dich. SIE Und für dich. Er ist der Unsrigen einer. ER Das heisst doch: er ist auch eine Maschine des Alten zu Fronteja?

Olimpia rückte einen Stuhl herbei und setzte sich.

Lächelnd fragte Rinaldo: "Warum bin ich hier?"

SIE Zu deiner Sicherheit.

ER Wer liess mich überfallen und hierher bringen?

SIE Dein Freund. Der Alte.

ER Wem gehört dieses Schloss?

SIE Einem unsrer Freunde. – Wärst du nicht hier, du sässest jetzt im Kerker. Die Schwarzen sind mächtiger als du glaubst.

ER Wie? Und die Schwarzen gehörten nicht auch zu den Eurigen?

SIE Ich weiss nichts davon. – Wie könnten sie auch dann deine Feinde sein?

ER Wer sind sie, diese imponierenden Strauchdiebe?

SIE Das, was du gesagt hast. Aber sie sind durch geheime Verbindungen mächtig.

ER Sind sie mächtiger als der Alte und seine Ergebenen?

SIE Das wohl nicht, aber sie sind dennoch sehr mächtig. Indessen, dein Brief an den Stattalter hat ihnen einen starken Schlag versetzt. Der Brief ist jetzt in den Händen der Regierung, die ohnehin schon auf diese Menschen aufmerksam gemacht worden ist, und nur noch etwas, und ihr Untergang ist da. – Doch, das wirst du hören. Jetzt meine Botschaft, die ich an dich habe. – Man fragt dich, ob du entschlossen bist, nach Korsika zu gehen? Wir wollen deinen Entschluss von deinem freien Willen haben. – Du bist frei. Der Alte überlässt dich deinem freien Willen. Auch wenn du nicht nach Korsika gehen willst, kannst du dieses Schloss verlassen; sobald du willst, kannst du gehen, wohin es dir beliebt.

ER Ich nehme euch beim Worte.

SIE Du willst also nicht nach Korsika gehen?

ER Sobald ich den Alten von Fronteja gesprochen habe, werde ich mich bestimmter erklären.

SIE Gegen mich nicht? – Gute Nacht!

Sie stand auf, ging nach der Tür, blieb stehen und schien etwas zu erwarten. Rinaldo wünschte ihr, wohl zu ruhen. – Sie ging zurück, ergriff seine Hand. Schweigend zog sie Rinaldo zurück. Sie blieb stehen.

SIE Ich habe dir noch etwas zu sagen.

ER Ist es etwas Unangenehmes?

SIE Noch mehr als das.

ER Nun! was es auch sei, darf und muss ich es wissen, so sage es.

SIE Deine geliebte Rosalie ist krank.

Er seufzte und schwieg. – Olimpia erwartete vergebens eine Antwort und ging endlich wieder nach der Tür zu. Hier blieb sie stehen.

SIE Hast du nichts an Rosalien zu bestellen?

ER Tausend Grüsse und meine innigsten Wünsche für ihre Besserung.

SIE Aber, wenn sieRinaldo