das äusserste zu verteidigen. Aber es erschienen keine Gegner. Sie wurden nicht angegriffen.
Bald darauf kam der Wagen an, und, nach und nach, laufend die andern Gesellen. Sie zogen sich tiefer in die Gebirge und erreichten ein kleines Tal, als eben der Morgen anbrach. Hier wurde haltgemacht. Maultiere und Pferde wurden der Weide des Tals überlassen und Rinaldo musterte seine Leute. Ausser den beiden, bei der Gegenwehr der Schwarzen gefallenen, fehlte kein Mann.
Hierauf liess Rinaldo den Sarg aus dem Wagen heben. Er war ausserordentlich schwer und fest vernagelt. Man zerschlug den Deckel und fand wohleingepackt eine Menge goldene und silberne Gefässe aller Art. Sie packten aus: Leuchter, Schüsseln, Teller, Kannen, Becher und Schmuck; auch lagen in zwei Kästchen einige Ringe, Uhren und sechs Rollen, jede mit 1000 Dukaten gefüllt.
"Ah! siehe da!" – sagte Rinaldo, – "Nun kennen wir doch wohl die schwarzen Herren? Sie treiben unter einem gar sonderbaren Scheine unser Handwerk selbst. Daher ihre Erbitterung. Brotneid ist es, der sie gegen uns aufbringt? – Gut, dass sie gesammelt haben! Wir wollen uns, wie frohe Erben, in den Nachlass alter Wucherer teilen. Seht, sie haben zusammengescharrt, um uns frohe Tage zu machen!"
Hierauf schritt er ohne Aufentalt zur Teilung. Er selbst behielt nur ein Pferd und zwei Rollen mit Dukaten ausschliesslich für sich.
Da es ihm sehr wahrscheinlich war, dass er aufgesucht werden würde, teilte er seine Rotte und schrieb seinen Gesellen rechts und links Wege vor, welche sie einschlagen sollten, um sich nach und nach dem platz zu nähern, wo, wie er meinte, Luigino stand, wohin er kommen wollte.
Als nun alles angeordnet und verabredet war, setzte er sich zu Pferde. Eben das taten Lodovico und Jordano als seine Begleiter. Alle drei schlugen die Heerstrasse nach Nisetto zu ein. Sie hatten kaum das Tal im rücken, als ihnen ein Bewaffneter begegnete, der ihnen ohne Anstand in den Weg trat und, ohne ein Wort zu sprechen, Rinaldo einen Brief überreichte. Rinaldo sah ihn misstrauisch an und gab seinen Begleitern einen Wink, den diese verstanden, von den Pferden sprangen und den Kerl in die Mitte nahmen. Dieser blieb, ohne sich zu regen und ohne anscheinliche Furcht, auf dem platz, wo er stand. Rinaldo öffnete den Brief und las:
"Tapferer Rinaldini!
Deine Standhaftigkeit und dein Mut flössten uns Bewunderung ein. Du hast uns überwunden und aus Feinden zu deinen Freunden gemacht. Noch mehr, wir bieten dir hiermit feierlich die Hand zu einer Vereinigung, die du nicht ausschlagen wirst, da sie dir Männer bietet, die furchtbar genug sind, sich allentalben Ehrfurcht zu verschaffen. Des Joches einer tyrannischen Regierung müde, sind wir entschlossen, selbst zu herrschen.1 Dies wird dir genug sein. Du, der du verdientest, an der Spitze eines Kriegsheeres zu stehen, wirst den Platz einnehmen, der dir bestimmt ist. Wir fragen dich: Wo willst du dich finden lassen, damit wir dir mündlich mehr sagen können? Dem Überbringer dieses Briefes kannst du ohne Bedenken deine Antwort anvertrauen. Wir erwarten sie so, wie wir sie wünschen.
Deine Freunde, die schwarzen
Richter im Verborgenen."
Rinaldo riss ein Blatt Papier aus seiner Schreibtafel, nahm Bleistift und schrieb:
"Rinaldini mag euch nicht besser kennenlernen, als er euch schon kennt. Er ist kein Rebell gegen den König und verachtet eure Anerbietungen. Er weiss euch zu verfolgen und mag sich nie von euch Freund nennen lassen."
Er faltete das Billet und übergab es stillschweigend dem Boten, der es ebenso annahm und, ohne ein Wort zu sprechen, davonging.
Als er fort war, teilte Rinaldo seinen Begleitern den Inhalt des Briefes mit, die sich höchlich darob verwunderten.
Sie waren noch über diese Sache im Gespräch begriffen, als sie eine Kutsche kommen sahen, in der, als sie näherkam, Rinaldo zu seinem grossen Erstaunen Olimpien gewahr wurde, die an der Seite eines Unbekannten sass, der, wie sein starkes und wohlgekleidetes Gefolge vermuten liess, ein Mann von Ansehen und stand war. – Sie entfärbte sich, als sie Rinaldo erblickte, sichtbar, gab aber kein Zeichen einer Bekanntschaft von sich und nickte, als sie gegrüsst wurde, sehr vornehm, ganz ohne Bezug, mit dem kopf. – Rinaldo hielt einen Diener an, der einige Schritte hinter dem Wagen herritt, und fragte: "Wer ist der Herr in dem Wagen?"
"Der Stattalter von Nisetto", war die Antwort.
Lodovico sah Rinaldo an und sagte ganz lakonisch:
"Nicht wahr! wir wollen diese Dame nicht kennen?"
"natürlich!" – lachte Rinaldo heraus, – "sonst hätten wir uns ja anders benommen."
"Jetzt wird sie der Herr Stattalter kennenlernen sollen" – fuhr Lodovico fort. – "Das muss ich sagen, die Signora kommt doch unter macherlei hände. Wenn sie nur nicht auch etwa einmal die Schwarzen in die Klauen bekommen und ihr, weil sie uns kennt, eine Busse auflegen, wie die war, die mir aufgelegt wurde. Mir haben sie den Kalender auf den Leib geprägt, das kann ich wohl sagen."
Jordano bemerkte, es erhebe sich vor ihnen eine Staubwolke, die von Reiterei herzukommen scheine. So war es auch. Die Staubwolke kam näher, und die Reiter kamen zum Vorschein. –