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hier gelegen, wo ich mich an den Förster des Orts wendete und ihm mein Vorhaben, ein Waldbruderleben zu führen, bekanntmachte. Dieser erzählte mir: sein verstorbener Baron habe, drei Jahre vor seinem tod, auch ein solches Leben aus Neigung angefangen, habe sich ein Haus in den Forst gebaut und sei als Waldbruder gestorben. Sein Sohn lebe in der Stadt, brauche immer Geld und werde mir das Haus gewiss überlassen. – Das tat er auch, und ich kaufte es ihm ab. – Seht, so bin ich zu dem haus gekommen.

RINALDO Aber wie kamst du zu einer Geliebten?

CINtIO Wer hat dir gesagt, dass ich eine Geliebte habe?

RINALDO Dein Gesang.

CINtIO Aha! hat mich der verraten? Nun gut! Ja, ich habe eine Geliebte, ein liebes, gutes Mädchen, das mich mit Milch, Brot, Eiern, Butter und andern Lebensmitteln versorgt und alle drei Tage zu mir kommt. Es ist die Tochter des Försters.

NERO Am Ende gibt's wohl gar noch eine Heirat?

CINtIO Warum nicht?

RINALDO Bravo Cintio! So gefällst du mir.

CINtIO Und so gefalle ich meinem Mädchen noch besser. Wir haben schon ein Plänchen gemacht. Der Vater weiss um unsere Liebschaft und will mir seinen Dienst abtreten, will in meine wohnung ziehen, hier das Ende seiner Tage erwarten und sein einziges Kind mit mir glücklich sehen.

RINALDO Lass dich küssen! – Nimm und mache sie glücklich, Freund! – Wie heisst sie?

CINtIO Eugenia.

RINALDO Die Gläser gefüllt! Eugenia soll leben! – Du und Sie! – Euer Glück! – Eure eheliche Liebe! – Mein Glück, wie das deinige, braver Cintio!

CINtIO Ich habe oft an dich gedacht. Als einen Toten habe ich dich beklagt, aber deine Schwärmereien habe ich dann selbst mit deiner Asche geliebt, so wie ich jetzt die meinigen liebe. Ganz unvermutet fand sich Eugenia ein. Sie erstaunte, Gäste bei ihrem Liebhaber zu finden. Dieser machte ihr dieselben als seine Freunde bekannt. Sie nahm keinen besonderen Anteil an dieser Bekanntmachung und schien vielmehr über irgend etwas in Verlegenheit zu sein. Cintio sah das und bat sie zu sprechen.

CINtIO Du brauchst meine Gäste nicht zu scheuen. Sie sind, wie ich schon gesagt habe, meine Freunde. Und, Geheimnisse hast du doch wohl nicht?

EUGENIA Geheimnisse habe ich nicht, aberin grosser Verlegenheit bin ich.

CINtIO Was hast du? Weswegen bist du in Verlegenheit?

EUGENIA Deinetwegen.

CINtIO Meinetwegen? – Was droht mir?

EUGENIA Ach! man kann nicht wissen

CINtIO Sprich. – Willst du mich auch ängstlich machen?

EUGENIA Du wirst doch auch wohl von dem grossen Räuber, Rinaldini, gehört haben? – Der ist bei uns, mitten im land.

CINtIO Unmöglich!

EUGENIA Nein, nein! Es ist wahr. Er muss ein schrecklicher Mensch sein! – Die Miliz hat seine Bande angegriffen. Sie sind noch im Gefecht. Nun sind auch unsere Soldaten aufgeboten worden und die Jäger dazu. Da meint nun mein Vater, du könntest dein Probestück ablegen und an seiner Stelle mit gegen die Räuber ziehen. – Ich kenne dich. Du wirst's tun. Und das ist es, was mich so ängstlich macht. – Du kannst erschossen werden. Und wenn sie dich nun tot in unser Haus brächten. – Ach! das könnte ich nicht überleben.

CINtIO Also wünschest du, dein Vater möchte lieber selbst mit ausziehen? Nicht wahr?

EUGENIA Ja freilich?

CINtIO Der arme alte Mann! – Wenn sie ihn nun tot in sein Haus brächten? –

EUGENIA Ach, heilige Mutter Gottes! das würde mir das Herz zerreissen. Aber ich hätte doch dann dich noch. Wenn du aber umkommen solltestmein Vater ist alt

CINtIO Ich dächte, ein anderer Liebhaber wär' weit leichter wiederzubekommen als ein anderer Vater.

EUGENIA Das wohl! Aber doch kein Cintio.

CINtIO Ich danke dir, liebe Eugenia, für deine Aufrichtigkeit. – Aber was ist nun zu tun?

EUGENIA O! der hässliche Kerl, Rinaldini.

CINtIO Er soll ein artiger Mann sein.

EUGENIA Ei meinetwegen! Wenn er nur schon in der Luft hinge, dass du hierbleiben könntest, da wär' er noch zehnmal artiger für mich.

RINALDO Ich will einen Vorschlag tun. Statt Cintio schicke du mich gegen Rinaldini, ich will ihn dir zum Hochzeitsgeschenk bringen.

EUGENIA Behaltet ihn, wenn Ihr ihn kriegen könnt! Er wird teuer genug bezahlt. Ich gönne Euch alles und mag nichts davon haben. Wenn ich meinen Cintio behalte, habe ich Überfluss in allen Ecken.

CINtIO Gutes Mädchen!

EUGENIA Cintio! stelle deinen Freund für dich, weil er Lust dazu hat.

CINtIO Dann wird er aber auch deines Vaters Dienst bekommen.

EUGENIA Das ist auch wahr!

CINtIO Und was fangen wir dann an?

EUGENIA Je nun! wir müssten zusehen, wie wir durchkämen. Wenn wir nur am Leben bleiben, so hat es nichts zu sagen. Wir wollen uns schon rühren.

CINtIO Und was würden die Leute von mir denken und sagen? Ich sei ein feiger Kerl. – Willst du einen solchen elenden Burschen zum mann haben?

EUGENIA Freilich wär' das auch schlimm! – Was ist also zu tun?

CINtIO Ich ziehe mit aus.

Da fiel vor dem haus ein Schuss. Sie fuhren erschrocken zusammen. Eugenia schrie:

"Heilige Jungfrau! mir sagt