mit ihm rasch davon. Immer tiefer ging's in die Berge hinein. Der Mond ging auf und bestrahlte die rauhen Pfade. Sie trabten, ohne ein Wort zu sprechen, noch immer rasch zu, bis an einen mit Strauchwerk bewachsenen Platz, wo sie haltmachten, Rinaldo absteigen hiessen, ihm ein Felleisen übergaben, sein Pferd bei dem Zügel nahmen und ohne ein Wort zu sprechen davonjagten.
Vergebens rief ihnen Rinaldo nach. Sie gaben keine Antwort und waren bald seinen Augen entschwunden. Endlich verlor sich auch der Schall des Hufschlags ihrer Rosse, und Rinaldo war in einer ihm unbekannten Einöde allein. – Er dachte dem Abenteuer seiner Errettung nach, die er augenscheinlich dem Alten von Fronteja zu verdanken hatte, nahm das ihm übergebene Felleisen auf den Arm und wanderte weiter.
Er war eine ziemliche Strecke gegangen, als er endlich den Schein eines Lichtes gewahr wurde. Darauf wanderte er zu und kam zu der einsamen wohnung eines Klausners, aus welcher ihm der Bewohner derselben mit einer Laterne entgegentrat.
"Bist du da?" – rief er ihm entgegen und beleuchtete ihn. – "Ich wollte dir eben entgegengehen."
"Kennst du mich?" fragte Rinaldo.
"Der Alte von Fronteja lässt dich grüssen", – antwortete jener: – "und ersucht dich, bei mir zu übernachten. Daraus wirst du sehen, zu welcher Fahne ich geschworen habe."
Rinaldo ging in die Klause, fand eine kleine Mahlzeit und ein gutes Nachtlager.
Gesprochen wurde zwischen ihm und seinem Wirte nichts. Rinaldo entschlief bald, ziemlich ermüdet. Als er erwachte, sah er den wohlbekannten Teosophen von Fronteja vor seinem Lager, der in einem buch las. DER ALTE Du hast lange geruht und, wie ich hoffe, wohl geschlafen; wenigstens gewiss besser als in deinem vorigen Nachtquartier.
RINALDO Wo bin ich?
DER ALTE Unter Freunden, wo du so lange bleiben wirst, bis du ohne Gefahr weiterreisen kannst.
RINALDO Wohin soll ich reisen?
DER ALTE Das muss überlegt werden. – Du hast eine probe meiner Gewalt und meiner Freundschaft erhalten, wie sie deine Standhaftigkeit verdient hat. – Du bist frei und ungebunden, handle nach Einsicht und Belieben. Verlangst du aber guten Rat, so soll er dir nicht fehlen. Doch wird er dir nicht aufgedrungen werden. Es könnte leicht sein, dass du hier ein paar Wochen verweilen müsstest, ehe du ohne Gefahr weitergehen könntest, deshalb hat man für Gesellschaft für dich, in der Einöde, gesorgt.
Er verliess, als er das gesagt hatte, die kammer, und gleich darauf trat Olimpia ein. Sie breitete ihre arme gegen ihn aus. – Er sah sie schweigend an.
SIE Hast du keinen Gruss für deine Olimpia? Freust du dich nicht der Ankunft einer Freundin, die sich freiwillig zu dir in eine Einöde verbannt?
ER Ich bewundere das, was du tust.
SIE Mit blosser Bewunderung speist man keine Freundin ab. Ich kann mehr als das verlangen. – Du bist gerettet, geborgen und hast nicht einmal Dank für deine Freunde?
ER Ich danke Euch meine Rettung gewiss herzlich, aber – lebt Luigino?
SIE Ich glaube gehört zu haben, dass er noch lebt. Aber wo, das weiss ich nicht.
ER Wo ist Rosalie?
SIE Vermutlich noch bei Luigino. Ich habe darüber aber keine Gewissheit. Ist sie nicht mehr bei Luigino, so hat er sie gewiss zu dem Alten von Fronteja bringen lassen.
ER kennen sich diese, kennen sich Luigino und der Alte auch?
SIE Warum nicht? Der Alte kennt uns alle.
ER Aber, kennen wir ihn?
SIE Wenigstens von person.
ER Ist er noch hier?
SIE Er ist fort, als ich eintrat. Er weiss dich ja nun in guten Händen.
ER Woher der Anteil, den er an einem mann nimmt, den alle Menschen verfolgen?
SIE Daher, weil er verfolgt wird.
ER Das ist es nicht allein.
SIE Sei es mehr oder weniger, was kümmert uns das? Genug, dass wir unter seinem mächtigen Schutze stehen.
ER Ist er wirklich mächtig?
SIE Hast du das nicht gestern noch selbst erfahren? Ohne seinen Beistand warst du verloren.
ER Das Leben ist mir verhasst. – Verdammt, ewig in Einöden und Wäldern umherzukriechen, die Menschen zu fliehen, zu fürchten und mich selbst am meisten zu hassen, kann mein Dasein mir nur zur Last und nie zur Freude werden.
SIE Ist Sizilien die Welt? – In Korsikas fruchtbaren Auen –
ER Woran erinnerst du mich? – O! dieser Traum –
SIE Muss Wirklichkeit werden. In dir umarme ich den Befreier der Korsen!
ER Ich bin es noch nicht.
SIE Du musst, du wirst es werden! Luigino rechnet darauf, wir alle wünschen eben das; deine bekannten und dir unbekannten Freunde rechnen wie wir. – Dein mächtiger Beschützer, dein Freund, der Alte von Fronteja, rechnet auch darauf. Er ist ein Korse, wie Luigino. – Und auch deine Olimpia ist eine Korsin.
ER In Neapel warst du eine Genueserin.
SIE Die zeiten ändern sich. Jetzt bin ich, was ich wirklich bin, deine zärtlichste Freundin und eine Korsin. Ich huldige dir als dem Befreier meines Vaterlandes und als dem einzigen, wahren Besitzer meines Herzens. – Ich gehe jetzt, unsere kleine Haushaltung einzurichten. Wir wollen keine Not leiden. "So weit wär' ich denn endlich gekommen" – sprach Rinaldo mit sich