er da, morgen dort, und seine Bande umschwärmt ihn allentalben. Er ist mit einem Worte: ein Himmeltausend elementischer Kerl!
Jetzt wurde Lodovico auf der Anhöhe die bewusste Kapelle der Schwarzen gewahr. Ein kalter Schauer lief ihm durch alle Glieder. Er seufzte tief auf und gab seinem Herrn einen bedeutenden Wink. Dieser blickte hinauf, sah die Kapelle und verstand ihn sogleich.
Achtes Buch
Schweigend zwischen Traum und Hoffen
Näherst du dich nie dem Ziel;
Von des Glückes Wankelmut betroffen,
Spielst du zaghaft auch des beste Spiel.
"Die Kapelle dort oben", – sagte Rinaldo, – "scheint ein altes Werk zu sein."
"O ja!" – antwortete der Maultiertreiber. – "Es wird sich aber wohl keine Seele die Mühe nehmen, sie zu besuchen, denn sie ist alt und baufällig und ohne Bild und Altar. Raben und Eulen werden sie vermutlich bewohnen, wenn sie zuweilen nicht gar eine Herberge für den Signor Rinaldini und seine Nachtvögel abgibt."
Rinaldo merkte, dass von seinen gefährten keine Nachricht, wie er sie zu haben wünschte, einzuziehen sein würde, und schwieg. Sie kamen endlich nach Saldona. Rinaldo bezahlte Lodovicos Ritt reichlich und liess sich zu einem Juden bringen, wo er seinen Gesellen neu kleidete. Dann wurden Salben, wasser und Pflaster in der Apoteke gekauft, Proviant wurde nicht vergessen und eine Chaise gemietet. In dieser rollten sie nach gehaltener Siesta auf der Heerstrasse weiter fort. Unterwegs untersuchte Rinaldo seine Büchse und fand sie ungeladen. Dies erklärte ihm ganz natürlich das wunderbare Versagen derselben gegen den den Schwarzen.
"Man hat mir" – sprach er bei sich selbst, – "im schloss den Schuss aus meinem Rohre gezogen, um mich ungestraft misshandeln zu können. – Wie? wenn Violanta, einverstanden mit der schwarzen Gesellschaft, zu irgendeinem Endzwecke lebte, der vielleicht Bezug auf die Gräfin hätte? Sollte es nicht daher kommen, dass Lodovico so misshandelt wurde, weil er den Aufentalt der Gräfin zu erkundschaften suchte? – Die Bilder im schloss, auf welchen sich die schwarze Figur befand; – Das Skelett in dem Schranke und jene Skelette, die Lodovico bei den schwarzen Richtern sah! – Hm! das alles könnte zu mancherlei Vermutungen führen. Wie? Wenn Dianora von einer gegen sie und ihr Vermögen verschworenen Bande selbst misshandelt würde? – – O! dass ich jetzt nur an der Spitze von zwanzig der Meinigen stünde! ich wollte alle diese Rätsel gewiss lösen."
Vor Merona stiegen Rinaldo und Lodovico aus der Chaise, schickten den Fuhrmann zurück und schlugen einen Seitenweg ein. – Hier kamen ihnen ein paar Männer mit einigen Maultieren entgegen, in denen Lodovico bald alte Bekannte erkannte. Es waren Luzo und Jordano, zwei handfeste Gesellen von Luiginos Bande.
Die gegenseitige Freude, sich zu finden, war sehr gross, und es kam bald zur Unterhaltung, die Rinaldo eröffnete.
RINALDO Wo ist Luigino?
JORDANO Soviel wir wissen, hat er sein Corps geteilt, halb steht es unter seinen und halb unter Amalatos Befehlen. Bei diesem waren wir. Vor sechs Tagen wurde unser Corps alarmiert, und wir, unserer zwölf, wurden von demselben abgeschnitten. Wir haben uns noch nicht wieder zum Ganzen finden können und treiben indes in der Nähe unser Wesen, so gut es gehen will, für uns.
RINALDO Habt ihr sichere Plätze?
LUZO O ja! – Wir stecken in Felsen und Forsten bis über die Ohren.
RINALDO Ich gehe mit euch.
JORDANO Wetter! das gibt uns Ehre und Glück.
Die Maultiere wurden bestiegen und Rinaldo kam bei dem Häuflein an, welches sich nun dreifach so stark fühlte, als es wirklich war, da der gefürchtete Räuberhauptmann an seiner Spitze stand.
RINALDO machte gleich Anordnungen, sendete Einige aus, teils zu werben, teils alte Kameraden herbeizuziehen und machte allen kund, dass er gesonnen sei, einen Hauptstreich auszuführen. Das machte die Burschen stolz und froh, und das Viva Rinaldini tönte in allen Klüften wieder.
Den vierten Tag brachte man schon zwei alte Gesellen aus Luiginos Haufen, die versprengt umherstrichen und sehr froh waren, wieder Gesellschaft zu finden. Auch wurden drei neue Mitglieder hinter den Zäunen aufgerafft, aufgenommen und beeidigt, und so sah Rinaldo, mit sich selbst, seinen Haufen schon neunzehn Köpfe stark. – Mit diesen schwenkte er sich rechts und brach über Saldona in die Bergkette ein, auf deren linken Seite die verrufene Kapelle stand. Rinaldo schlug in einem unwirtbaren Tale, zwischen Felsen, sein Lager auf und erhielt Proben von der Geschicklichkeit seiner Leute; sie schleppten reichlich von allen Seiten herbei. Es fehlte weder am Gelde noch an Proviant. – Man brachte auch noch ein paar Landstreicher ein, die sich mit grossem Vergnügen zu der neu etablierten Gesellschaft begaben.
Nachdem alle gehörig mit Munition versehen waren und Lodovico wieder auf den Beinen sein konnte, brach Rinaldo mit seinem Schwarme auf, besetzte den Pass und kam in der Mitternachtsstunde bei der berüchtigten Kapelle an. Sie war verschlossen. Die Tür wurde eingeschlagen. Das Innere der Kapelle wurde mit fackeln durchsucht. Man fand Gewölbe und Keller, aber alle waren öde und leer.
Jetzt wurde wahr, was der Maultiertreiber glaubte: Rinaldo nahm Quartier in der Kapelle.
Den folgenden Abend zog er ins Tal hinab, und als die Nacht einbrach, marschierte er auf das Schloss der Gräfin Martagno los. Da er alle Ausgänge wohlbesetzt hatte, wollte er sich mit Lodovico und Jordano in das Schloss selbst begeben