Er wankte vor dem haus auf und ab, ging ins Zimmer, ging wieder ins Freie, kam wieder zurück und träumte wachend die Mitternacht herbei. – Rasch sprang er endlich auf, nahm das Licht und eilte, er wusste selbst nicht warum, in Olimpiens kammer. Er trat leise ein, sah sie ruhen in den Armen des Jüngers des Alten von Fronteja, – und ging ebenso leise wieder zurück als er eingetreten war.
Der Tag brach an. Die Liebebeglückten waren noch
nicht munter. Rinaldo warf eine Büchse über die Schulter und verliess die wohnung. "Lebt wohl!" – murmelte er und ging mit raschen Schritten davon.
Gegen Mittag erreichte er ein Dorf, ruhte hier ein
wenig und ging weiter.
Schon wurden die Schatten länger, die Sonne ging
unter. Er verdoppelte seine Schritte, ein vor ihm liegendes Schloss zu erreichen. Er erreichte es, klopfte und wurde eingelassen.
"Wer seid Ihr?" – fragte ihn der Pförtner.
"Der Baron Tegnano bin ich und habe mich auf der
Jagd verirrt", war Rinaldos Antwort.
Der Pförtner sah ihn schweigend an, wie einer, der
nicht weiss, was er sagen oder tun soll. – Rinaldo fragte:
"Wem gehört dies Schloss?"
"Der Gräfin Martagno."
"Der Gräfin Martagno?" – fiel Rinaldo hastig ein. – Ist sie hier?
"Nein, sie ist nicht hier", – antwortete der Pförtner gedehnt.
"Wer bewohnt das Schloss?"
"Eine Freundin der Gräfin, Madonna Violanta."
"Madonna Violanta? Ich kenne sie. Sie kennt mich."
Dies gesagt, drängte er den Pförtner zurück, eilte an ihm vorbei in das Schloss, die Treppen hinauf, und traf auf eine Magd. Dieser sagte er, sie möchte den Baron Tegnano bei ihrer herrschaft anmelden.
Das Mädchen ging ihm viel zu langsam, er eilte ihr vor und trat in ein Vorzimmer.
Auf das Geräusch seines Eintritts wurde eine Zimmertür geöffnet, und die uns bekannte Signora Violanta stand vor ihm.
SIE Heilige Jungfrau! Baron Tegnano! – Seid Ihr es wirklich? – Mein Gott! wo kommt Ihr her?
ER Ich suche hier ein Nachtlager.
Violanta sah ihn schweigend an und trat in das Zimmer zurück. Er folgte ihr nach. Sie warf sich auf ein Sofa und stammelte:
"Vergönnt mir, mich zu fassen."
Er blickte im Zimmer umher und sah an der Wand das Bildnis der Gräfin.
"Dianora hier!" – rief er aus. – "Ach! aber nur ihr Bild, nicht sie selbst."
Hastig griff er nach dem Portrait, nahm es von der Wand und küsste es heftig. – Violanta sah ihm schweigend zu. Er, in das Anschauen des geliebten Gegenstandes verloren, bemerkte Violantens Aufmerksamkeit auf sein Betragen nicht. Nach einer langen Pause nahte er sich ihr, ergriff ihre Hand und fragte:
"Wo ist Dianora? Wie lebt sie?"
Violanta seufzte und schwieg. Er fragte dringender:
"Wo ist Dianora; meine geliebte Dianora?"
Violanta seufzte stärker und schlug die Augen nieder.
ER Ist sie tot?
SIE Noch lebt sie.
ER Sie lebt? Sie lebt? und wohl? und glücklich?
SIE Ach! Baron, wie könnt ihr so fragen?
ER Ich verstehe Euch! Mein Unglück ist auch das ihrige. – Und wie könnte es anders sein? – Ihr wisst ja – – Ihr kennt mich doch?
SIE Gesehen habe ich Euch ja oft, Baron, und –
ER Ach! nennt den Unglücklichen nur bei seinem wahren Namen. Ihr beschämt mein Herz nicht.
SIE Bei Euerm wahren Namen soll ich Euch nennen? Heisst Ihr nicht Tegnano?
ER Wie? und Ihr wüsstet nicht – Die Gräfin hätte euch nichts gesagt? – Ach! Violanta! Aufrichtig! was wisst Ihr von mir? – O, gute, von mir gerettete Frau! Liebe Freundin! was weisst du?
SIE Dass Ihr mehr geliebt werdet als Ihr es verdient. Dass Ihr ungetreu, und – kein Wort weiter! Wenn Ihr Euch nicht selbst Vorwürfe machen könnt, so –
ER Sie gelten meinem Schicksal. – Violanta! ich habe dich gerettet aus der schrecklichen Todesnacht, die dich umfangen hielt, ich entriss dich der Finsternis des Kerkers und der Verzweiflung, ich gab dir das freundliche Tageslicht wieder, – ich habe ein Recht auf deine Dankbarkeit. Darf ich darauf rechnen?
SIE Ihr dürft und könnt es.
ER So beschwöre ich Euch bei dieser mir schuldigen Dankbarkeit, sagt mir aufrichtig, wie weit hat sich die Gräfin Euch entdeckt?
SIE Ich weiss, dass sie Euch liebt und dass Ihr sie verlassen habt. – Euer Verschwinden brachte sie dem tod nahe. Sie überstand eine schreckliche Krankheit, und der Name einer unglücklichen Mutter ging mit der Wirklichkeit verloren.
ER Wo ist sie? wo lebt sie?
Violanta schwieg und blickte ihn mit forschenden Augen an. – Rinaldo, der aus ihren Antworten schloss, dass sie wirklich nicht wusste, wer er eigentlich war, und dass ihr die Gräfin seinen wahren Namen verhehlt hatte, um sich selbst vielleicht eine Beschämung zu ersparen, der sie bei der Entdeckung hätte unterliegen müssen, wurde dreister, und da er sich mit Violanten allein glaubte, wendete er seine ganze Beredsamkeit an, den Aufentalt der Gräfin zu erfahren, aber vergebens. Violanta wich ihm aus, schwieg oder setzte seinen fragen andere