dumpfen Schall, und Rinaldo merkte, dass er auf einen Panzer gestossen hatte; er stiess zum zweitenmal und durchbohrte des Verkappten linken Arm. laut aufbrüllend riss sich dieser mit Riesenkräften los, schleuderte Rinaldo so kräftig zurück, dass er zu Boden taumelte, und entfloh mit schnellen Schritten.
"Mord und Wetter!" – jammerte Lodovico, – "wie wird es uns ergehen, wenn der Unhold seine Gesellen herbeiruft. Sie schlagen uns bei Gott! die Knochen zu Brei."
Indem vernahmen sie das Geklingel von Maultieren und wurden bald zwölf Maultiertreiber gewahr, die mit dreissig ledigen Maultieren die Anhöhe herabkamen, um in Saldona Salz zu holen. Diese redete Rinaldo an und fragte, indem er auf Lodovico zeigte, ob sie diesem Unglücklichen, der von Räubern misshandelt worden sei, nicht vergönnen wollten, Platz auf einem ihrer Maultiere zu nehmen, er wolle für ihn bezahlen.
"Will der Herr bezahlen", – antwortete der Anführer der Maultiertreiber, – "so mag sich der Bursch aufsetzen. Das kann er aber auch tun, wenn der Herr nicht bezahlt, denn wir sind Christen und haben Religion. Das Teufelsgeschmeiss von Rinaldinis Bande macht tausend Unglückliche. Wir haben schon mehreren Ausgeplünderten Beistand geleistet, die oft nakkend und bloss, halbtot auf der Strasse lagen und die Spitzbuben verfluchten."
Lodovico, der sehr froh war, sich in so guter Bedeckung zu sehen, wurde auf ein Maultier gebunden; die Reise ging weiter und Rinaldo setzte sein Gespräch mit den neuen, handfesten Gesellschaftern, die noch obendrein gut bewaffnet waren, fort.
RINALDO Ihr sprecht von Rinaldinis Bande? Ist sie denn nicht ganz aufgerieben?
MAULTIERTREIBER Den Teufel auch! Nichts weniger als das. Was ist das, wenn ein paar Dutzend solcher Gauner totgeschlagen werden? Das ist so viel als nichts. Sie wachsen wie die Schwämme hinter allen büsche hervor.
RINALDO Ist denn Rinaldini nicht schon längst selbst niedergeschossen worden?
MAULTIERTREIBER Ja, prosit! Es heisst wohl immer so, aber es ist nicht wahr. Sie werden ihm auch nichts anhaben.
RINALDO Warum nicht?
MAULTIERTREIBER Hm! – Könnt Ihr das nicht erraten? – Er ist fest. Das ist ganz sicher. Ihm schadet weder Hieb noch Stich. Und einige sagen gar, er könne sich unsichtbar machen. Das will ich nun zwar nicht als gewiss behaupten, aber das ist doch wahr, sie können ihn nicht festalten. Haben sie ihn auch einmal, witsch! ist er wieder fort. Es muss übrigens ein ganzer Kerl sein, der Rinaldini, aber in seiner Haut möchte ich doch nicht stecken. Was hat er davon? Am Ende kommt Herr Urian, spricht: die Zeit ist vorbei, da ist der Kontrakt, marsch, mit mir fort! und dreht ihm den Hals auf den rücken.
RINALDO Sollte er denn ganz und gar Teufels gewesen und ein Pactum –
MAULTIERTREIBER Ja! er hat ein Pactum mit dem Bösen, denn sonst zappelte er schon längst in der Luft. Er ist also doch ein unglücklicher Mensch. Wozu helfen ihm alle Schätze der Welt, wenn seine Seele verlorengeht. Das ist ja doch das teuerste, was der Mensch hat. Weiss er diesen Schatz nicht zu bewahren, so gebe ich ihm für all das andere keine Melone. Redlich gelebt und selig gestorben, das ist das beste. Bei Rinaldini heisst's aber, fröhlich gelebt und traurig gestorben. Das taugt nichts! Er schläft einst auf seinen erstohlenen Geldkisten doch nicht so sanft ein, als ich auf meinen redlich erworbenen Maultierdecken. Das ist ein ganz anderes Lager!
RINALDO Er soll aber, wie man sagt, sehr wohltätig sein.
MAULTIERTREIBER Mitunter. Aber, hole ihn der Teufel mit seiner Wohltätigkeit! Erst stiehlt er's, hernach verschenkt er's. Ich mag nichts von ihm haben. Segne mir Gott mein redlich erworbenes Stückchen Brot. Betrügen oder bestehlen möchte ich keinen Menschen auch nur um eine Bohne.
RINALDO Es ist wahr, er treibt ein elendes Handwerk.
MAULTIERTREIBER Ein Allerweltskammerdiener ist er und kommt ungerufen, wie der Rabe aufs Aas. Er hätte doch wohl etwas Besseres lernen können, denn er soll gar nicht dumm sein. Spitzbubenkniffe muss er genug im kopf haben. Gott behüte und bewahre jeden ehrlichen Christen vor solchen Kenntnissen und Wissenschaften!
RINALDO Er selbst soll nicht stehlen, wie ich gehört habe.
MAULTIERTREIBER Aber er lässt stehlen. Das ist gleich viel. Kurz, es ist kein gutes Haar an ihm; aber ein verzweifelter Kerl ist und bleibt er doch immer. Denn so wie er, hat noch keiner die Justizen genarrt.
RINALDO Wie alt mag er wohl sein?
MAULTIERTREIBER Er soll noch nicht einmal sechsundzwanzig Jahre alt sein, sagen einige. Andere aber wollen wissen, er sei ein Dreissiger. Das ist aber wohl gleichviel! Reif zum Galgen ist er schon längst gewesen. – Sehen möchte ich ihn wohl einmal. Es müsste aber im Guten sein, denn im Bösen mag ich nichts mit ihm zu tun haben.
RINALDO Wo mag er jetzt wohl eigentlich stekken?
MAULTIERTREIBER Wer will das wissen! Er ist, wie Herr Niemand, allentalben. Gar oft spaziert er als Kavalier umher, lebt sogar in Städten, sponsiert unter den vornehmen Damen herum und soll deren ein paar schon weidlich gezogen haben. Kommen sie ihm auf die Spur, so ist er fort und kein Teufel weiss wohin. Er zieht beständig verkleidet im land umher und nimmt allerlei Gestalten an. Heute ist