werden. Und wenn ich dich bitte, hierzubleiben, so ist das ebensogut, als hiess ich die dir verhasste Signora gehen. Verlangst du mehr?
SIE Deine Liebe allein und ungeteilt.
ER Du kennst mich ja bei Teilungen. Habe ich je anders als grossmütig gehandelt, wenn ich teilte?
Lodovico sprang herbei und brachte die Nachricht, man vermute im Umfange von einigen Stunden von Truppen eingeschlossen zu sein; Luigino visitiere eben die Vorposten und verstärke die Kommandos bei den Eingängen in das Gebirgstal. – Rinaldo ging mit Lodovico fort. Sie suchten Luigino auf und fanden ihn. Er schien etwas verlegen zu sein. Rinaldo fragte ihn, was ihm sei?
LUIGINO Ich habe soeben sichere Nachricht erhalten, dass wir umgeben sind.
RINALDO Korse! kann dich das ängstigen?
LUIGINO Das nicht, denn man kann sich durchschlagen, aber wenn ich bedenke, dass vielleicht diese Nacht noch, nachdem wir einen so schönen Plan gemacht haben, unserm Walten ein Ziel steckt. – Wir sind, sagt man, von 400 Mann umschlossen.
RINALDO Was denkst du zu tun?
LUIGINO Ich erwarte den Angriff.
RINALDO Mein Rat ist, dich an der südlichen Gebirgsseite durchzuschlagen, um in die Berge von Larino zu kommen. Dort hast du Waldungen im rücken und die Bergkette auf der Seite.
LUIGINO Ich bin es zufrieden, wenn du mit uns fechten willst.
RINALDO Das werde ich. Lies unter deinen Leuten mir etwa sechszehn der kühnsten aus. Ich nehme noch Nero und Lodovico zu mir. Wir alarmieren die Truppen. Indessen schlägst du dich mit deinem ganzen Corps, mit Weibern und Gepäck durch. Wir wollen dann den Weg zu euch schon finden.
Sogleich gab Luigino Befehl, die Gezelte abzubrechen, das Gepäck zusammenzubringen und Weiber und Kinder auf einen Trupp, in den Mittelpunkt des Lagers, zu führen. Rinaldo erhielt die begehrten Wagehälse; jeder derselben war, nebst Stilett und Säbel, mit einem Doppelrohr und zwei Paar Pistolen bewaffnet. Lodovico und Nero fanden sich ein, und Rinaldo, der mit einem Händedruck von Rosalien Abschied nahm, nachdem er sie Luiginos besonderer Aufsicht empfohlen hatte, zog sich in den Gebirgspass, wo er die Vorposten einzog und sie zu dem Hauptcorps schickte. Hier rückte er langsam vor, breitete sich über die Ebene aus, und als die Dämmerung einbrach, gab er das Signal zum Angriff. Das nächste feindliche Piket wurde umgangen, das zweite beinahe ganz zusammengehauen, und nun gab's Alarm auf der ganzen Front.
Jetzt hörten sie das Feuern im Gebirge, das immer weiter hin schwächer wurde und endlich ganz verhallte. Daraus schlossen sie, es sei dem Corps gelungen, sich den Weg zu öffnen.
Rinaldo schlug sich rechts, um die Berge im Rükken zu behalten, und stiess auf ein starkes TruppenKommando. Hier kam es zu einem Gefechte. Schon lagen sechs Mann der Seinigen zu Boden gestreckt, als das Kommando wankte, noch herzhafter angegriffen wurde und sich in völliger Unordnung endlich zurückzog. Sie erbeuteten Pferde, und von zwölf Mann, die Rinaldo noch bei sich hatte, wurden vier beritten gemacht. Rinaldo selbst bestieg auch eins von den erbeuteten Pferden. – Nun zog er sich langsam gegen den Gebirgspass zurück. Hier schickte er acht Mann in die Berge. Er selbst, Lodovico, Nero, Marco und Mangato, alle beritten, suchten die Pläne und schwenkten sich links feldein, um die Berge von Larino von der westlichen Seite zu erreichen.
Sie waren ungefähr eine halbe Stunde weit geritten, als sie auf einen Trupp von etwa dreissig Mann Soldaten stiessen. Hier galt kein Zögern. Sie setzten an, brachen ein, kamen durch und trafen auf eine KavalleriePatrouille von acht Mann. Es kam zu einem Gefechte. Zwei Dragoner stürzten von den Pferden, die andern ritten davon. Nero und Mangato wurden verwundet.
Jetzt vernahmen sie hinter sich ein Getümmel. Die von Rinaldo in das Gebirge abgeschickten Kameraden hatten den Pass tiefer drinnen besetzt gefunden und zogen sich in die Ebene. Hier fanden sie drei ihrer vom Haupt-Corps versprengten Gesellen, zogen sie an sich, und Terlini, ein Kerl von Mut und Kopf, der sich an ihre Spitze setzte, griff beherzt das TruppenKommando an, das Rinaldo im rücken hatte. Dieser hörte an den Büchsenschüssen, dass Kameraden im Gefecht waren, sprengte mit den Seinigen herbei, kam dem Kommando in den rücken, und bald war es zersprengt. Von zehn Mann, die Terlini anführte, waren mit ihm selbst noch zwei unverwundet. sechs lagen tot, die andern tödlich blessiert auf dem platz. Terlini erhielt ein erbeutetes Pferd. Seine Gesellen, Romato und Bellione, wurden von Lodovico und Marco mit auf ihre Rosse genommen, und der Trupp verfolgte seinen Weg. Sie traten einige Stunden weit, als ein starkes nahes Feuern sie nötigte, einen entgegengesetzten Weg einzuschlagen, und so erreichten sie mit Tagesanbruch einen Forst. Tief in demselben sattelten sie bei einer Quelle ab und überliessen sich der Ruhe. Nach einer ziemlich langen Pause gab endlich Terlini gelegenheit zu einer Unterredung.
RINALDO Was ist dir, Terlini? Du scheinst ungeduldig zu sein? – Worüber?
TERLINI Ich bin ungeduldig, und bin es über unsere Ruhe.
RINALDO Und wenn wir derselben auch gar nicht bedürften, so müssten wir sie doch unsern Rossen gönnen, wenn wir haben wollen, dass sie uns weiter tragen sollen.
TERLINI Wir haben hier auch nichts zu leben.
RINALDO Das vermisse ich selbst. Wir werden also, sobald es