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GIORGIO Ja, ich bin dabei! Ich mache diese Kampagne mit.
LISBERTA Herr Baron, lasst's ununtersucht. Man kann nicht wissen, wie's ausfällt.
RINALDO Sei ohne sorge! Ich verstehe mich ein wenig aufs Geisterbannen.
LISBERTA Wenn Ihr nur Eurer Sache gewiss seid, dass es Euch nicht geht wie dem Bruder Bonifaz, dem Kapuziner, der's Geisterbannen auch hat verstehen wollen und es nicht recht verstand, und den die Geister windelweich gedroschen haben.
LODOVICO Das sind handfeste Geister gewesen!
LISBERTA Ja, gewiss! der gute Herr hat ein Vierteljahr darüber zu Bette gelegen. Er lebt noch, und Ihr könnt ihn jede Minute selbst fragen.
LODOVICO Nun! Wir haben auch Fäuste, und wo es Schläge setzt, da fallen unsere auch wieder hin.
RINALDO Du wirst mich doch warten und pflegen, wenn ich abgeprügelt zurückkomme?
LISBERTA Ach ja! herzlich gern. Und Ihr und Lodovico könnt wohl auch einen Puff vertragen. Wie es aber um Giorgio aussehen würde, wenn man ihm über die morschen Knochen käm', das weiss ich nicht.
GIORGIO Jüngferchen, sei sie nicht naseweis! Meine Knochen sind noch gut. Hätte ich nur vor Barcelona nicht den fatalen Schuss in die Hüfte bekommen, ich wollte mit ihr noch einen Corso anstellen. Ich habe eine eisenfeste natur. Aber freilich der Schuss vor Barcelona und der Hieb bei Bellegarde in die rechte Achsel – so etwas kann einen schon labet machen. – Aber auf die Entdeckung nach dem Geisterrevier im schloss gehe ich doch mit. Mein Sarras ist noch blank. Dies und dergleichen mehr wurde gesprochen. Rinaldo aber nahm sich ernstlich vor, die Untersuchung anzustellen, was auch den folgenden Tag geschah. Die grossen Schlösser an der Saaltür wurden aufgeschlossen, die Riegel fielen, die Tür wurde geöffnet. Ein paar Fledermäuse erblickten Licht, flogen dem Castellan an den Kopf und dieser fiel zu Boden. – Die Fledermäuse wurden totgeschlagen und die Fensterladen des Saals geöffnet. Der Castellan nahm Abschied von den drei Abenteurern. Lisberta zündete drei Kerzen an und empfahl die Herren dem Schutze der heiligen Jungfrau, des heiligen Antonio und des heiligen Florian. Darauf begab sie sich gleichfalls weg, versicherte aber, sie würde recht herzlich für sie alle beten.
Der Saal, ein breites Viereck, war mit alten Tapeten ausgeschlagen und einige Bildnisse, Familienstükke der Gräfin, hingen an den Wänden. Möbel waren nirgends zu sehen.
Sie öffneten die Tür der Treppe und stiegen sechsunddreissig Stufen hinab, bis sie vor einer Tür standen, die, wie schon gesagt, von innen verschlossen war. Die Tür schien alt und morsch zu sein und war es auch wirklich. Sie legten Brecheisen an, und im Nu brach das alte Stück Arbeit zusammen, aber die inneren starken Riegel waren nicht gewichen. Mit dumpfem Schall gab das Echo eines Gewölbes das krachende Getös zurück. – Sie krochen unter den Riegeln hinweg und befanden sich in einem etwas über manneshohen und halb so breiten gewölbten Gange.
Etliche zwanzig Schritte weit waren sie gegangen, als sie an einige Stufen kamen, die tiefer hinabführten. Nach einer kleinen Strecke gang kamen mehrere Stufen, und der gang ging nun etwas niedriger schräg hinab und führte in ein gewölbtes Rundteil, dessen Ausgang wieder mit einer von aussen verriegelten Tür verschlossen war.
"Was ich aber nicht recht begreifen kann, das ist, dass die Türen alle von aussen verriegelt sind", sagte Rinaldo.
Sie legten eben Hand an, auch diese Tür einzusprengen, als sie von innen her, ganz deutlich und laut:
"Wehe! wehe! wehe!" rufen hörten. – Giorgio stürzte bei diesen Tönen sogleich zusammen, fing an, am ganzen leib zu zittern, und klapperte mit den Zähnen. – Lodovico schleifte ihn durch den gang zurück und brachte ihn mit Mühe auf den Saal, wo der Held Konvulsionen bekam. – Lodovico machte Lärm im schloss. Man trug Giorgio auf ein Bett, wo ihm von Lodovico eine Ader geöffnet ward, und die Castellanin, die sich in der Angst nicht besser zu helfen wusste, gab ihm Magentropfen ein. –
Der Castellan, der sich von seinem FledermausSchreck selbst noch nicht recht erholt hatte, kam herbeigekrochen, betete und fluchte durcheinander. Lisberta und ihre Mutter sangen mit zitternden Stimmen einen Bussgesang; Lodovico leerte ganz gelassen schnell eine halbe Flasche Wein aus. Indessen stand Rinaldo an der Wehepforte nicht müssig. Er klopfte an und schrie: "Wer auch hier sein mag, er öffne die Tür, oder sie wird eingebrochen!"
Von drinnen heraus ertönte die Frage:
"Wer stört die Unterirdischen in ihrer stillen Beschäftigung?"
"Einer, der sie kennenlernen will."
"Wir verlangen ihn nicht zu sehen."
"Macht auf, oder die Tür wird eingebrochen!"
"Kannst du", – fragte man drinnen, – "die Anblikke dessen, was unterirdisch ist, ertragen, so lass dir von dem Grafen Martagno die Schlüssel zu dieser Tür geben."
"Der Graf Martagno", sagte Rinaldo – "gibt mir keine Schlüssel. Er lebt nicht mehr."
"Er ist tot?"
"Schon seit zwei Jahren tot."
Hier entstand eine Pause, die Rinaldo zu lange dauerte. Er setzte ein Brecheisen an, und die Tür sprang auf.
Da stand er, in einem finstern Gewölbe. Eine lange Figur schlüpfte schwebend davon. Rinaldo eilte ihr nach, sie schlug eine eiserne Tür rasselnd