's mein Herz! Rinaldini ist hier."
Sie sank auf einen Stuhl, Cintio und seine Freunde griffen nach dem Gewehr.
Fussnoten
1 Leontino Monte Bello. 1. T. S. 226.
Siebentes Buch
Der Laune Ball! Von allen Seiten
Gedrängt, verfolgt und ohne Ruh!
O! wie so manche Erdenleiden
Wirft dir zum Dolch dein Schicksal zu!
Draussen blieb es nach dem Schusse still. Eugenia kam wieder zu sich. Cintio trat in die Haustür. Die andern folgten ihm. Es war kein Mensch zu sehen und zu hören. Sie umgingen das Haus und fanden keine Seele in der Nähe. – Als sie wieder in das Haus zurückgehen wollten, vernahmen sie menschliche Stimmen in der Entfernung. Sie verloren sich aber wieder, und alles blieb ruhig. Cintio sendete Eugenien mit der Nachricht an ihren Vater zurück, er werde für ihn bei dem Aufgebot gegen Rinaldini erscheinen. Eugenia verliess ihn, ziemlich unruhig.
Nero wurde unter die Ruinen geschickt. Er sah sich vergebens nach Lodovico um. Es wurde Abend, Nero kam zurück, und von Lodovico war nichts zu sehen und zu hören.
Nach einer beinahe ganz durchwachten Nacht ging Rinaldo selbst unter die Ruinen, erstieg den Söller und blickte mit klopfendem Herzen rechts in die Gegend, wo sein Herz und seine Gedanken waren. glanze über die Berge empor. Schon funkelten die metallenen Turmspitzen und Kreuze des Schlosses, auf welchem seine Augen ruhten; der Nebel entfloh, lichter wurde das Tal. – Jetzt schwamm die Sonne im blauen Äter unverschleiert einher. Wald und Tal erwachten und tausend Kehlen frohlockten ihrer Erscheinung in frohem Morgengesange entgegen. – Rinaldo senkte sein Haupt und stürzte nieder auf seine Knie, überwältigt vom Gefühl, hingerissen von Andacht, Wehmut und Entzücken.
"Wie ist mir?" – rief er aus. – "Was empfinde ich? Was schlägt mich zu Boden und füllt mein Herz mit Wehmut? Deine reinen Strahlen, grosses Licht der Welt, durchdringen mein Innerstes. – O! vernichte mich und lass mich anbetend hier vergehen."
Nach einer langen Pause schlug er seine Augen auf, blickte gegen Himmel und seufzte. Tränen entströmten seinen Augen. Er sprach:
"Unglücklicher! Hier liegst du in Wildnissen und Einöden, musst die Menschen fürchten und fliehen das schöne Licht der Sonne. Alle deine Träume sind dahin, und die schrecklichste Wirklichkeit hält dich in ehernen Banden. – O Rinaldo! du kannst nicht glücklich enden!"
Da rauschten Fusstritte durch die Büsche. Rinaldo sprang auf. Es fielen Schüsse; er ergriff sein Gewehr. Er blickte hinab. Terlini und seine Kameraden stürzten auf die Ruinen zu, Soldaten folgten den Fliehenden nach. In den Ruinen kam es zum Gefecht. Die Klugheit verliess Rinaldo, er schoss hinab auf die Soldaten. Diese vermehrten sich, Terlini und seine Gesellen wurden zusammengehauen, und Rinaldo, von acht Mann, die die Ruinen erstiegen, in eine Ecke gedrängt, musste sich ergeben. "Ich will des Todes sein!" schrie einer von den Soldaten, – "wenn dieser Vogel nicht Rinaldini selbst ist."
"Bist du Rinaldini!" – fragte ein Offizier.
Seiner sich selbst unbewusst, wie das in schlimmen Fällen oft der Vorsicht selbst geht, antwortete Rinaldo seufzend:
"Ich bin es."
Alsobald erhob sich ein lautes Frohlocken. Man band dem Gefangenen die hände und legte Schlingen an seine Füsse. Langsam ging der Marsch nach dem Ausgange des Waldes zu. Jauchzend marschierten die Soldaten einher. Rinaldo hob kein Auge von der Erde.
Vor dem wald lagerte man sich auf eine breite Ebene. – Der Offizier liess Rinaldo Wein und Brot reichen. Er nahm wenig davon zu sich.
"Aber", – sagte der Offizier, – "so herzhaft warst du doch nicht, dich selbst zu entleiben. Ich, an deiner Stelle, würde das gewiss getan haben: denn wie schimpflich wird der Tod sein, der dich erwartet."
Rinaldo sah ihn düster an und antwortete kein Wort.
"Der Kerl ist verstockt!" – schrien die Soldaten. – "Auf der Folterbank wird er schon sprechen lernen."
Bei dem Worte Folterbank erbebte Rinaldo. Eine krampfartige Bewegung zuckte wie ein elektrischer Schlag durch seine Nerven, sie war heftig, vermochte aber nicht, seine Banden zu zerreissen. Er bat um einen Mantel, erhielt ihn, liess ihn über sich werfen, verhüllte sein Gesicht, und seine Tränen fielen auf das Gras.
"Endlich kommt sie, die Stunde meiner Auflösung", – sprach er bei sich selbst. – "Das Schattenspiel meines Lebens naht sich dem Ende. Fahre wohl, Rinaldo! Deine Träume bleiben Träume. Du bist in Banden, und Korsika bleibt in Fesseln. Hinauf, auf den Rabenstein, Rinaldo! dort ist dein Triumphbogen, dort ist das Ziel deiner glänzenden Taten."
Einige Stunden darauf wurde er weitergeführt und, als er über Müdigkeit klagte, auf einen Strohwagen gesetzt, der mit einer starken Eskorte versehen wurde. So kam er gegen Abend zu Serdona an, sollte hier der Justiz übergeben und den folgenden Tag nach Messina abgeführt werden. Es war um Mitternacht, als die Tür seines Kerkers geöffnet wurde. Das Licht einer Wachskerze strahlte ihm entgegen. Er richtete sich auf und sah – wer schildert sein Erstaunen? – den Alten von Fronteja vor sich stehen.
RINALDO Was sehe ich? – Dich? – Bist du es wirklich? – Der