Weise von Fronteja?
DER ALTE Wie du mich kennst. – Ich komme als Freund zu dem Freunde; durch meine Macht.
RINALDO Kannst du Ketten brechen?
DER ALTE Das kann ich.
RINALDO So zerbrich die meinigen.
DER ALTE Mit Bedingung, o ja! – Warum nicht?
RINALDO Mit Bedingung? Wie verstehst du das?
DER ALTE Ich bin eigennützig.
RINALDO So bist du ein ganz gewöhnlicher Mensch.
DER ALTE Nicht so sehr, wie du meinst. Mein Eigennutz ist verzeihlich, weil er planmässig ist.
RINALDO Was forderst du von mir als Lösegeld?
DER ALTE Deine gänzliche Ergebung an mich und meine Forderungen.
RINALDO Wahrlich, viel!
DER ALTE Ich entziehe dich der Folter und dem Rade.
RINALDO Sehr viel!
DER ALTE Unerhört viel. Die Justiz treibt mit solchen Gefangenen, wie du einer bist, kein Spiel. – Du bist, ohne meinen Beistand, gänzlich verloren. – Hast du noch zu wählen?
RINALDO Ich kann mich also nur dir oder den Raben übergeben.
DER ALTE Du weisst sonderbar zu paaren! – Gute Nacht!
RINALDO Einem Weisen ziemt es nicht, gegen einen Unglücklichen empfindlich zu sein. Lass hören, wozu du meine Ergebung an dich und an deine Forderungen forderst.
DER ALTE Ich bestimme keine einzelnen Fälle. Wir handeln im Ganzen miteinander. Du ergibst dich mir unbedingt, und ich rette dich aus dem Kerker und vom tod.
RINALDO Ich bin keine Maschine. – Gute Nacht!
DER ALTE Unzeitiger Stolz! Du bist seit Anbeginn deiner celebren Bahn nichts als eine Maschine gewesen. – Freilich ohne es zu wissen, aber doch Maschine, und zwar die meinige. – Du siehst mich verwunderungvoll an? – Ich wiederhole es, du warst meine Maschine, schon längst, bist es noch und wirst es bleiben – so lange ich will. Von mir und meinem Planen hängt auch jetzt dein Verderben oder deine Rettung ab. Zwar deine Unglücksfälle waren nie mein Werk, aber ich wusste dich immer wieder zu retten, wenn du dich gleich selbst oft verloren gabst.
RINALDO Nun dann, du Hexenmeister! so entlass jetzt deinen gebannten Teufel.
DER ALTE Das lasse ich wohl bleiben! RINALDO Ich mag, ich will dir nicht mehr dienen. Was geschehen ist, ist ohne mein Wissen, ist ohne meinen Willen geschehen. Jetzt will ich frei sein, und sollte es auch nur sein, um freiwillig sterben zu können. DER ALTE Auch das kannst du nicht. Dich richten Kriminalgesetze. Dabei hast du keinen Willen. RINALDO Ich kann den Atem zurückhalten und kann mich ersticken. DER ALTE Du kannst es versuchen. – Gute Nacht! RINALDO Noch eine Frage. – Wenn ich wirklich deine Maschine war, bin und noch ferner sein soll, wenn du willst, warum forderst du von mir eine ausdrückliche Ergebung an deine Forderungen? Wozu bedurftest du diese, da ich ohnehin in deiner Gewalt, nur das Spielzeug deiner Laune war? DER ALTE Du kannst glauben, dass das nötig war, sonst würde es nicht geschehen sein. Denn, dass ich wenigstens nicht viel einfältiger bin als du selbst bist, kannst du denken. RINALDO Deine Klugheit habe ich nie in Zweifel gezogen, wohl aber die gute Absicht deiner Sendung. Auch kann ich nicht leugnen, dass die Grösse und Gewalt deiner Machtkraft mir verdächtig ist. DER ALTE Du kannst davon halten, was du willst. – Aber, wie glaubst du wohl, dass ich durch deine Wachen bis hierher, durch Schlösser und Riegel in deinen Kerker gekommen bin?
RINALDO Durch Zauberei wahrlich nicht!
DER ALTE Das habe ich auch nicht gesagt. Indessen – – Doch wozu so viele Worte? Lass du dich jetzt auf einem armen Sünderkarren nach Messina führen. Dein Aufzug wird dem volk viel Spass und deinen vornehmen Bekannten dort grosse Freude verschaffen! Ich wette darauf, eine gewisse Dianora –
RINALDO Schweig, Barbar! Du spannst mich auf die Folter, ohne das Recht und Gesetz dir das erlauben. Schaffe mich fort von hier, aber –
DER ALTE Du weisst die Bedingung.
RINALDO Ich will sterben.
Er drehte sich gegen die Wand. Der Alte ging, und die Tür schloss sich wieder.
Rinaldo wurde des Morgens aus seinem Gefängnisse geholt, um weitergeführt zu werden. Ein Offizier der Miliz übergab ihm, versteckt, ein Papier und nahm dasselbe, als er es gelesen hatte, wieder zurück. – Rinaldo las:
"Du hast die probe überstanden. Zweifele nun nicht an dem Beistande Deines bekannten Freundes."
Der Offizier entfernte sich, ohne ein Wort zu sprechen. Rinaldo aber wurde auf einen bedeckten Wagen gebracht, der, mit starker Bedeckung versehen, ihn weiterführen sollte.
Sie reisten den ganzen Tag ohne Anstoss und kamen, als die Sonne sank, in ein enges Tal, dessen Mitte sie kaum erreicht hatten, als einige Schüsse in der Nähe von den Bergen herab auf Rinaldos Bedekkung fielen. Bald zeigten sich Menschen, die mit einem wilden Geschrei auf die Miliz losbrachen. Das Gefecht wurde lebhaft. Das enge Tal wurde mit Streitenden bedeckt. Die Schüsse fielen rasch hintereinander, Säbel klirrten an Säbeln, und endlich wurden die Soldaten, die nicht fielen, von dem Wagen, auf welchem Rinaldo sass, abgedrängt und entfernt. Die Maultiere wurden angetrieben, der Wagen rollte schnell davon. Bald sprangen einige mutige Burschen hinauf und lösten Rinaldos Banden. Zwei Ritter führten ein lediges Pferd, hiessen Rinaldo aufsitzen, ihnen folgen, und jagten