hoffen
Am Ziel der Wünsche hier zu stehen?
Da stehst du staunend und betroffen,
Und wagst's kaum weiter fort zu gehen.
Rinaldo setzte seine Besuche bei der Gräfin nun, in ihrem haus sowohl als auf ihrer Villa, fleissig fort, und Laura hatten keinen teil mehr an seinem Herzen.
Der Marchese kam von seiner Reise zurück und sprach viel von dem Alten von Fronteja, bei dem er Rinaldo einführen wollte. Auf seine Frage, wer denn eigentlich dieser Alte von Fronteja sei? antwortete der Marchese:
"Er ist vielleicht der Weiseste seiner Zeit. Ein Philosoph, der in die geheimsten Mysterien der sogenannten Krata Repoa ganz eingedrungen ist und Dinge entwickelt hat, wovon bisher kein Mensch etwas Zuverlässiges wusste."
"Ich verstehe aber nicht", – sagte Rinaldo, – "was mir diese Bekanntschaft helfen soll? Ich werde doch nicht auch in die Mysterien der Krata Repoa eindringen sollen? Dazu habe ich weder Kopf noch Lust."
"Der Zweck, zu welchem wir uns vereinigen", – antwortete der Marchese, – "erfordert auch Kenntnis
Das ganze Haus war auf diesen Abend zu der Gräfin auf ihre Villa geladen, und Rinaldo war der erste, der sich dort einfand.
Die Gesellschaft speiste im Pavillon, man war sehr lustig und vergnügt. – Nach Tische setzte man sich auf die Bänke eines freien Platzes vor dem Pavillon und wollte eben ein Gesellschaftsspiel anfangen, als ein paar Diener mit Windlichtern einen Fremden herbeiführten, der, wie sie sagten, den Marchese zu sprechen wünschte.
Der Marchese stieg auf, und der Fremde trat herzu. Kaum erblickte er Rinaldo, als er nach dem Degen griff und schrie:
"Ha, Meuchelmörder! Finde ich dich hier?"
"Wer sagt mir das?" – fragte Rinaldo, zog den Degen und erkannte in seinem Gegner den bewussten Kapitän.
"Ich sag es!" – knirschte dieser.
Sogleich waren die Klingen aneinander. – In dem Augenblick fiel aus dem Boskett ein Schuss und der Kapitän stürzte zu Boden.
Die Verwirrung wurde allgemein. Man jammerte, schrie, lief durcheinander. Die Bedienten stürzten bewaffnet herbei; alles kam in Aufruhr.
Die Gräfin hatte Gegenwart des Geistes genug, den Ritter in den Pavillon zu ziehen, der von allen verlassen war, und die Tür hinter ihm abzuschliessen.
Rinaldo wusste nicht, wie ihm geschehen war. Er sass in banger Erwartung einige Stunden allein und konnte sich nicht denken, wie das enden sollte. – Endlich wurde die Tür des Pavillons geöffnet und die Gräfin trat ein.
"Ist der Kapitän tot?" fragte Rinaldo.
"Er liegt schwer verwundet in der Villa", – antwortete die Gräfin, und fuhr fort: – "Ohne zu untersuchen, auf wessen Unkosten hier so blutig gespielt worden ist, suche ich Dich zu retten. Tief in den Bergen von Remata habe ich ein Schloss, wo Dich keine Seele suchen oder finden wird. Dortin musst Du vorderhand fliehen. Hier ist ein Brief an den Castellan des Schlosses, in welchem ich Dich Baron Tegnano, meinen Verwandten, nenne. Ein Pferd steht gesattelt vor dem Garten. Gott geleite Dich! Dur wirst Nachricht von mir erhalten, und so bald als möglich folge ich Dir selbst nach."
Sie sprach's, küsste ihn herzlich und benetzte seine Wangen mit Tränen. Endlich riss sie sich von ihm los und führte ihn zur Gartentür, wo das Pferd stand. Rinaldo setzte sich auf und nahm seinen Weg auf eine ungewisse Beschreibung gerade ins Land hinein.
Die Nacht war schön. Der Vollmond glänzte hell hernieder. Alles war still im weiten Reiche der Luft und auf der Erde. Auf der Anhöhe bewegte sich, gleich einem Schatten, eine menschliche Gestalt hin und her. Rinaldo hielt sein Pferd an, blickte hinauf, und die Gestalt kam näher.
"Wer ist hier?" – fragte er.
Von oben herab kam die Antwort:
"Einer, der Euch kennt, wenn Ihr Graf Mandochini seid. – Ich weiss aber noch einen Namen von Euch, den ich auch nicht einmal der schweigenden Nacht anvertrauen mag."
RINALDO Aha! Du bist Lodovico? – Wie kommst du hierher?
LODOVICO Wohin kommt man nicht in der Welt! – In Kalabrien hatte ich den Kapitän derb getroffen; aber Unkraut verdirbt nicht. Der Spitzbube ist wieder kuriert. – Ich schiffte mich in Kalabrien ein und kam nach Messina. Ich sah Euch zweimal, aber in viel zu vornehmer Gesellschaft, um Euch sprechen zu können. Wie Ihr hier heisst, wusste ich nicht und konnte Euch nicht erfragen. Ich hätte vor lauter Spekulationen, zu Euch zu kommen, schier des Teufels werden mögen! Missmutig gehe ich heute in den Hafen und sehe – denkt Euch meine Augen! – den elementischen Kapitän. Lebt also der Kerl noch? Tausend Wetter und alle Teufel! – Jetzt dachte ich: könntest du doch deinen Hauptmann finden, ihm zu sagen, wer dir erschienen ist! – Ich schleiche allentalben herum, erblicke Euch, wie Ihr nach der Villa geht, und gehe Euch nach. Ich mache Bekanntschaft mit den Bedienten, gebe mich für einen reisenden Fechtmeister aus und erkundige mich, in wessen Eigentum ich bin. Ich merkte wohl, dass es in der Villa ein Traktamentchen geben sollte – und als ich die Pasteten und Kuchen vorbeitragen sah, dachte ich, ich müsste, so auf alte Manier, gleich zugreifen: denn in meinem