. Schweigend folgte ihm Nero nach.
Sie kamen auf einen freien Platz und waren kaum noch zehn Schritte von dem haus entfernt, als der Klang einer Guitarre ihren Fortschritten ein Ziel setzte. Sie lauschten und hörten singen, konnten aber nichts genau, als die Worte:
Und liebst du mich,
So lieb ich dich!
verstehen, die der Refrain jeder Stanze des gesungenen Liedchens waren.
"Hier ist Saitenspiel und Sang", – sagte Rinaldo; – "es ist die Rede von Liebe. Hier haben wir nichts zu fürchten. Wo Fröhlichkeit und Liebe wandeln, wohnt keine Hinterlist."
Er sprach's und ging auf das Haus zu.
Nero folgte ihm ganz mechanisch, doch auf jeden schlimmen Fall bereit, das Rohr in der Hand, mit gezogenem Hahne nach.
Vor der Tür des Hauses sass ein Mensch in einem braunen Waldbrudergewand, der kaum den unerwarteten Besuch erblickte, als er seine Guitarre aus der Hand warf, einen Schritt vor sich sprang, dann stehenblieb, und ausrief:
"Ist es möglich! – Täuschen mich meine Augen, oder ist es Wahrheit? Bist du es wirklich? Sehe ich dich wieder?"
"Diese stimme!" – fiel Rinaldo ein – "Gütiger Himmel! Bist du es? Cintio, bist du es wirklich?"
"Ich bin es!" – schrie jener und flog in Rinaldos Umarmung.
"Ja! beim Teufel! 's ist Cintio! – Da muss das Wetter dreinschlagen!" – lachte Nero mit inniger Herzensfreude heraus.
RINALDO O mein Freund! Mein Cintio! – Sehen wir uns wieder?
CINtIO Mein Wunsch ist erfüllt, der heisse Wunsch, dich, wenn du noch lebtest, wiederzusehen. Jetzt drücke ich dich an meine Brust, und mein Herz klopft dir freudig entgegen.
NERO Ihr kennt mich doch auch noch, alter Kamerad?
CINtIO Ha! Nero? – Tausendmal willkommen!
NERO Nun! 's freut mich herzlich, dass Ihr noch lebt, dass Ihr wohlauf seid und singen und musizieren könnt!
CINtIO Herein in meine wohnung! Becherklang feiere unser frohes Wiedersehen.
NERO Beim Teufel! so etwas fehlt uns. Wir haben gefastet wie Kartäuser. Sie sassen am Tische, besetzt mit Butter, Käse, Brot und Wein, liessen sich es trefflich schmecken und füllten und leerten die Gläser nach Herzenslust.
Dabei kam's zum Gespräch.
RINALDO Wie kommst du aber hierher? In dieses Haus? – Hast du es selbst gebaut?
CINtIO Höre an: Jener Mordnacht in Kalabrien entronnen, irrte ich in den Gebirgen verwundet umher und kam endlich zu einem alten, guten Waldbruder, der mich in seine Klause nahm und mich pflegte und wartete. Diesem braven mann entdeckte ich mich und liess mir so lange von ihm zureden, bis ich ihm versprach, mein bisheriges Handwerk zu verlassen und in ein Kloster der strikten Observanz zu gehen.
RINALDO Lass mich lachen!
CINtIO Lache nicht. Halb und halb war es, und es wurde beinahe ganz mein Ernst. – Mein Wohltäter gab mir Briefe an ein Kloster mit, und ich machte mich auf den Weg.
RINALDO Ich sehe dich im geist auf dem Wege und in dem Kloster!
CINtIO Dahin kam ich nicht. Das Unglück liess mich auf sechs unserer Kameraden treffen, die sich gerettet hatten. Diese hatten sich in einen gebirgigen Schlupfwinkel gesetzt, hatten noch fünf Herumstreicher an sich gezogen und trieben ihr Werk, nach wie vor, auf alte Firma fort. – Ich liess mich überreden, blieb bei ihnen und ging nicht ins Kloster. Die Wirtschaft ging auf den alten Fuss fort. Ich zog mich tiefer ins Land hinab und schlug meine Residenz in den Bergen von Girace auf. Hier hatte sich mein Corps bald vermehrt, und wir waren schon wieder sechsundzwanzig Mann stark, als ich einen Hauptstreich auf ein reiches Kloster ausführen wollte. Da kamen wir aber übel an.
NERO Wetter!
CINtIO Ich weiss nicht, wie unser Plan hatte verraten werden können, oder fügte es der Zufall so, genug! die Mönche hatten Miliz in der Nähe. Wir wurden schlimm empfangen, und ich wurde beinahe gefangengenommen. Doch mein Glück liess mich auch diesmal noch entkommen und führte mich sogar glücklich auf eine Kornbarke, die nach Malta segelte. Mit dieser ging ich ab, und als wir in Sizilien anlegten, ging ich davon und ins Land hinein. Ich fand etliche Kerle unsers Schlags, wir vereinigten uns, setzten uns fest und trieben's im Kleinen, wie wir's sonst im Grossen getrieben hatten. – Wir hatten ein artiges Häufchen Geld zusammengeschlagen, als meine Burschen auf eine Teilung bestanden. Diese ging vor sich. Nun nahmen sie Abschied von mir, sagten, sie hätten jetzt genug, um ein ehrliches Geschäft anfangen zu können, und liessen mich allein. – Der kleinen Buschklepperei überdrüssig, warf ich mich in Kleider und machte den Reisenden. Aber meine Vorliebe zu Handwerksgegenden machte, dass ich alle Schlupfwinkel aufsuchte, wo ich glaubte, vielleicht einmal wieder Leute meines Schlages finden zu können. Da war ich einst so glücklich, zwei Säckchen mit Goldstücken zu finden, die gewiss keinem armen Teufel gehört hatten, denn sie waren mit einem grossen Wappen versiegelt. Diese eignete ich mir zu. – Kaum war ich Besitzer dieses Schatzes, so fiel mir ein, mich der Ruhe zu überlassen.
RINALDO Glücklicher Gedanke!
CINtIO Ich warf diese Kutte über und kam in ein Dorf, eine Stunde von