sank zu Boden und schrie aus Leibeskräften:
"Schliesst das Tor! Im Namen des Königs, haltet diese Reiter fest! Rinaldini ist mitten unter uns!"
Auf dieses Geschrei kam alles in Aufruhr, der Wirt, seine Knechte, des Kapitäns Bediente, einige Maultiertreiber, Packknechte, Fuhrleute und ein paar Dragoner, die eben als Patrouille in dem wirtshaus lagen, brachen, bewaffnet mit Peitschen, Knütteln, Hacken, Heugabeln und Säbeln auf Rinaldo und seine Diener los.
Ein Knecht lief nach dem Tore, um es zu sperren. Nero schoss ihn durch die Gurgel und jagte im schärfsten Galopp zum offenen Tore hinaus.
Rinaldo griff nach seinen Pistolen, fühlte sich aber schnell von hinten angegriffen und war zu Boden geworfen, ehe er nur einen Schuss tun konnte. Ihrer Sechse waren über ihn her, banden ihm die Füsse und knebelten seine hände auf den rücken.
Lodovico spaltete einem Bedienten des Kapitäns den Schädel und hackte dem andern den halben Arm vom leib, bekam aber mit einer Heugabel einen Schlag über den Kopf und taumelte zu Boden, wo es ihm wie seinem Herrn erging. – Er knirschte mit den Zähnen, und ohnmächtige Wut verzerrte seine Gesichtszüge.
Rinaldo sah ihn ernstaft an und sagte:
"Pfui Lodovico! Warum gebärdest du dich so? Jeder Mensch hat sein Ziel. Unsere Stunde hat endlich auch geschlagen."
"Das ist es nicht, was mich wütend macht!" – brüllte Lodovico. – "Aber das ist es, dass eine Handvoll Lumpenkerle uns überwältigt hat und dass wir nicht, Mann gegen Mann, im offenen Kampfe gefallen sind."
"So wollte es das Schicksal" – antwortete Rinaldo. – "Sei ruhig und gelassen. Wir stehen ja noch nicht auf dem Schaffott. Sollen wir aber auch dort unser Leben endigen, so können wir mit unserer Ohnmacht es doch nicht ändern."
Indessen hatte der Kapitän dem Wirt und den Dragonern die Gebundenen auf ihr Gewissen empfohlen und ihnen den Preis genannt, den sie von der Regierung für ihre Heldentaten erhalten würden. – Man beschloss also, die Gefangenen diese Nacht hindurch vorsichtig zu bewachen und sie morgen im Triumph dem nächsten Kriminalrichter zu überliefern. – Die Gebundenen wurden auf eine kammer gebracht und bekamen Wache.
Den Kapitän trug man auf ein Lager und verband ihn, so gut man konnte, bis ein Wundarzt kam. Olimpia war in einer grösseren Verlegenheit, als die Leser vielleicht glauben.
Indessen versammelte der Wirt alle die um sich her, die Anteil an dem Kampfe und der Verhaftung der Räuber genommen hatten, und sagte:
"Seht hierher auf den Tisch! Hier steht's von mir mit Kreide angeschrieben, was ein jeder von uns auf seinen Anteil von dem Preise bekommt, den die Regierung auf Rinaldinis Kopf gesetzt hat. Seht, und hier steht das Fazit. Es trifft wie eine Kirchenrechnung. – Überdies haben wir bei dieser gelegenheit auch grossen Ruhm und hohe Ehre, ja, ich will sagen, den Dank und die Ehrerbietung der ganzen Insel erfochten. Mein Gastof wird durch diesen Fang ebenso berühmt werden als der Ort eines Schlachtfeldes, oder sonst ein Platz, auf welchem etwas zum Besten des Staates vorgegangen ist. Gebt acht, was geschieht!"
"Aber" – fragte einer von den Maultiertreibern und schob die Mütze bedenklich von dem rechten aufs linke Ohr; – "aber, wird nun Rinaldinis Bande wohl einen Stein deines Gastofs auf dem andern lassen?"
Der Wirt wurde verlegen und fragte ängstlich: "Hat er denn eine Bande?"
"Narr!" – schrie der Maultiertreiber, – "das kannst du dir einbilden. Eine Bande von Kerlen, die die ganze versammelte Hölle nicht fürchten. – Ich, an deiner Stelle, hätte ihm alle Tore und Pforten geöffnet, dass er entkommen wär'. Er hätte dir gewiss ein besseres Fazit gemacht, als dir nun seine Bande machen wird."
"Gut!" – sagte der Wirt, – "so ziehe ich von hier weg. Mit dem Gelde, das ich bekomme, kann ich allentalben Wirtschaft treiben."
"Daran tust du wohl!" – sagte der Maultiertreiber, – "denn die Rinaldinische Kompanie macht dein Wirtshaus sicher der Erde gleich. Dabei ist gar keine Zeit zu verlieren. Ich fürchte, die Kerle sitzen morgen schon hier. – Ich sehe sie schon hausen, plündern, sengen und brennen! Und wenn sie dich erwischen, so ziehen sie dir sicher die Haut über die Ohren."
Der Wirt wollte eben antworten, als er zu der fremden Dame gerufen wurde. Er eilte zu ihr. Olimpia zog ihn auf die Seite, sprechend:
"Herr Wirt! Ihr seid ein glücklicher Mann, dass bei Euch der berühmte Rinaldini seine Freiheit verloren hat. Aber das, was Ihr dabei verdient, würde Euch wohl doppelt von ihm gegeben werden, fändet Ihr Mittel und Wege, ihn entwischen zu lassen."
"Allerschönste Signora!" – antwortete der Wirt, – "das ist nun wohl keine Möglichkeit. Ja, wenn die Teufelsdragoner nicht hier wären! – Und dann meine Pflicht, meine Untertanenschuldigkeit!" –
"Recht so!" – fiel Olimpia schnell ein. – "Ihr seid ein braver Mann! Ich gestehe es Euch offenherzig, dass ich bloss Eure denkart erforschen wollte. Denn Ihr könnt doch wohl leicht denken, dass mir viel daran gelegen sein muss, diesen Feind meines Bruders, des Kapitäns, bestraft